Vogelkundler nehmen Streuobstwiese unter ihre Fittiche
René Schneider besucht Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck
SONSBECK. Sie gehören zum Niederrhein dazu, wie Kopfweiden und schwarz-bunte Kühe: die Streuobstwiesen. Eine davon hat der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider jetzt bei seiner Sommertour in Sonsbeck besucht. Überrascht hat ihn dabei unter anderem, wer die Pflege des Kleinods übernommen hat.
Denn verantwortlich für die etwa 9.000 Quadratmeter große Fläche ist die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck (OAS). Warum die Vogelfreunde auch eine Streuobstwiese pflegen? „Viele heimische Vogelarten brauchen die typisch niederrheinische Vegetation, um sich wohlzufühlen und sich zu vermehren“, sagt OAS-Vorsitzender Dieter Baumann. Genau deshalb habe man im Jahr 1993 gerne die Fläche übernommen, die zuvor als Abstellfläche für landwirtschaftliche Geräte diente, weil die abschüssige Lage eine sinnvolle Bewirtschaftung nicht zuließ. Etwa 40 verschiedene Baumarten, alles „alte Sorten“, haben die Ehrenamtlichen seitdem dort angepflanzt. „Kaiser Wilhelm“, „Rheinische Schafsnase“ oder „Berlepsch“: Alle tragen sie ausgefallene Namen und „schmecken saulecker“, wie Schneider nach dem Biss in eine „Königin Victoria“, eine Hauszwetschge, die ebenfalls dort wächst, feststellte. Den umweltpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion interessierte unter anderem, wie man mit der zunehmenden Trockenheit umgehe und ob jede Art dem Hitzestress gewachsen sei.
„Schauen Sie mal rüber zu diesem kleineren Baum da. Der hat den Sommer nicht überlebt. Wir müssen einfach weiter probieren, was am besten angeht“, erklärt Rainer Verhülsdonk, der bei der OAS federführend für die Pflege des Areals zuständig ist. Den Klimawandel erlebe er seit Jahren. Dagegen helfe auch erstmal keine Bewässerung, die am abgelegenen und leicht erhöhten Dassendaler Weg ohnehin schwierig sei. Trotz aller Widrigkeiten schafft es der 89 Mitglieder starke Verein, die Streuobstwiese zu schützen. „Und das ist ganz im Sinne des Landes NRW. Durch eine Gesetzesänderung werden Streuobstwiesen demnächst endlich unter den Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes fallen. Eine wirkungslose Landesregelung fällt dadurch weg, wodurch auch anderswo die wertvollen Flächen unter Schutz gestellt werden“, sagt Schneider.
Über das Engagement der hiesigen Ornithologen sei er froh. Neu ist bei der OAS die Kooperation mit einem Bio-Bauern, der bei der Mahd hilft. Durch die neue Schnitttechnik soll vor allem der Steinkauz angelockt und zum Brüten in einer der drei Steinkauzröhren animiert werden, weil er so freie Sicht auf seine Beute hat. Und der Ornithologe wiederum auf heimische Feld- und Wiesenvögel. So hätten am Ende alle etwas von der Streuobstwiese am Rande der Gemeinde Sonsbeck, findet Schneider.