Traditionsvereine und das Problem mit dem Alter
Gesangsgruppen wie dem MGV Concordia Straelen fehlt der Nachwuchs
STRAELEN. Viele Traditionsvereine am Niederrhein haben ein Problem: Ihnen fehlt der Nachwuchs. Neue, jüngere Mitglieder kommen kaum hinterher, so schwindet der Geist des Vereins mit dem Ausstieg der Älteren stetig. Peter Grzona gibt seinen Gedanken dazu nun einen Raum. Als Vorsitzender des Männergesangsvereins (MGV) Concordia Straelen möchte er neue begeisterte Sänger für den Verein gewinnen.
Seit 1880 besteht der MGV Concordia in Straelen. Aktuell treffen sich 27 aktive Sänger einmal pro Woche im Lokal Zum Goldenen Herzen auf dem Marktplatz. Es ist eine feste Gemeinschaft entstanden, Männer mit verschiedenen Hintergründen und Berufen kommen zusammen, um zu proben. Gesungen wird ein Repertoire traditionsreicher Klassikern sowie Modernem aus Oper, Operette und Musicals. Vorwiegend sind es Lieder auf Deutsch, doch auch Sprachen wie Latein oder Italienisch lassen sich in den Songs wiederfinden. Auftritte finden dann im größeren oder kleineren Format rund um Straelen statt; Auf Festen der Stadt oder Kirchengemeinden, Hochzeiten oder Geburtstagen.
Peter Grzona ist überzeugt: „Jeder singt gern und kann sich für Musik begeistern. Im Chor singen muss man einfach mal gemacht haben.“ Dass er selbst anfangs skeptisch war, gibt er mittlerweile gern zu, im selben Moment betont er: „Eine Probe hat mir gereicht, um zu merken, dass es mir viel Spaß macht. So bin ich dabei geblieben.“ Niemand müsse ein perfekter Sänger sein, sagt Grzona weiter. „Jeder falsche Ton wird von den anderen Mitgliedern überstimmt. Es geht um die Gemeinschaft und die Musik, sowie darum, seine eigene Stimme neu kennenzulernen und Menschen eine Freude zu bereiten. Die Töne zu treffen, kommt dann mit der Zeit“, lacht Grzona. Das mehrstimmige Singen ist für den Chorvorsitzenden eine Form von Kunst. Ein Dirigent sorgt bei Konzerten für Ordnung.
Die Auftritte des MGV würden viel Lob und Begeisterung auslösen, betont Grzona. Doch so wirkliches Interesse daran, selbst Mitglied zu werden kam bisher kaum von außen. Mit einem Altersdurchschnitt von etwa 70 Jahren sind die meisten Mitglieder schon in höherem Alter angelangt, wer rückt nach und erhält die Tradition? „Woran es genau liegt, dass uns junge Sänger fehlen, kann ich nicht sagen“, sagt Grzona. Zumal „junge Sänger für uns schon Männer wären, die 50 und älter sind“. Grzona und seine Vereinsfreunde würde jede Chance nutzen, Interessierte anzusprechen und zu Proben einzuladen. Meist würden sie dabei auf Ausreden stoßen: „Viele sagen gleich, sie könnten nicht singen oder hätten keine Zeit. Dabei ist das Singen eine wunderbare Freizeitbeschäftigung.“ Am Probezeitpunkt könne es ebenfalls nicht liegen. Jeden Mittwoch liegt die Probe um 19.30 Uhr schon im Feierabend der meisten Berufstätigen.
Vielleicht ist es die Songauswahl? Peter Grzona stimmt zu: „Es ist schwierig, eine Brücke zwischen unseren traditionsreichen Liedern und moderneren Songs zu schlagen. Man kann das Konzept des Chores auch nicht von heute auf morgen verändern.“ Er selbst könne sich vorstellen, zukünftig auch Lieder der Beatles wie beispielsweise „Let it Be“ oder melodische Werke von Elton John und David Bowie in das Repertoire aufzunehmen, doch die englische Sprache stelle einige Stammmitglieder vor Herausforderungen. „Die Aussprache ist für manche ein Problem. Sie haben dann Sorge, dass sie mit dem Lied nicht zurechtkommen“, erläutert Grzona. Ein Problem, das allerdings vielleicht mit etwas mehr Motivation gelöst werden könne: „Wenn wir mehr jüngere Mitglieder hätten, die den Älteren zeigen wie es geht und die begeistert davon sind, wäre es leichter, die Gruppe von moderneren Songs zu überzeugen.“
Es bleibt also ein Kreislauf; jüngere Sänger bringen Modernität in die Vereinsaktivitäten, doch fehle es an Modernität, blieben jüngere möglicherweise eher fern. Um proaktiv etwas zu Verändern spricht Peter Grzona eine weitere Einladung an alle Interessierten Sänger aus: „Einfach bei den Proben vorbeischauen und seine eigenen Ideen mit einbringen. Notenlesen können ist keine Voraussetzung. Wir freuen uns darauf“, betont Grzona abschließend.
Peter Grzona wünscht sich jüngere Mitglieder für den MGV Concordia Straelen. NN-Foto: JK