Viva la Gondola Knatzgäcka!
Beim Frühschoppenzug ist „Knatzgäck“ mit einem Mottowagen unterwegs
KRANENBURG. Da steht er also – noch unfertig, aber trotz des Rohbaustadium schon gut erkennbar: der Mottowagen von „Knatzgäck“, einer karnevalistischen Fußgruppe aus Kranenburg.
„Knatzgäck“ gibt es seit mittlerweile elf Jahren. Fragt man die Jungs, die gerade mit dem Bau des Wagens befasst sind, wie viele Mitglieder die Gruppe hat, reichen die Zahlen von irgendwas um die 19 bis zum Höchstgebot: 25. „Beim Zug sind wir 21“, sagt einer der Jungs, die – seien wir ehrlich – allesamt Herren im besten Alter mit ausgeprägt handwerklichen Neigungen und teils biergeschuldeten „Vorbauten“ sind. 21 also. Wie viel Jungs, wie viel Mädels? „Halbehalbe“, sagt einer und im Kopf des Berichterstatters entsteht ein mathematisches Dilemma. Schwamm drüber. Es geht ja um andere Dinge.
Der Mottowagen zeigt einen Gondoliere. Hat der eigentlich Ähnlichkeiten mit dem Kranenburger Bürgermeister? Der Entwerfer des Wagens, Dirk Willemsen, will das nicht abstreiten. Der Bürgermeister also als Gondoliere. Vor ihm – wen wundert‘s? – ein verliebtes Kranichpaar. „Venedig ist ja die Stadt der Liebenden“, erklärt Willemsen das Turtelpärchen. „Und wer von den beiden der Mann ist, sollte auch klar sein.“ Der Berichterstatter widmet den beiden Kranichturteltäubchen einen Blick. Ein Fragezeichen entsteht. Erneutes Nachfragen beim Entwerfer. Der grinst und meint: „Achte mal auf die Zungen.“ Okay – „jetzt hab ich‘s.“
Was hat ein gondolierender Bürgermeister mit Kranenburg zu tun? „Na – es gibt doch den Plan, in der Großen Straße einen Bachlauf zu installieren.“ Ein Plan übrigens, den Willemsen „super“ findet. „Als dieser Plan erstmals kommuniziert wurde, gab es ja karnevalistische Stimmen, die sich dagegen ausgesprochen haben, weil dann angeblich kein Zug mehr stattfinden könne“, blickt Willemsen zurück und macht aus seiner Meinung keinen Hehl. „Quatsch.“ Und mit Quatsch meint Willemsen nicht etwa die geplante „Wasserstraße“. „Wie gesagt: Ich halte das für eine tolle Idee. Und natürlich wird es auch mit einem Bachlauf einen Frühschoppenzug auf der Großen Straße geben.“ Der Mottowagen: eine Hommage. Auf dem Wagen wird übrigens – außer Kranichen und Bürgermeister – niemand lebendiges zu sehen sein. Das hat auch etwas mit der Betriebserlaubnis für das Gefährt zu tun. Die Jungs und Mädels von „Knatzgäck“ begleiten ihren Mottowagen per pedes – zu Fuß also. Nun kommt die Liebe zum Detail ins Spiel. Wenn schon hoch auf dem (nicht) gelben Wagen ein Bürgermeister in Gondoliere-Uniform zu sehen ist (also mit quergestreiftem Hemd – wahlweise rot- oder blauweiß), dann muss das Fußvolk auch in Gondeln unterwegs sein. E voilà: Alles da. Die Herrn von Knatzgäck hätten diesbezüglich fastfederleichte Umhängegondeln im Angebot. Das Motto: Reinschlüpfen und sich (hoffentlich) wohlfühlen auf den Fußkilometern. Paul Rogall, einer aus der Truppe, tritt zum Probetragen an. „Leicht sind die wirklich.“ Nur mit der Halterung – die Gondeln werden mit Riemen eingehängt – hapert es noch ein bisschen. Kein Problem. Es sind ja genügend findige Köpfe am Werk, eine solche Kleinigkeit in den Griff zu bekommen.
Wer hat eigentlich Kraniche und Bürgermeister gepappmachet? Ein Name wäre zu nennen: Michael Mooren. Wagenentwerfer Willemsen: „Der Michael hat mal einen Kurs bei Jacques Tilly gemacht. Tilly ist DIE Konifere, pardon: Koryphäe im Düsseldorfer Karnevalswagenbau.
Und was Schüler Mooren auf die Beine – respektive auf den Wagen – gestellt hat, kann sich sehen lassen. Der Mottowagen: ein Hingucker. So viel steht fest. Wieder geht es zu den Details: Wenn die Konstruktion fertig ist, werden unterhalb der Bürgermeistergondel im stilisierten Wasser springende Fische zu sehen sein – angetrieben von einem Scheibenwischermotor, der seinerseits von einer Autobatterie gespeist wird. Schon verrückt, woran die Jungs so alles gedacht haben. Was machen eigentlich die zehneinhalb Mädels? „Die kümmern sich um die Kostüme und das Wurfmaterial“, sagt einer aus der Truppe der „Herrenausstatter“. Gerade legen die Herren – die Temperaturen in der „Wagenbauhalle“ liegen bei Null Grad – ein Kaffeepäuschen ein. Später am Tag wird dann noch der Grill angeworfen und die Kaffeetassen werden gegen Bierflaschen getauscht. Die blanke Vorfreude auf den Zug will einen angemessenen Ausdruck finden. Der Gondelwagen von Knatzgäck – es sei gern wiederholt – ist ein echter Hingucker und, so sagt es Dirk Willemsen, „eine gut gemeinte Verballhornung für eine echt tolle Idee“.
Manchmal lachen nicht nur die Hühner, sondern auch die Fische und springen im Kunstwasser motorgetrieben auf und ab. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
Ein Teil der Knatzgäcken beim Wagenbau (v. l. n. r.): Paul Rogall, Cor Hafner, Dirk Willemsen, Andreas van Wickeren, Michael Mooren, Frank Janssen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen