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Alina Mykhailenko ist hoch motiviert und möchte vieles bewegen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
14. März 2026 · Heiner Frost · Kleve

Vom Berühren der Zukunft

Alina Mykhailenko ist Lehrerin und Mitglied im Ausschuss für Integration

KLEVE. Manchmal laufen die Dinge schief. Kann passieren. Manchmal muss zu Ende Geglaubtes wieder aufgenommen werden. Alina Mykhailenko hat geschrieben. Sie ist eine von denen aus dem „Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration“, die sich nicht zurückgemeldet hatten.

Jetzt erfahre ich: Meine Mails sind in ihrem Spam-Ordner gelandet. „Es tut mir leid“, schreibt Mykhailenko. Zeit also, sich zu treffen.

Alina Mykhailenko kommt aus der Ukraine, ist 37, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Mykhailenko ist Lehrerin. Ich denke an Christa Macauliffe, die amerikanische Lehrerin, die am 28. Januar 1986 bei der Explosion der Raumfähre Challenger ums Leben kam. Macauliffes Motto: „I touch the future. I teach.“ (Ich berühre die Zukunft. Ich unterrichte.) Ein unglaublicher Satz, der von der Wichtigkeit derer handelt, die unsere Kinder unterrichten. Ein Satz, der Zeugnis ablegt von einer immensen Verantwortung. Mykhailenko ist sich dessen bewusst.

Vor vier Jahren kam sie nach Deutschland. Der Ukraine-Krieg hatte gerade begonnen. Mykhailenko kam allein und blieb es für die ersten anderthalb Jahre. Sie lernte Deutsch und unterrichtet mittlerweile an der Joseph Beuys Gesamtschule in Kleve. Ihr erster Lehrer: Friedrich Förster, Mitglied bei den Grünen. Wohl einer der Gründe dafür, dass Mykhailenko auf der „Grünen Liste“ in den Ausschuss gewählt wurde, schon lange bevor sie gewählt wurde, hat sie sich engagiert.

„In Kleve und Umgebung gibt es mehr als 1.000 Menschen aus der Ukraine“, sagt sie. Und sie sagt auch: „Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind und warum wir hier sind.“ Es geht um Identität. Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine – das ist der 24. August – organisierte Mykhailenko ein Treffen.

Fragt man sie nach den Gründen dafür, dass sie sich hat aufstellen lassen, spricht sie als erstes vom „Zusammenleben“ und schnell wird klar, dass sie nicht von einem Nebeneinander spricht, sondern ein Miteinander meint.

Als zweiten Punkt nennt sie die „Zukunft für Kinder und Jugendliche“. „Haben Sie mal mit Jugendlichen gesprochen und gefragt, wo die sie sich, wenn überhaupt, treffen?“ Habe ich nicht. Mykhailenko hat gefragt: „Viele sagen, dass sie sich an der nächsten Bushaltestelle treffen.“ Es gibt zu wenig andere Orte. Das möchte sie ändern. Sie möchte mehr Spielplätze. Mehr Spielgeräte. Die Kollegen im Ausschuss haben ihr gesagt, das sei kaum zu erreichen, aber Mykhailenko will es versuchen.

Bei Punkt Drei geht es um Sprache. Und um Integration im Allgemeinen. „Natürlich kann man Sprachkurse machen“, sagt sie, aber das ist noch nicht das wirkliche Leben. Da wird Unterstützung gebraucht. „Viele sind ganz einfach unsicher, wenn es darum geht, Deutsche anzusprechen. Viele glauben, dass sie dann etwas falsch machen“, sagt Mykhailenko und fügt hinzu: „Wir brauchen Eisbrecher. Auf beiden Seiten.“ An die Menschen heranzukommen, um die es geht, sei ein Grundproblem. In erster Instanz funktioniere das nur über persönliche Kontakte. Die seien enorm wichtig.

Und apropos wichtig: Ein Ausschuss, der sich im Januar trifft und dann wieder im Juni? Das kann es doch wohl nicht wirklich sein. Da kann doch nichts in Gang kommen. Mykhailenko sieht das ähnlich. „Wir – also die Leute im Ausschuss – müssen uns zwischendurch treffen und Konzepte erarbeiten. Das ist einfach wichtig. Sonst wird nichts passieren.“ Mykhailenko – das merkt man bei jedem ihrer Sätze – ist engagiert. Sie hat Pläne. Sie will etwas erreichen. Etwas bewegen. Und: Sie freut sich, dass es mit dem Treffen jetzt doch noch geklappt hat. „Ich habe Ihre Artikel gelesen und gedacht: Wann meldet der sich bei mir?“ Manchmal (siehe oben) laufen Dinge nicht wie sie laufen sollten. Aber das hätten wir ja jetzt geklärt.

Alina Mykhailenko ist hoch motiviert und möchte vieles bewegen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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