„Versprechen nicht gehalten“: Emmerich beendet Kooperation mit Unsere Grüne Glasfaser
Die Stadt Emmerich hat die Kooperationsvereinbarung mit dem Telekommunikationsunternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) gekündigt. Grund sind anhaltende Probleme in der Zusammenarbeit, eine deutlich geringere Ausbauquote als zugesagt und die Entscheidung des Unternehmens, den Glasfaserausbau weitgehend zu stoppen.
EMMERICH. Erst am vergangenen Dienstag hat die Stadtverwaltung Emmerich erstmals eine offizielle Mitteilung des Unternehmens „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) erreicht, dass der Glasfaserausbau eingestellt werde. Zuvor gab es nur informelle Hinweise ohne klare schriftliche Erklärung, wie die Stadt mitteilt. Die Nachricht schaffe zwar Klarheit, bestätige aber die seit Monaten bestehenden Sorgen vieler Bürger.
Nach derzeitigem Stand werden nur rund zwölf Prozent des ursprünglich zugesagten Ausbauumfangs tatsächlich realisiert. Für die große Mehrheit der zunächst in Aussicht gestellten Anschlüsse bedeutet dies, dass vorerst keine Glasfaserleitungen durch UGG gebaut werden. Die Hoffnung auf eine flächendeckende Versorgung, insbesondere in Innenstadt und Stadtteilen, hat sich damit nicht erfüllt. Damit hat das Unternehmen einen wesentlichen Punkt der ursprünglichen Kooperationsvereinbarung nicht eingehalten.
Kündigungsschreiben von UGG erreichen Bürger
Viele Bürger haben bereits vor mehreren Tagen Kündigungsschreiben von UGG erhalten. Das Unternehmen verweist darin auf „veränderte Rahmenbedingungen“ und beendet Verträge in Gebieten, in denen der Ausbau noch nicht begonnen hat. Die Stadt hat jetzt von UGG eine Straßenliste vorliegen, in der alle Straßen aufgeführt sind, die noch ausgebaut und angeschlossen werden.
Die Stadt hatte im August 2023 eine Kooperationsvereinbarung mit UGG geschlossen. Ziel war es, große Teile des Stadtgebiets – auch Innenstadt und Ortsteile – eigenwirtschaftlich mit Glasfaser zu erschließen. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, für den Glasfaserausbau Straßen und Wege zur Verfügung zu stellen, hat bei solchen privatwirtschaftlichen Projekten aber keine direkten Sanktionsmöglichkeiten.
Seit Beginn der Zusammenarbeit gab es immer wieder Schwierigkeiten – beim Bau und bei der Kundenwerbung. In der Ausbauphase wurden Mängel an Straßen und Gehwegen festgestellt, die teilweise noch nicht oder nur unzureichend behoben sind. UGG hat seinem Generalunternehmen inzwischen gekündigt. Die Stadt fordert weiterhin nachdrücklich die vollständige und fachgerechte Beseitigung aller Schäden ein. So sind in einigen Bereichen noch Restarbeiten erforderlich, insbesondere bei der Wiederherstellung der Asphaltdecke. Außerdem müssen am Bremerweg zusätzlich noch Gehwege und weitere Oberflächen wiederhergestellt werden.
Bürgermeisterin Lindlahr: „Geben Thema nicht auf“
„Wir haben uns sehr viel vom Projekt mit ‚Unsere Grüne Glasfaser‘ versprochen“, sagt Bürgermeisterin Claudia Lindlahr. „Unser Ziel war es, Emmerich am Rhein zukunftssicher mit schnellem Internet zu versorgen – in der Innenstadt genauso wie in den Ortsteilen. Dass dieses Versprechen jetzt nur zu einem sehr kleinen Teil eingelöst wird und viele Bürgerinnen und Bürger verunsichert sind, bedauern wir sehr. Trotzdem geben wir das Thema Glasfaser nicht auf. Wir werden weiter aktiv auf andere Unternehmen zugehen und alle Spielräume nutzen, die wir als Stadt haben. Gleichzeitig achten wir darauf, dass vorhandene Mängel im Straßenraum vollständig und ordentlich behoben werden. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen erwarten, dass wir hier sehr genau hinschauen.“
UGG hat in Emmerich bereits Infrastruktur aufgebaut (zum Beispiel zentraler Netzverteiler und Verteilerkästen). Ein Weiterbau wäre grundsätzlich möglich. Ob und wann UGG den Ausbau fortsetzt oder andere Unternehmen darauf aufbauen, ist offen. Bürgermeisterin Lindlahr steht bereits mit einem anderen Telekommunikationsunternehmen in Kontakt. Angesichts der schwierigen Lage in der Branche und gestiegener Baukosten ist dies jedoch anspruchsvoll.
Emmerich ist kein Einzelfall. Auch in anderen Kommunen in Nordrhein-Westfalen geraten Glasfaserprojekte von verschiedenen Telekommunikationsunternehmen ins Stocken oder werden gestoppt, wie die Stadt Emmerich mitteilt. Als Gründe werden unter anderem veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gestiegene Kosten genannt. Diese Entwicklung erschwert auch in Emmerich die Suche nach alternativen Anbietern.
Übersicht zum Ausbau in Emmerich
Laut aktueller Übersicht von UGG werden folgende Straßen – ganz oder in Teilen – noch ausgebaut und an das Glasfasernetz angeschlossen: Alexander-Tenhaeff-Straße, Am Stadion, An der Fulkskuhle, Baustraße, Berfeldweg, Borgheeser Weg, Bredenbachstraße, Bremerweg, Dederichstraße, Duvendahlstraße, Ebertstraße, Eduard-Künneke-Straße, Feldstraße, Gasthausstraße, Gerhard-Storm-Straße, Goebelstraße, Großer Löwe, Hansastraße, Heideweg, Heinrich-Lübke-Straße, Hekerenfelder Weg, Helenenbusch, Hinter dem Engel, Hohenzollernstraße, Hubert-Fink-Straße, Im Polderbusch, Karl-Arnold-Straße, Karl-Modic-Straße, Konrad-Adenauer-Straße, Kurt-Schumacher-Straße, Merowingerstraße, Neuer Steinweg, Nollenburger Weg, Normannstraße, Patersteege, Paul-Maria-van-Aaken-Straße, Rheinpromenade, Sankt-Michael-Straße, Schulstraße, Seufzerallee, ‚s-Heerenberger Straße, Sprickmann-Kerkerinck-Straße, Steinstraße, Theodor-Heuss-Straße, Unter den Eichen, Van-Gülpen-Straße, Westhoovenstraße, Wollenweberstraße.
Wer unsicher ist, ob seine Hausnummer in der jeweiligen Straße noch zum Ausbaugebiet zählt, kann sich per E-Mail an regina.pommerin@stadt-emmerich.de wenden.