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Das schwere Gerät, das bei der Firma Michels im Vordergrund steht, hinterlässt Eindruck. NN-Foto: T. Langer
3. Februar 2025 · Thomas Langer · Niederrhein

Von duftendem Brot bis hin zu „Heavy Metal“

Der Tag der Ausbildung informiert am Samstag, 8. Februar, von A bis Z über die Welt der Berufe

GELDERN/KREIS KLEVE. Mit dem nächsten „Tag der Ausbildung“ am Samstag, 8. Februar, im Berufskolleg Geldern am Nierspark feiert das Messeformat nicht nur sein 20. Jubiläum, sondern auch einen neuen Rekord: Unter einem Dach vereint stellen 143 Aussteller eine noch größere Bandbreite an Berufen und Ausbildungen aus zahlreichen Branchen vor. Aber auch das schulische Angebot in der Region spielt dabei eine Rolle.

In den vergangenen 20 Jahren, in denen der Tag der Ausbildung Schülern und angehenden Azubis Orientierung bot, hat sich eine ganze Menge verändert. Was als kleine Initiative des Berufskollegs Geldern und der AOK Rheinland/Hamburg mit rund 30 Ausstellern begann, hat sich mit einer zunehmenden Zahl an Partnern und Teilnehmern zu einem Leuchtturm-Projekt unter den Berufe- und Ausbildungsmessen gemausert.

Von der gebotenen Vielfalt können sich interessierte Schüler und ihre Eltern am Samstag, 8. Februar, wieder selbst überzeugen. Mit dabei: das Handwerk, die grüne Branche, die Bereiche Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit und Soziales, Ernährung und Versorgung, der Handel, die Technik, Versicherungen, die Polizei und noch einige mehr. Überbetriebliche Bildungseinrichtungen und Hochschulen runden die Ausstellerriege ab. So wird unter anderem das Berufskolleg am Veranstaltungstag seine schulischen Möglichkeiten präsentieren und direkt Anmeldungen für die vollzeitschulischen Bildungsgänge entgegennehmen.

„Die Besucher finden hier alles, was regional vertreten ist“, sagt Andreas Boland, Leiter des Berufskollegs in Geldern. Die Zielsetzung ist klar: „Wir wollen junge Leute in Lohn und Brot bringen. Die Region braucht vor allem Auszubildende.“ Das Problem hätten auch die Betriebe längst für sich erkannt, daher nämlich auch die hohen Teilnehmerzahlen am Tag der Ausbildung: Am Berufskolleg wolle man nicht nur der Aufgabe gerecht werden, die jungen Leute fit für die Berufswelt zu machen, sondern ihnen auch Perspektiven und Anschlussmöglichkeiten für die Zeit nach dem Abschluss zu bieten.

Tag der Ausbildung goes Heavy Metal

Das Besondere in diesem Jahr: Erstmals liegt der Fokus auf der Metallbranche. Das spiegelt vor allem die neue Initiative „Fachkräfteoffensive: Deine Zukunft in der Metallbranche am Niederrhein“ wider. Der Grund für diesen Ansatz ist der, dass in der Metallbranche die Zahlen teils deutlich zurückgegangen sind. Für 11 Uhr ist eine einstündige Pitch-Veranstaltung unter der Moderation von Andrea Franken geplant. Sechs Metallunternehmen werden dann die Branche präsentieren und dauerhafte Perspektiven für junge Leute aufzeigen. Jedes Unternehmen wird innerhalb von fünf Minuten die Vorzüge des Gewerks präsentieren. Hinzu kommen Zahlen, Daten und Fakten für die Region durch die Agentur für Arbeit. Eine Fortsetzung derartiger Schwerpunkte können sich die Organisatoren schon jetzt gut vorstellen. „Bei Erfolg würden wir jedes Jahr einen beruflichen Schwerpunkt auf der Messe setzen“, sagt Andreas Boland.

Seit der ersten Veranstaltung 2005 dabei ist die Firma Michels Baumaschinen und Fahrzeugtechnik aus Geldern. Joachim Michels, der die Firma zusammen mit seinem Bruder Rolf leitet, kann das gesunkene Interesse an der Branche bestätigen. Früher habe es noch viele Bewerbungen gegeben, „heute bekommen wir viel weniger.“ Anders als in anderen Betrieben sei der Stand der Auszubildenden in seiner Firma dennoch mit zwölf aktuell sehr gut. Über die Möglichkeit, das Unternehmen öffentlich darzustellen, ist er nach wie vor sehr froh. „Es wirkt sich ja nicht nur auf Auszubildende aus, sondern auch auf deren Eltern und Bekannte. Dadurch können wir ebenfalls Arbeitskräfte gewinnen.“

Dass sich die Messe für die Aussteller lohnt, kann auch Guido Ingenbleek von der Stadt Geldern bestätigen: „Über die Messe bekommen wir die meisten Auszubildenden.“ Dasselbe gelte für Praktikanten.

Am Tag der Ausbildung erwarten die Besucher insgesamt rund 150 verschiedene Angebote. Dazu tragen auch die hauseigenen überbetrieblichen Lehrwerkstätten der Innungen bei. Dachdecker, Elektriker, Tischler, Bäcker, sie alle zeigen, was ihr Handwerk tatsächlich bedeutet. Dabei gibt es einiges zu sehen, zu schnuppern und zu naschen: „Die Dachdecker bringen zum Beispiel einen Autokran mit, während die Bäcker frisches Brot und Teilchen backen“, verrät Richard Thielen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Allein das Handwerk kommt beim Tag der Ausbildung auf 31 Betriebe aus sieben Innungen.

Als Vertreter der grünen Branche nimmt unter anderem der Verein Agrobusiness Niederrhein an der Messe teil. Begleitet von einem Gärtner und der Azubine eines Einzelhandels-Spezialisten dürften vor allem die blumigen Hingucker ein gelungener Gesprächsöffner werden, vermutet Marcus Trappe. Aber auch hinter dieser hübschen Fassade steckt wenig überraschend ein ernster Hintergrund: „Die grüne Branche braucht dringend Personal, sonst kriegen wir nichts mehr zu essen“, betont Trappe.

Wegen des zunehmenden Drucks ist es auch der Kreiswirtschaftsförderung ein Anliegen, die Attraktivität der Ausbildungsberufe aufzuzeigen, wie Marc Cattelaens sagt. „20 Millionen Babyboomer werden bis 2036 den Arbeitsmarkt verlassen. Das müssen wir aktiv gestalten.“ Daher hat die Kreis-WfG mit Antenne Niederrhein wieder eine eigene Radiosendung vorbereitet, die am Sonntag, 2. Februar, von 9 bis 10 Uhr ausgestrahlt wird.

Digitaler Wandel

Seit der Pandemie hat sich der Tag der Ausbildung auf viele Weisen gewandelt, in den letzten Jahren vor allem im Sinne der Digitalisierung. Das betreffe laut Andreas Boland nicht nur die professionalisierte Homepage oder die papierlosen Anmeldungen. Das beste Beispiel ist vielleicht die kostenlose App „Tag der Ausbildung“, die zwei Schüler des Elektrotechnik-Leistungskurses dieses Jahr nochmals weiterentwickelt haben. „Sie ist multimedialer geworden“, sagt Julia Höger-Pelzer, verantwortlich für das Schulmarketing und die Öffentlichkeitsarbeit am Berufskolleg. Die App, zu der die Schüler im Vorfeld geschult würden, bietet unter anderem Informationen zu den Betrieben und Ausbildungsberufen sowie einen Lageplan mit allen Ausstellern. Auch auf andere Weise soll die App Besucher und Aussteller zusammenzubringen, wie die „Trophäenjagd“ zeigt. Höger-Pelzer erläutert: „Je mehr Betriebe man ansteuert, desto mehr Trophäen erhält man. Am Ende werden ein Trophäenkönig gekürt und Preise vergeben.“

Andreas Boland rät allen Besuchern, sich schon im Vorfeld über die für einen selbst interessanten Betriebe schlau zu machen und etwaige Fragen zu notieren. Denn die Hemmschwelle für ein Gespräch sei bei vielen noch groß. Diesem Umstand trägt das neue Speeddating in der Sporthalle Rechnung, das sich vor allem an die Schüler des Berufskollegs richtet. „Es ist auch ein weiteres Symbol dafür, dass wir uns weiterentwickeln.“

Trotz der erwähnten Hemmungen sieht Boland in der intimen Atmosphäre ein herausragendes Merkmal der Messe. Das wissen auch die Unternehmen, die meist ihre eigenen Auszubildenden oder Ex-Azubis mitbringen. Somit erhalten die jungen Besucher direkt von jungen Arbeitnehmern, die eine ähnliche Perspektive haben wie sie selbst, Einblicke auf Augenhöhe.

Wegen eines geplanten Neubaus appellieren die Organisatoren an die Besucher, möglichst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß anzureisen. „Wir haben derzeit rund 50 Parkplätze weniger als in der Vergangenheit“, erläutert Andreas Boland. Nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten vorbeizuschauen, lautet eine andere Empfehlung. „Zwischen 11 und 13 Uhr ist es am vollsten.“ Der Tag der Ausbildung findet von 10 bis 14 Uhr statt.

Die Veranstalter

Der „Tag der Ausbildung“ ist eine Veranstaltung des Berufskollegs Geldern des Kreises Kleve, der Wirtschaftsförderungen der Stadt Geldern und des Kreises Kleve, des Vereins Agrobusiness Niederrhein, der AOK Rheinland/Hamburg und der Kreishandwerkerschaft Kleve.

Das schwere Gerät, das bei der Firma Michels im Vordergrund steht, hinterlässt Eindruck. NN-Foto: T. Langer

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