Verdienstkreuz am Bande für Renate Freundt aus Wesel
Auszeichnung für jahrzehntelanges Engagement im Bereich des Naturschutzes
WESEL. Für ihre auszeichnungswürdigen Verdienste und über Jahrzehnte andauerndes Engagement im Bereich des Naturschutzes, wurde Renate Freundt aus Wesel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Günter Helbig überreichte als stellvertretender Landrat der 88-jährigen ehemaligen Grundschullehrerin die hohe Auszeichnung am vergangenen Donnerstag im Namen des Bundespräsidenten im Weseler Rathaus.
„Sie und ihr Mann waren Vorreiter. Und vor allem sind Sie Vorbilder. Vorbilder, wie man mit unserer Natur - und damit auch unserer Lebensgrundlage - umgehen sollte: Fürsorglich, bedacht aber vor allem auch interessiert“, sagte der stellvertretende Landrat Günter Helbig bei der Übergabe.
Bereits während ihrer Tätigkeit als Grundschullehrerin hat die frische Verdienstkreuzträgerin oft Projekte zum Artenschutz mit Kindern durchgeführt und ihnen die Tiere und Pflanzen am Niederrhein nahegebracht. Die Liebe zur Natur zu wecken war ihr immer ein besonderes Anliegen.
Ende der 80er-Jahre kaufte sie mit ihrem Mann eine 11.000 Quadratmeter große Ackerfläche in der Flürener Heide in Wesel. In Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Wesel entwickelte sie den Acker zu einer „Fläche für Biotopvernetzung und Artenschutz“ für bestandsgefährdete heimische Pflanzen- und Tierarten. Das „Biotop Freundt“ ist Lebensraum für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen, die zum Teil auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen.
Renate Freundt hat auch umfangreiche Studien im Biotop betrieben. Sie hat dort etwa 250 Eidechsen fotografiert und katalogisiert. Zudem hat sie weit über hundert Schwebefliegen und Wildbienenarten bestimmt und dabei mache Art entdeckt, die am Unteren Niederrhein als selten, verschollen oder ausgestorben galt. Beim Monitoring des Biotops stellte sich ebenfalls heraus, dass einige hochgradig gefährdete Arten in Nordrhein-Westfalen hier einen neuen Standort begründen konnten. So ist von dort aus auch eine Widerausbreitung einiger Arten möglich. Auch informiert sie die Bevölkerung mit spannenden Bild-Vorträgen und Führungen im Gelände des Biotops. Das wertvolle Naturareal hat es sogar bis in die WDR-Sendung „Heimatflimmern“ mit dem Thema „Naturoasen NRW – Im Einsatz für Storch & Co.“ geschafft.
Weiterhin haben ihre Spenden dazu beigetragen, dass besonders wertvolle Flächen in der Dingdener Heide durch den Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) erworben werden konnten.
Als langjähriges Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als auch im NABU hat Renate Freundt mit ihrem „Biotopprojekt Freundt“ durch dessen Bedeutung und Außenwirkung einen Meilenstein gesetzt, der als einmalig angesehen werden kann. Mit detaillierten Pflegeanleitungen hat sie die Biotopflächen in die Hände der NABU-Naturschutzstiftung des NABU-Landesverbandes gegeben.
Renate Freundt wurde für Engagement mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt etwa den Umweltpreis des Kreises Wesel im Jahr 1988, die bronzene Ehrennadel des NABU Kreis Wesel 2005, 2014 den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland sowie die Goldene Ehrennadel des NABU Bundesverbandes. Zuletzt erhielt Renate Freundt im Jahr 2019 den Klimaschutzpreis der Stadt Wesel.