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Die Schüler lernten an Land unter anderem das Anlegen eines Rettungsgurtes.NN-Foto: SP
7. Juni 2022 · Xanten

Vom Schüler zum Lebensretter im Wasser

An der Willi-Fährmann-Gesamtschule bietet Sportlehrer Ingo Geisel eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer an / Nun wurde auch im Naturbad geübt

XANTEN. Wenn im Sommer bei 30 Grad mehrere tausend Menschen die Xantener Nordsee für eine Abkühlung nutzen und ihre Freizeit genießen, steht das Rettungsteam unter Anspannung. Sie müssen die Badegäste im Blick behalten und eine Notsituation möglichst früh erkennen. Damit sie dann richtig handeln können, brauchen sie allerdings entsprechendes Knowhow, das sie in einer Ausbildung zum Rettungsschwimmer und regelmäßigen Fortbildungen lernen. Nur sind diese rar geworden. Gesamtschüler der Willi-Fährmanngesamtschule in Xanten haben nun das große Glück, dass sie im Rahmen einer Schul-AG eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolvieren können.

Ein Schuljahr lang bereiten sich die Schüler auf die großen theoretischen und praktischen Prüfungen vor. Dazu treffen sie sich einmal wöchentlich in einem Hallenbad. „Der Kurs ist sehr praxisorientiert“, sagt Sportlehrer Ingo Geisler, der das Rettungsschwimmprojekt für die Willi-Fährmann-Gesamtschule betreut und auch die Idee dazu hatte. „Da ich studierter Sportwissenschaftler bin und einen entsprechenden Schein habe, darf ich Rettungsschwimmer ausbilden“, erklärt Geisler. Zudem sei er selbst Mitglied bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Wesel, die ihm ebenso wie die Schwimmfreunde Xanten sowie das Freizeitzentrum Xanten (FZX) bei dem Schulprojekt unterstützen.

Da die Bedingungen in einem Hallenbad sich aber stark von denen an einem See unterscheiden, hat Geisler den Unterricht ausnahmsweise ein einziges Mal an die Xantener Nordsee verlegt. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass das Freizeitzentrum Xanten uns dabei unterstützt und wir einmal hier trainieren durften. Denn eine Rettung an einem See ist anders als im Hallenbad“, sagt Geisler, „es macht schon einen Unterschied, wenn man den Grund des Wassers zum Beispiel nicht sieht und auch Strömungen dazukommen.“

Die Rettungswerkzeuge seien ebenfalls andere. An der Xantener Nordsee lernten Schüler etwa Rettungsgurte, Rettungsboards und Wurfsäcke kennen. „Sie kann man gut 20 Meter weitwerfen“, erläutert Geisler. Ein Ertrinkender könne sich daran festhalten und von einem Rettungsschwimmer aus dem Wasser gezogen werden. „Im Idealfall macht sich der Rettungsschwimmer in freien Gewässern selbst nie nass, sondern versucht mithilfe dieser Werkzeuge Ertrinkende aus dem Wasser zu ziehen. Der Selbstschutz geht natürlich vor. Denn um andere retten zu können, darf ich mich selbst nicht in Gefahr bringen“, erklärt Geisler. Nur wenn die Situation es zuließe, springe der Rettungsschwimmer selbst ins Wasser, um den Ertrinkenden zu retten.

Wie die Schüler bereits feststellen mussten, braucht man dazu allerdings jede Menge Kondition. „Das geht wirklich auf die Ausdauer. Die Ausbildung ist schon eine konditionelle Herausforderung – vor allem das Streckentauchen. Zudem werden bei einer einfachen Rettung im Wasser mehrere Muskelgruppen angesprochen. Dass muss man schon zuvor trainieren“, sagt Schülerin Josi Domian. Ihr Mitschüler Florian Lehmkuhl bemerkt aber schon konditionelle Verbesserungen. „Wenn ich nun schwimmen gehe, schwimme ich auch einfach Bahnen. Vorher bin ich darin nie so gut gewesen, aber jetzt wird es besser.“

In ihrer praktischen Ausbildung zum Deutschen Rettungsschwimmabzeichen Bronze müssen sie unter anderem 200 Meter Schwimmen in höchstens zehn Minuten, davon 100 Meter in Bauchlage und 100 Meter in Rückenlage mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit, absolvieren. Hinzu kommt 100 Meter Schwimmen in Kleidung in höchstens vier Minuten mit anschließendem Entkleiden im Wasser sowie 15 Meter Streckentauchen. Ihre Rettungsfähigkeiten müssen sie unter anderem beim 50 Meter Transportschwimmen (Schieben oder Ziehen), 50 Meter Schleppen mit je einer Hälfte der Strecke Kopf- oder Achselgriff und dem Standard-Fesselschleppgriff sowie beim 20 Meter Schleppen eines Partners und einer Demonstration des Anlandbringens unter Beweis stellen. Ebenfalls müssten sie eine dreiminütige Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) durchführen. „Und drei Minuten sind wirklich lang. Dafür braucht man ebenfalls Muskeln und Kondition, denn eine richtige Herz-Lungen-Wiederbelebung ist wirklich anstrengend“, weiß Geisler.

Bei der theoretischen Prüfung müssen die Prüflinge außerdem ihre Kenntnisse bei Gefahren am und im Wasser, bei Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen (Selbst- und Fremdrettung),

bei der Vermeidung von Umklammerungen, zur Atmung und Blutkreislauf, bei der Hilfe bei Verletzungen und Ertrinkungsunfällen, bei Hitze- und Kälteschäden sowie zu den Aufgaben der Wasserwacht zeigen.

Für die Schüler hat die Ausbildung zum Rettungsschwimmer übrigens mehrere Vorteile. „Ich brauche sie für die Bewerbung bei der Polizei“, sagt Lehmkuhl. Dafür sei nämlich mindestens der Nachweis eines Deutschen Rettungsschwimmabzeichens in Bronze notwendig. Josi Domian möchte gerne eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen. Auch dafür brauche sie das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze. „Deshalb kam mir der Kurs sehr gelegen. Ich hätte mich sonst anderweitig umsehen müssen“, sagt Domian.

Auch das Freizeitzentrum Xanten profitiert von der Kooperation mit der Willi-Fährmann-Gesamtschule. „Ich hoffe, dass ein paar Teilnehmer unser Rettungsschwimm-Team unterstützen können. Bei – in den Sommerferien – 4.000 plus X Freibad-Besuchern an einem sonnigen Tag können wir neue Kräfte gut gebrauchen“, sagt FZX-Leiter Ludwig Ingenlath.Sabrina Peters
Mit dem Rettungsboard ging es auch sprungartig ins Wasser, um Leben zu retten. NN-Foto: SP

Mit dem Rettungsboard ging es auch sprungartig ins Wasser, um Leben zu retten. NN-Foto: SP

Die Schüler lernten an Land unter anderem das Anlegen eines Rettungsgurtes.NN-Foto: SP

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