Vetera castra – auf Tacitus‘ Spuren
Archäologische Führungen über den Fürstenberg am UNESCO-Welterbetag
Es war eines der größten im Römischen Reich. Zeitweise beherbergte es zwei Legionen, also in etwa 10.000 Soldaten. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (um 58 bis um 120 n. Chr.) beschreibt vor allem die Zerstörung des Lagers im Rahmen des Bataveraufstandes 69/70 n. Chr. Seine Beschreibungen sind erstaunlich ortskundig. Vielleicht war er sogar als Augenzeuge vor Ort.
Auch die neuesten spektakulären Forschungsergebnisse zu dem Bodendenkmal sind Bestandteil der Führungen: Im vergangenen Jahr wurde bei gezielten Forschungen festgestellt, dass die Siedlung vor den Toren des Lagers wesentlich größer war als bisher angenommen. Sie verfügte zudem über ein Badegebäude und eine palastartige Villa, die wahrscheinlich als Reiseresidenz des Statthalters des Heeresbezirks Niedergermanien diente. Zweifellos handelt es sich dort um die Siedlung „in Art einer römischen Landstadt“ (in modum municipii), die der römische Geschichtsschreiber Tacitus unweit des Xantener Legionslagers beschreibt und deren Lokalisierung viel diskutiert war.
Seit 2021 gehört das Lager zum UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“ (NGL). Diese länderübergreifende Welterbestätte entlang des Rheins zwischen Katwijk aan Zee in den Niederlanden und dem rheinland-pfälzischen Remagen in Deutschland umfasst insgesamt 44 archäologische Fundplätze, von denen 24 in Nordrhein-Westfalen liegen. Der NGL ist Roms früheste lineare Grenze.
Hier findet sich die gesamteBandbreite von Militärlagern und zugehörigen Zivilsiedlungen der Römischen Kaiserzeit. In ihnen spiegelt sich seine 450-jährige Geschichte wider. Auch Roms innovativer Umgang mit der bewegten Flusslandschaft, die der Rhein maßgeblich prägte, wird hier eindrucksvoll fassbar. Herausragende Erhaltungsbedingungen für organische Materialien, wie Holz oder Leder, erlauben einzigartige Einblicke in das Leben an und mit der Grenze. All dies macht den NGL zu einem der bedeutendsten archäologischen Zeugnisse römischer Grenzen.