"Vorstand des Fördervereins Weeze denk mal Kultur bei Veranstaltungsplanung, Gruppenfoto, Kulturförderung, Weeze"
26. Juli 2026 · Thomas Langer · Weeze

Von Weezern für Weezer

Mehr Kultur für die Gemeinde: Das ist seit 25 Jahren der Auftrag des Fördervereins „Weeze denk mal Kultur“

WEEZE. Ohne den Förderverein „Weeze denk mal Kultur“ wäre die Gemeinde Weeze heute ein ganzes Stück ärmer. Seit 25 Jahren fördert er auf vielfältige Weise das kulturelle Leben im Ort. Zeit für eine Zwischenbilanz.

„Ursprünglich wurde der Verein gegründet, um Fördermittel für Projekte zu sammeln“, erzählt der 1. Vorsitzende Ulrich Francken. Das erste dieser Kulturprojekte war der bronzene Schmied, der heute – passend zum Namen – in der alten Schmiede zuhause ist. Diese ist seit Jahren ein essenzieller Bestandteil des kulturellen Treibens in Weeze und dient, seit 2005 unter der Trägerschaft des Fördervereins, als Vereinshaus und Kulturheimat. „Die Gemeinde hat sie gekauft und vor dem Verfall gerettet“, erzählt Francken. „Es war alles ziemlich heruntergekommen.“ Ihre heutige Gestalt nahm sie schließlich unter der Mithilfe des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) und der Bürgerschaft an – ehrenamtlich und „ohne einen Cent Zuschuss. Alles über Spenden, Sponsoren und Handarbeit.“

Anfangs habe der HVV – in Gestalt des Ehepaares Johannes und Gertrud Masseling als Hauswirte – als Betreiber fungiert. „Das Problem war: Er war kein eingetragener Verein.“ Keinen echten Träger zu haben, erschwerte die Spendengenerierung. Also kam schließlich der Förderverein ins Spiel, um als Träger und Bewirtschafter einzuspringen – damit hatte der Förderverein sein zweites großes Ziel gefunden, das er bis heute verfolgt.

Führungswechsel

Wenig überraschend hat sich im Vorstand über die Jahre einiges verändert: Der erste Vorsitzende war Wilmer Hartjes, sein Nachfolger Heinz Hönnekes. Seit 2021 lenkt Ulrich Francken die Geschicke: „Als ehemaliger Bürgermeister habe ich 20 Jahre lang sehr davon profitiert, dass wir so viele ehrenamtliche Helfer haben. Deswegen möchte ich ein bisschen zurückgeben“, erklärt er. Auch heute seien Dinge wie der Förderverein und die alte Schmiede nur mit einer starken Gemeinschaft möglich. „Dahinter steht ein sehr erfolgreiches Team“ – neben dem Vorstand selbst gehört dazu ein engagiertes Helferteam.

Das ermöglicht unter anderem die verschiedensten Veranstaltungen: alle vier, fünf Jahre Ausstellungen – die erste war dem Urweezer Laurenz Pannen gewidmet – das Weinfest im Juli, das Literaturcafé oder Kabarett. „Wir haben viele Überraschungen erlebt“, sagt Hildegard Hönnekes. „Und die positiven überwiegen.“ Es sei gelungen, zwischen Krefeld und Kleve eine Nische zu besetzen und vor allem den Weezer Bürgern etwas anzubieten. „Da mussten wir uns erst reinarbeiten, aber es hat geklappt!“ Das auch dank der heißbegehrten, selbstgemachten Häppchen, die die Besucher keinen Cent kosten. „Das war unser Alleinstellungsmerkmal. Künstler kann jeder, aber wir wollen eine besondere Atmosphäre“, sagt Hönnekes. Auch die Künstler würden das zu schätzen wissen, wirft Francken ein. Hinzu kommt die Risikostreuung: „80 Prozent der Eintrittspreise kriegt der Künstler, 20 Prozent wir.“

Nachdem die Schmiede anfangs noch auf Zuschüsse angewiesen war, gestaltet sich die Bewirtschaftung mittlerweile kostenneutral für die Gemeinde, sagt Ulrich Francken. „Die Schmiede trägt sich jetzt aus den Erträgen selbst. Wir haben sogar Geld über, sodass wir kulturtreibenden Vereinen Zuschüsse zukommen lassen können.“

So konnte sich zum Beispiel das St.-Martinskomitee Hees-Baal über ein neues Pferd freuen, genauso wie der Musikverein durch Unterstützung neue Instrumente anschaffen konnte. Auch zwei Originale des Weezer Künstlers Hans Mennekes hat der Verein mithilfe der Volksbank gerahmt, um sie der Nachwelt zu erhalten. Ein weiteres, aktuelles Beispiel für Kulturförderung ist die Restaurierung des Wegekreuzes. „Über die Jahre ist viel zusammengekommen“, sagt Francken.

Breit aufgestellt

Die Schmiede, heute betrieben von den Hauswirten Doris und Hermann-Josef Heller, steht aber auch abseits des Kulturbetriebs den Menschen zur Verfügung: für Versammlungen und Veranstaltungen zum Beispiel, wie dem Frauentreff, den montäglichen Treffen des Seniorenclubs oder für die Proben der Voices und des Musikvereins. Auch private Feiern und vor allem standesamtliche Trauungen sind möglich – letztere sind eine Spezialität der Hauswirte. „Trauungen sind hier momentan sehr gefragt“, bestätigt Doris Heller. Sie und ihr Mann kümmern sich um den festlichen Schmuck, mit weißen Hussen, Blumenschmuck, Kerzen und mehr. Und es sind nicht nur Weezer, die anfragen: „Die Leute sehen es im Internet und rufen an. Das weiteste waren die Schweiz und Paris.“ Meist bestehe jedoch eine familiäre Verbindung nach Weeze. Bis zur Mitte des Jahres ist die alte Schmiede bereits auf 30 Hochzeiten gekommen.

Auch hieraus fließen die Erträge wieder in den Unterhalt der Schmiede. „Die Energiekosten sind gestiegen und wir brauchen auch Rücklagen für Reparaturen und Nachbesserungen“, erläutert Ulrich Francken. 3.000 bis 4.000 Euro betrügen die Bewirtschaftungskosten pro Jahr. „Wir wollen das für drei Jahre in der Rücklage haben, aber wir kommen gut hin.“ Das, was darüber hinausgehe, komme der Kulturförderung zugute.

Im laufenden Jubiläumsjahr 800 Jahre Weeze ist der Förderverein „Weeze denk mal Kultur“ besonders umtriebig. „Es war für uns ein Anlass, verschiedene Veranstaltungen zusätzlich anzubieten“, sagt Francken. So sorgt der Verein unter anderem für vier Konzerte (am 26. September, 4. und 18. Oktober) mit einer ehemaligen Domorgel aus Essen mit 54 Registern. Auch die vergangene italienische Nacht und die Skulpturentour am Samstag, 19. September, zählen zu diesem Extra-Programm.

Weitere Informationen zum Jahresprogramm gibt es unter https://www.schmiede-weeze.de. Auch das eigene Jubiläum hat der Förderverein im Blick. Bis zur eigentlichen Feier ist jedoch noch etwas Geduld gefragt: 2027 soll es soweit sein.

Der Vorstand des Fördervereins Weeze denk mal Kultur bereitet die Veranstaltungen vor. V.l.: Hermann Heller, Johannes Goossens, Doris Heller, Ulrich Francken, Marianne Pawlowski, Klaus Stehr, Uta Hermann-Trentepuhl und Ralf Valkysers. Nicht im Bild: Klaus Oberreich. Foto: privat

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