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Uwe Lottmann (Abteilungsleiter Polizei), Landrat Christoph Gerwers, Achim Jaspers (Leiter Direktion Verkehr) und Pressesprecherin Corinna Saccaro (v.l.n.r.) stellen die Verkehrsunfallstatistik 2024 für den Kreis Kleve vor.NN-Foto: Heiner Frost
18. März 2025 · Heiner Frost · Niederrhein

Trauriger Spitzenreiter

Nirgendwo im Land Nordrhein-Westfalen gab es 2024 mehr Tote im Straßenverkehr als im Kreis Kleve

KREIS KLEVE. Schlechte Nachrichten lesen sich so: 23 Menschen sind im vergangenen Jahr auf den Straßen des Kreises Kleve zu Tode gekommen – zwei mehr als im Jahr 2023. Kleve ist damit einmal mehr trauriger Spitzenreiter in einer Statistik des Schreckens: Nirgendwo im Land gab es mehr Tote im Straßenverkehr als hier. Es folgt Köln mit 20 Toten.

Es gibt nichts schön zu reden an einer Statistik wie dieser. Landrat Christoph Gerwers sagte denn auch zu Beginn der Pressekonferenz im Gebäude der Kreispolizeibehörde in Kleve: „Es ist kein Vergnügen, im Kreis Kleve Verkehrsteilnehmer zu sein.“ Recht hat er damit nur bedingt, denn es ist nicht so, dass auf anderen Straßen im Land das „Vergnügen“ merkbar größer wäre.

Zurück zu den Toten: Der Tod eines Verkehrsteilnehmers hinterlässt Spuren. Gerwers: „In so einem Fall sind in der Regel etwa 113 andere Menschen unmittelbar betroffen. Dazu gehören Familien, Freunde, Bekannte, aber auch die Einsatzkräfte.“ Dabei könne, so Gerwers, die Situation wesentlich entspannter sein, wenn sie alle an den Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung hielten. „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Natürlich ließen sich so nicht alle Unfälle vermeiden, aber helfen würde diese Einsicht in jedem Fall. Apropos Rücksicht: 145 Mal entfernten sich Menschen unerlaubt vom Unfallort. Achim Jaspers, Leiter der Direktion Verkehr: „Unfallfluchten sind Straftaten und kein Kavaliersdelikt. Für die Geschädigten sind sie oftmals mit hohen Kosten und sehr viel Ärger verbunden. Nicht selten bleiben Geschädigte auf ihren Kosten sitzen.“ Wirtschaftlich angespannte Verhältnisse auf Seiten der Unfallflüchtigen sieht Jaspers denn auch als eine der potenziellen Ursachen für das Entfernen vom Unfallort. 2023 ereigneten sich kreisweit 114 Unfallfluchten. 2024 waren es 145. Jaspers: „Die Ermittlerinnen und Ermittler im Verkehrskommissariat der Kreispolizeibehörde Kleve verfolgen konsequent alle Ermittlungsansätze, um mit einer hohen Aufklärungsquote zu dokumentieren, dass sich eine Unfallflucht für die Verursachenden nicht lohnt.“ Das Plus von 27,2 Prozent bei den Verkehrsunfallfluchten hinterlässt auch Landrat Gerwers sprachlos. „Wer sich im Straßenverkehr bewegt, sollte über ausreichend Verantwortungsbewusstsein verfügen, um nach einem Unfall auch die Konsequenzen zu tragen.“

Auch die Verunglücktenzahlen sind gestiegen. Im Vergleich zur „Nachbarbehörde“ in Wesel verunglückten im Kreis Kleve 16,5 Prozent mehr Kinder (viele davon übrigens als Insassen von Fahrzeugen), bei den Senioren waren es 14,9 Prozent und bei Fahrern von motorisierten Zweirädern ist ein Anstieg der Verletzten um 7,9 Prozent zu verzeichnen. Gerwers: „Es gibt Ranglisten, die will man nicht anführen will, doch leider belegt unsere Kreispolizeibehörde in vielen Kategorien, die bei der Erfassung von Unfällen herangezogen werden, den vorderen Platz.“

1.378 Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich im vergangenen Jahr im Kreis Kleve, 1.279 waren es im Jahr 2023. Bei den Unfällen mit schweren Sachschäden waren es 2023 2.240 und im Jahr 2024 2.265.

Achim Jaspers: „Mit Blick auf die Schwerverletzten zeigt der Landesvergleich, dass die Gefahr, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt zu werden, im Kreis Kleve nach wie vor am höchsten im Land NRW ist. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt zu werden, war 2024 im Kreis Kleve annähernd doppelt so hoch wie im Land.“ Die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten stiegt von 340 im Jahr 2023 auf 393 im Jahr 2024.

Nach den Ursachen befragt, gibt Jaspers Missachtung der Vorfahrt (19 Prozent) und Abbiegefehler 14 Prozent) an. „Viele denken, dass die erhöhte Geschwindigkeit auf Platz Eins stünde. Tatsächlich macht die Geschwindigkeit nur ein Prozent der Fälle aus.“ Die Sache ist schnell erklärt: „Man mussbedenken, dass sich bei der Erfassung der Ursachen häufig Dinge aufaddieren. Zur Missachtung der Vorfahrt, die dann als Unfallursache genannt wird, kommt häufig aber auch die überhöhte Geschwindigkeit hinzu.“ Unter „andere Ursachen“ (41 Prozent) gehöre, so Jaspers vor allem die „Ablenkung“. Zu nennen wären: Telefonieren (ohne Freisprechanlage) während der Fahrt, aber auch das Lesen von Emails oder Chatnachrichten auf dem Handy. „Ich fahre morgens mit dem Rad zur Arbeit“, sagt Jaspers, „und Sie ahnen nicht, was man dann von der leicht erhöhten Position aus alles zu sehen bekommt.“

44 verbotene Kraftfahrzeugrennen wurden 2023 im Kreis Kleve ausgetragen – im vergangenen Jahr waren es 39. Wichtig: Rennen dieser Art sind ein Hellfelddelikt und niemand weiß, wie viele Rennen auf den Straßen und Plätzen tatsächlich gefahren werden. Man würde sich in Sachen Verkehrsunfallstatistik wahrlich bessere Nachrichten aus dem Kreis wünschen.

Uwe Lottmann (Abteilungsleiter Polizei), Landrat Christoph Gerwers, Achim Jaspers (Leiter Direktion Verkehr) und Pressesprecherin Corinna Saccaro (v.l.n.r.) stellen die Verkehrsunfallstatistik 2024 für den Kreis Kleve vor.NN-Foto: Heiner Frost

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