Beim großen Limesfest gibt es Handwerk zum Mitmachen. Foto: Axel Thünker DGPh
3. Juni 2026 · Sabrina Peters · Xanten

UNESCO-Welterbe wird lebendig: Großes Limesfest im APX Xanten

Zum fünften Jahrestag der Welterbe-Auszeichnung zeigen Wissenschaftler, Handwerker und Reenactors das Leben am römischen Grenzwall

XANTEN. Der Archäologische Park Xanten (APX) plant für das nächste Wochenende, 13. und 14. Juni, ein XXL-Event auf seinem Gelände. „So einen großen Aufmarsch hat es seit 2000 Jahren nicht gegeben“, sagt APX-Leiter Martin Müller. Mehr als 400 Händler, Handwerker, Reiter und Legionäre aus sechs europäischen Ländern werden beim großen Limesfest an beiden Tagen die Fülle des römischen Lebens präsentieren. Zum fünfjährigen Jubiläum der Ernennung des Niedergermanischen Limes zum UNESCO-Welterbe gehe es zwischen Handwerkerhäusern und Limes-Pavillon hoch her, wie der APX mitteilt. Das bunte Programm auf dem Gelände der einstigen Großstadt Colonia Ulpia Traiana reiche von Handwerksvorführungen und Schießübungen mit großen Katapulten über Reiterspiele bis hin zu einem großen Festumzug. Zahlreiche Spiele und Mitmachaktionen laden zudem besonders Familien mit Kindern zum Entdecken und Ausprobieren ein.

Im Mittelpunkt sollen die Menschen, die einst entlang der römischen Rheingrenze lebten und arbeiteten, stehen. Zwischen Handwerkerhäusern und Limes-Pavillon demonstrieren Darsteller aus verschiedenen europäischen Ländern das Leben von Legionären, Händlern, Handwerkern und ihren Familien. Besucher erhalten Einblicke in antike Handwerkstechniken und können Schmieden, Weben, Schnitzen oder Bronzegießen aus nächster Nähe verfolgen. Viele der Handwerker laden zudem dazu ein, selbst aktiv zu werden und historische Arbeitsweisen auszuprobieren.

Zu den Höhepunkten des Festes zählen die Reiterspiele der römischen Kavallerie. Prächtig ausgestattete Reiter zeigen dabei die Geschicklichkeit und das Können, mit denen die römischen Truppen einst trainierten. Ebenfalls spektakulär sollen die Vorführungen der Legionäre werden. Mehrere internationale Reenactment-Gruppen schlagen am 13. und 14. Juni ihre Marschlager im Park auf und geben Einblicke in den Alltag der Soldaten an den Grenzen des Römischen Reiches. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem die britische Ermine Street Guard, die als älteste römische Reenactment-Gruppe gilt, sowie die I. Roemercohorte Opladen. Neu vertreten sind auch Gruppen aus Belgien und den Niederlanden.

Ein Höhepunkt verspricht der große Festumzug vom Römermuseum zum zentralen Aktionsfeld zu werden, auf dem anschließend sechs Legionärsgruppen gemeinsam römische Taktiken präsentieren werden. Start ist an beiden Tagen jeweils um 14 Uhr. Dabei zeigen sie historische Formationen. Auch die Leistungsfähigkeit antiker Waffentechnik werde vorgeführt. Schießübungen mit großen Katapulten und einem Onager sollen die Durchschlagskraft römischer Belagerungswaffen verdeutlichen. „Allererdings wird nur auf Strohballen geschossen werden – nicht auf Strohpuppen“, sagt Stephan Engelhardt, Museumspädagoge am APX.

Neben den Vorführungen spielt auch die Forschung beim Limes-Fest eine wichtige Rolle. Wissenschaftler von Universitäten und Museen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen den Besuchern für Gespräche zur Verfügung und informieren über aktuelle Erkenntnisse der archäologischen Forschung. Die Themen reichen von antiken Mode- und Frisurentrends bis hin zu Fragen der Ingenieurskunst und Militärtechnik.

Ein besonderes Augenmerk gelte aber Familien mit Kindern. Alle teilnehmenden Gruppen bieten Mitmachaktionen an, die überwiegend kostenlos sind. Kinder können unter anderem Münzen prägen, Bogenschießen ausprobieren, Feuer schlagen, Getreide mahlen, Seile herstellen, Medaillons herstellen, Ledersohlen punzieren, Zinnlöffelchen herstellen oder kleine Amphoren aus Ton formen. Darüber hinaus stünden Workshops zum Filzen, Schleudern oder Weben auf dem Programm. Wer möchte, könne auch eine Legionärsrüstung anprobieren, ein Mini-Katapult bedienen oder römisches Schreiben und Rechnen kennenlernen. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche historische Spiele und kreative Handwerksaktionen.

„Wir legen auch großen Wert darauf, dass jede Gruppe eine Aktion anbietet“, betont Müller und ergänzt: „Zudem muss jede Gruppe seriös sein und eine top Ausrüstung haben. Wir haben ja einen musealen Anspruch, dem wir gerecht werden wollen.“ Das Limesfest verstehe sich daher nicht als reines Historienspektakel. Die Darsteller würden nach Kriterien historischer Authentizität ausgewählt und engagieren sich vielfach in der experimentellen Archäologie. Durch die möglichst originalgetreue Rekonstruktion von Kleidung, Ausrüstung und Handwerkstechniken gewännen sie Erkenntnisse, die auch in wissenschaftlichen Fachkreisen Beachtung fänden. Für die Besucher ergebe sich dadurch die seltene Gelegenheit, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern mit Fachleuten und Praktikern unmittelbar ins Gespräch zu kommen. Abgerundet wird das Fest, bei dem der APX bei gutem Wetter mit bis zu 20.000 Besuchern rechnet, durch Händlerstände und Garküchen, die Speisen nach antiken Rezepten anbieten.

Das große Limesfest findet am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Juni, im Archäologischen Park Xanten (APX) jeweils von 10 bis 18 Uhr statt. Erwachsene zahlen für einen Tag 15 Euro und für zwei Tage 21 Euro Eintritt. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Tickets gibt es online unter www.apx.de oder direkt an den APX-Kassen. Das komplette Programm ist in einem Begleitheft erschienen.

Auch in diesem Jahr wird es einen großen Festumzug geben. Foto: Axel Thünker DGPh

Auch in diesem Jahr wird es einen großen Festumzug geben. Foto: Axel Thünker DGPh

Die Reiter werden am 13. und 14. Juni wieder durch den APX reiten. Foto: Tobias Nettekoven

Die Reiter werden am 13. und 14. Juni wieder durch den APX reiten. Foto: Tobias Nettekoven

Beim großen Limesfest gibt es Handwerk zum Mitmachen. Foto: Axel Thünker DGPh

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