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Die Schüler der Q2 des Jan-Joest-Gymnasiums zeigen in ihren Kunstwerken, wie vielschichtig das Leben und die Kunst sein kann. NN-Foto: SP
13. Februar 2025 · Sabrina Peters · Kalkar

Unsichtbare Schichten des Lebens in einer Ausstellung

Kunstprojektkurs präsentiert facettenreiche Ausstellung „layers unseen“

KALKAR. Ein „blühender Verfall“ schließt sich eigentlich gegenseitig aus. Lara Plötz hat beides aber in einem Kunstwerk vereint: Ein modelliertes Skelett steht darin für den Verfall, die Farbe Pink sowie mehrere Blumen für das blühende Leben. „Leben und Verfall gehören untrennbar zusammen“, sagt die 17-Jährige und ergänzt: „Sie existieren nicht als Gegensätze, sondern als zwei Schichten derselben Realität.“

Viele Menschen würden nach außen hin blühen und strahlen, „weil man nur oberflächlich hinschaut und nicht begreift, dass ein Mensch mehr als nur eine Schicht hat und dass sich unter den weiteren Schichten vielleicht eine ganz andere Person befindet“, sagt Plötz, die gemeinsam mit elf weiteren Schülern des Kunstprojektkurses der Q2 des Kalkarer Jan-Joest-Gymnasiums ab kommenden Samstag, 15. Februar, zur Ausstellung „layers unseen“ im Städtischen Museum in Kalkar einlädt.

Das komplette erste Halbjahr des diesjährigen Schuljahres haben sich die Oberstufenschüler des Kunstprojektkurses mit dem Thema „Unsichtbare Schichten“ (auf Englisch: „layers unseen“) auseinandergesetzt. „Als wir über das Oberthema gesprochen haben, gab es schon verschiedene Ideen von Schülern, die zu dem Thema Vielschichtigkeit passten. Deshalb haben wir uns dann auch für ,layers unseen‘ als Oberthema und Titel unserer Ausstellung entschieden“, verrät Jenna Yabut. Die 18-Jährige hat sich in ihrer Arbeit mit den „Facetten des Ichs“ befasst. Dazu hat Yabut ein und dieselbe fiktive Dame einmal auf einer Leinwand und einmal auf einem Organza-Stoff dargestellt. Beide Schichten hat sie dann in einigem Abstand zueinander voreinander drapiert. „Mit diesem Kunstwerk beschäftige ich mich mit der Vielschichtigkeit der Persönlichkeit und dem Spannungsverhältnis zwischen äußerem Erscheinungsbild und inneren Wahrheiten“, erklärt Yabut.

Weronika Rybak hat eine Frau gemalt, deren wallendes Haar aus vielen Blüten besteht. „Verborgene Blüten der Seele“, nennt sie ihr Gemälde. „Ich interessiere mich sehr für Psychologie und die verbundene Identität der Menschen. Ich wollte in Verbindung zu unserem Thema ,layers unseen‘ zeigen, wie sich die unsichtbaren Schichten eines Menschen verändern“, erklärt die 18-Jährige und ergänzt. „Die Schichten in dem Bild, sind hier einerseits mit den Blütenblättern und anderseits mit der Identität der Frau gleichzusetzen. Ich wollte eine Blume, vor allem die Rose, zeigen, die auf der einen Seite als Königin der Blumen den Anspruch hat, perfekt zu wirken, auf der anderen Seite jedoch, je weiter man das Blütenzentrum verlässt, mehr und mehr Imperfektionen erkennen lässt, beispielsweise verwelkte oder abgebrochene Blütenblätter.“ Dies solle darauf hinweisen, dass viele Menschen nach außen hin makellos erscheinen wollen, jedoch meist nur ihre Probleme verstecken.

Alicia Fries hat für ihr Werk einen „Giftbaum“ als Grundlage genommen. Diesen stellt sie auf einer Glasscheibe blattlos, aber mit starken Wurzeln dar. Auf anderen Glasscheiben, die einen mehrdimensionalen Effekt erzeugen, erhält der Baum lilafarbene Blätter. „Der Baum soll zeigen, wie stark wir Menschen verwurzelt sind“, erläutert Fries, die das Gedicht „Der Giftbaum“ von William Blake als Inspiration für ihr Werk genommen hat. Blake sagt in seinem Gesicht, das verdrängter Zorn wächst und zerstörerische Konsequenzen haben kann.

Mit verschiedenen Kulturen hat sich Paula van Dreuten in ihrer Installation beschäftigt. Sie zeigt darin drei Figuren, die eine Powwow-Tänzerin, eine Frau in traditioneller Yakut-Tracht (sibirische ethnische Gruppe) und eine Angehörige des Maasai-Stammes (ethnische Gruppe aus Kenia) ebenfalls in traditioneller Kleidung darstellen. „Ich möchte die Vielseitigkeit von verschiedenen Kulturen zeigen und dabei Neugierde und Akzeptanz schaffen. Ich halte es für besonders wichtig, sich über andere Kulturen zu informieren, da dies ein Fundament für Toleranz und gegenseitiges Verständnis schafft. Außerdem wird Perspektive auf den eigenen Lebensstil geschaffen. Viele indigene Kulturen haben großen Respekt vor der Natur und haben Frieden und Gemeinschaft als Grundprinzipien, nach denen sie sich richten. Diese Prinzipien sollten auch wir wieder mehr in unser Leben aufnehmen und uns daran erinnern, das wertzuschätzen, was uns wirklich wichtig ist“, erläutert die 17-Jährige.

Caroline Mühlenhoff setzt sich in ihrem Beitrag „(Un-)gläubig?“ mit dem Glauben auseinander. „Er ist nicht für alle Menschen gleich ausgeprägt oder überhaupt existent. Er bedeutet nicht für alle dasselbe; manche Menschen schwanken zwischen Zweifel und Vertrauen, zwischen innerer Suche und Hoffnung. Glauben beeinflusst das Leben so mehr oder weniger oder gar nicht, vielleicht tiefer oder nie – in allem stecken die „layers unseen“, nämlich die Schichten dessen, was im wortwörtlichen Vertrauen und Glauben, also ,Nicht-Wissen‘ steckt“, sagt Mühlenhoff. Insgesamt stellen zwölf Schüler ihre Arbeiten aus. Sie erklären ihre jeweiligen Werke in Texten.

Die Jahresausstellung des Kunstprojektkurses „layers unseen“ der Q2 des Jan-Joest-Gymnasiums Kalkar wird am kommenden Samstag, 15. Februar, um 15 Uhr eröffnet. Sie kann anschließend noch bis zum 9. März zu den Öffnungszeiten des Museums (dienstags 11 bis 13 Uhr, mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr) besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Sabrina Peters

Die Schüler der Q2 des Jan-Joest-Gymnasiums zeigen in ihren Kunstwerken, wie vielschichtig das Leben und die Kunst sein kann. NN-Foto: SP

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