Umweltminister besucht erfolgreiches Artenschutzprojekt
Größte nordrhein-westfälische Kolonie an der Abgrabung Birgelfeld bei Kalkar
KALKAR. Die Flussseeschwalbe stand in den 1980er Jahren in Nordrhein-Westfalen kurz vor dem Aussterben. Nur noch wenige Paare versuchten auf Kiesbänken am Rhein zu brüten. Dann wurden mit Hilfe einiger Kiesunternehmen spezielle Nistflöße auf Seen ausgelegt. Diese wurden von den Seeschwalben schnell angenommen, da sie hier vor den meisten Fressfeinden sicher sind. Im Laufe der Jahre ist der Bestand am Niederrhein auf aktuell fast 170 Paare angestiegen, die sich auf etwa zehn Standorte verteilen.
Barbara Meyer und Stefan Sudmann kümmern sich seit 1991 um die Flussseeschwalben, kontrollieren die Bestände und beringen die Jungvögel, um den Bruterfolg zu bestimmen. Auf den Flößen herrscht mitunter eine hohe Dichte: 54 Paare haben schon mal auf nur 30 Quadratmeter gebrütet. Den Erfolg konnten die beiden Artenschützer nun dem Umweltminister Oliver Krischer anhand der größten nordrhein-westfälischen Kolonie an der Abgrabung Birgelfeld bei Kalkar vorstellen. Begleitet wurden sie von Sven Dauber von Heidelberg Materials und der Familie Karadag. Die Mitarbeiter der Kiesfirma haben die mittlerweile vier Brutflöße gebaut und Familie Karadag stellt ihr Boot für die Kontrollen zur Verfügung. Die 64 Flussseeschwalbenpaare brüten zusammen mit 21 Paaren Lachmöwen auf den Flößen in friedlicher Koexistenz. Während die ersten Jungvögel bereits umher flogen, waren andere Küken gerade erst geschlüpft. Diese wurden beringt, während bei den älteren die Ringe kontrolliert wurden. Insgesamt zeichnet sich in diesem Jahr wieder ein guter Bruterfolg ab. Die ersten Seeschwalben werden sich nun auf den Weg in die afrikanischen Überwinterungsgebiete machen.
Minister Krischer bedankte sich bei allen am Projekt Beteiligten für ihr Engagement. Dazu gehören auch die Holemans GmbH mit drei Floßstandorten im Weseler Raum und mehrere Biologische Stationen. Nach mehr als 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit wurde das Monitoring der Flussseeschwalbe 2022 in einer Pilotstudie des LANUK auf das gesamte Bundesland ausgeweitet. An der Weser gibt es ein weiteres Vorkommen mit gut 30 Brutpaaren, so dass der Landesbestand bei fast 200 Paaren liegt. Verluste durch die Vogelgrippe vor zwei Jahren wurden wieder ausgeglichen Damals konnten tote Vögel rechtzeitig geborgen werden, so dass das Infektionsgeschehen rechtzeitig gestoppt werden konnte.
In der Roten Liste konnte die Art aufgrund der positiven Entwicklung von der höchsten Gefährdungsstufe auf die dritthöchste Kategorie „Gefährdet“ zurückgestuft werden. Solche Erfolge beim Artenschutz wünscht sich der Umweltminister auch bei weiteren Arten.
Beim Besuch der Flussseeschwalbenkolonie in der Abgrabung Birgelfeld (im Hintergrund) wurde Umweltminister Oliver Krischer (Bildmitte) von Sven Dauber von Heidelberg Materials (li.), Familie Karadag und Stefan Sudmann (2. v. re.) begrüßt. Foto: Barbara C. Meyer