Vom Schotter zur Vielfalt
Zwei Vorgärten in Issum werden zu Naturgärten
ISSUM. Ein Vorgarten mit Schotter wirkt auf den ersten Blick pflegeleicht, allerdings zeigt sich schon nach wenigen Jahren, dass Laub und Regen ideale Bedingungen für Unkraut schaffen und auch hier Pflege nötig wird. Aber vor allem die ökologischen Nachteile überwiegen. Die Gemeinde Issum hat mit Unterstützung des Vereins Naturgarten, Regionalgruppe Linker Niederrhein, Vorgärten naturnah umgestaltet.
Maßgeblich begleitet wird das Projekt von der Expertin Sacha Sohn vom „Naturgarten“, die ihre fachliche und praktische Erfahrung in die Planung und Umsetzung einbringen konnte. Hintergrund der Initiative ist Paragraph 8 der Bauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW). Dieser sieht vor, dass alle nicht anderweitig genutzten Flächen begrünt und wasseraufnahmefähig gestaltet werden müssen. Besonders Vorgärten sind dabei ein entscheidender Faktor, da viele noch versiegelt oder als Schotterflächen angelegt sind.
Dabei ist der Nutzen begrünter Flächen enorm. Sie verbessern das Mikroklima, reduzieren Hitzeinseln, fördern die Biodiversität und können bei Starkregen deutlich mehr Wasser aufnehmen. Trotzdem hält sich hartnäckig der Irrglaube, Schottergärten seien pflegeleicht. „Viele Menschen wissen gar nicht, wie einfach und gleichzeitig attraktiv ein naturnaher Vorgarten gestaltet werden kann“, so Damaris an Mey, die das Projekt von Seiten der Gemeindeverwaltung begleitete. Besonders wichtig ist dabei die Verwendung standortgerechter und insektenfreundlicher Pflanzen.
Über die sozialen Medien der Gemeinde Issum wurden Haushalte gesucht, die ihren Vorgarten umgestalten lassen möchten. Die Resonanz war so positiv, dass statt eines geplanten Projekts gleich zwei Familien ausgewählt wurden, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. So konnten gleich zwei Beispiele entstehen, die zeigen, wie lebendig und dennoch pflegeleicht naturnahe Vorgärten aussehen können.
Die Planung erfolgte gemeinsam mit den Familien und Expertin Sacha Sohn, abgestimmt auf die jeweiligen Wünsche und Gegebenheiten vor Ort. Neben der fachlichen Begleitung halfen auch die Familien selbst, Bekannte sowie weitere Unterstützende und die Gemeinde tatkräftig mit. Die beiden Vorgärten sollen als sichtbares Beispiel dafür dienen, wie ein umgestalteter, lebendiger Vorgarten aussehen kann. Eine Wiederholung des Projekts ist angedacht.