Trotz Kürzungen wächst Ryanair am Airport Weeze
Irische Airline warnt vor Wettbewerbsnachteil für Deutschland und fordert Entlastung durch niedrigere Steuern und Gebühren
NIEDERRHEIN/WEEZE. Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat angekündigt, ihre Kapazitäten in Deutschland für den Winter 2025/26 deutlich zu reduzieren. Nach Unternehmensangaben sollen mehr als 800.000 Sitzplätze aus dem Angebot gestrichen und 24 Strecken an neun deutschen Flughäfen eingestellt werden. Die Airline begründet den Schritt mit hohen Standortkosten an deutschen Flughäfen und der weiterhin bestehenden Luftverkehrssteuer. Betroffen ist davon auch der Airport in Weeze.
Ryanair wirft der Bundesregierung vor, ihr Wahlversprechen, die Luftverkehrssteuer zu senken, gebrochen hat. Die derzeitigen Rahmenbedingungen belasteten die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrs erheblich. Ryanair warnt, dass das Wachstum im Luftverkehr künftig vor allem in Ländern ohne Luftverkehrssteuer stattfinden werde – „auf Kosten Deutschlands“. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland bei der Luftverkehrssteuer mit 15,53 Euro pro Passagier den zweiten Platz hinter den Niederlanden (29,05 Euro). In Österreich beträgt sie zwölf Euro, in Frankreich 7,68 Euro und in Portugal zwei Euro. Länder wie Spanien, Irland, Finnland, Kroatien oder Dänemark, verzichten vollständig auf eine solche Abgabe. Schweden und Ungarn haben sie in diesem Jahr abgeschafft.
Lob für den Airport Weeze
In Weeze werden 44.000 Sitze als Teil der gesamtdeutschen Reduktion gestrichen. Geplante Verbindungen, unter anderem nach Castellón (Spanien) und Kopenhagen (Dänemark) entfallen. Trotz der Einschnitte lobt Ryanair den Airport in Weeze für seine vergleichsweise günstige Kostenstruktur. „Weeze ist der am schlankesten aufgestellte und gleichzeitig der effizienteste Flughafen in Deutschland“, betonte Marcel Pouchain Meyer, Ryanair-Kommunikationschef für Deutschland, beim Pressegespräch am Airport. „Für Ryanair ist Weeze der wichtigste Standort im deutschen Netzwerk. Hier haben wir sieben Maschinen stationiert, genauso wie in Berlin. Kein anderer Flughafen hat mehr Ryanair-Flugzeuge stationiert in Deutschland als Weeze.“ Für die Wintersaison 2025/26 kann der niederrheinische Airport damit trotz der Kürzungen ein Wachstum verzeichnen: Die Zahl der angebotenen Sitze steigt um 149.000 im Vergleich zur Vorsaison, was einem Plus von 22 Prozent entspricht. Insgesamt stehen den Reisenden in diesem Winter 28 Flugziele zur Auswahl. Ergänzt wird das Angebot durch Charterverbindungen, etwa ins finnische Rovaniemi.
Wachstumskurs
Auch Ryanair bleibt trotz der Kürzungen in Deutschland weiter auf Wachstumskurs. Im Jahr 2025 kann die Airline die 200- Millionen-Passagier-Marke überschreiten. Dass Ryanair weiterhin günstige Ticketpreise anbieten kann, begründete Meyer mit der Kosteneffizienz des Unternehmens: „Wir besitzen 625 Maschinen, die voll abbezahlt sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Airlines haben wir daher keine hohen Leasingkosten.“ Auch in anderen Bereichen arbeite Ryanair äußerst effizient. „Wir stationieren unsere Flugzeuge da, wo es am attraktivsten ist“, so Meyer.
Aktuell sind im Sommer 31 Maschinen in Deutschland stationiert, im Winter 29. Bis 2034 plant die Fluggesellschaft, ihre Präsenz in Deutschland deutlich auszubauen – von derzeit 31 auf 61 Flugzeuge. Allerdings lasse die aktuelle Kostenstruktur an deutschen Flughäfen ein solches Wachstum derzeit nicht zu.
Der Airport Weeze profitiert derweil von seiner besonderen wirtschaftlichen Aufstellung. Flughafenchef Dr. Sebastian Papst erklärt: „Insgesamt bewirtschaften wir ein 620 Hektar großes Gelände, das nur zu einem Drittel Luftverkehrsgelände ist. Der Rest wird vermietet.“ Dadurch könne der Flughafen den Airlines besonders gute Konditionen bieten. „Unsere Aufgabe als Airport ist es, für die Airlines so attraktiv wie möglich zu sein“, sagt Papst. Neben Ryanair stünde man natürlich auch mit anderen Fluggesellschaften im stetigen Austausch. Dass Weeze in naher Zukunft (wieder) innerdeutsche Verbindungen anbieten wird, sei nicht realistisch - auch wenn die Nachfrage besteht.
Über zusätzliche Flüge kann sich der Airport eventuell im ersten Halbjahr 2027 freuen. „Dann wird der Airport Eindhoven aufgrund von Sanierungsarbeiten den Betrieb für einige Monate einstellen müssen“, erklärt Tom Kurzweg, Sprecher des Flughafen Weeze. „Eventuell werden dann übergangsweise ein Teil der Verbindungen ab Weeze angeboten.“
Marcel Pouchain Meyer, Ryanair Kommunikationschef Deutschland (l.), und Dr. Sebastian Papst, Geschäftsführer Airport Weeze, präsentierten im Rahmen der Pressekonferenz auch das neue Trikot-Sponsoring der Airline und des Flughafens.NN-Foto: Andrea Kempkens