Theodosius-Chor Kevelaer feiert 50. Jubiläum
Gestaltetes Pontifikalamt am Ostkirchentag, 7. Juni
KEVELAER. Der Theodosius-Chor ist ein Projektchor des Kevelaerer Männer-Gesang-Vereins (KMGV). In diesem Jahr feiern seine Mitglieder das 50. Jubiläum.
Der Theodosius-Chor besteht zu einem großen Teil aus Sängern des KMGV und einigen Gastsängern. Finanziell getragen wird er durch den KMGV und durch Spenden. Der Theodosius-Chor ist einer der wenigen deutschsprachigen Chöre, die die Liturgie des Johannes Chrysostomus (Liturgie der Ostkirche) überwiegend in ukrainischer oder kirchenslavischer Sprache singen.
Seine Anfänge liegen im Jahr 1976. In diesem Jahr trat der Rektor der Wallfahrt, Domkapitular Richard Schulte Staade, mit der Bitte an den KMGV heran, eine Messe im Ostkirchen-Ritus mitzugestalten. Das Notenmaterial und die Texte wurden durch das griechisch-katholische Kloster in Krefeld-Traar bereitgestellt. Es war ein Glücksfall, dass ein Sänger des Chores aus der Ukraine stammte. So konnten die Texte in Lautschrift übertragen werden.
Bereits 1977 wurden Teile der Liturgie beim Ostkirchentag in Kevelaer gesungen. Rektor Schulte Staade schenkte 1978 dem Chor eine wertvolle Ikone mit der Darstellung des Theodosius von Kiew. Nach dieser Ikone wurde der Chor benannt. Sie wird heute vor jedem Gottesdienst von einem Sänger zum Altar getragen und aufgestellt.
Seitdem gestaltete der Theodosius-Chor jedes Jahr beim Ostkirchentag, der immer am 2. Sonntag nach Pfingsten begangen wird, die Liturgie musikalisch. Hinzu kamen viele auswärtige Auftritte mit wechselnden Dirigenten, wie an Katholikentagen oder bei dem Kongress der „Kirche in Not“, der 2015 in Würzburg stattfand.
Seit 2018 wird der Chor von dem Ostkirchenkantor Michael von Jasienicki geleitet, der die Sänger sprachlich und musikalisch neu aufstellte.
Zwei Schwerpunkte
Zur Zeit konzentriert sich der Chor auf zwei Schwerpunkte. Zum einen ist da die Mitwirkung am Ostkirchentag beim festlichen Pontifikalamt in der Basilika zu Kevelaer. Die Besonderheit des festlichen Gottesdienstes besteht darin, dass die „Göttliche Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus“ vom Gesang getragen ist. In ihm sollen sich Himmel und Erde vereinen. Nur die menschliche Stimme als höchstes Instrument hat Gott zu loben und zu preisen. Mit der Klangfülle und tiefen Symbolik der auf Ukrainisch oder Kirchenslavisch vorgetragenen Gesänge möchten Dirigent und Sänger auch das ökumenische Anliegen überbringen und den ukrainischen Christen ein Stück Heimat hier im Westen bieten.
Der zweite Schwerpunkt ist die alljährliche Mitwirkung beim ökumenischen Gottesdienst zum Holodomor-Gedenken. Das Gedenken erinnert an die große künstliche Hungersnot, die 1932/33 durch Stalin veranlasst in der Ukraine zum Tod von Millionen Menschen führte. Viermal trat der Chor dazu im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main auf. In den letzten beiden Jahren sang der Theodosius-Chor das Requiem zu diesem traurigen Anlass im Bonner Münster.
Im letzten Jahr wurden die Leiden der ukrainischen Bevölkerung während des Holodomors mit den Leiden der Ukraine durch den russischen Angriffskrieg verknüpft.
Die Gottesdienste beschließt der Chor regelmäßig mit dem bekannten Lied „Gebet für die Ukraine“ von Mykola Lysenko nach einem Text von Oleksandr Konyskyi. Beeindruckend ist jedes Mal, dass die anwesenden Ukrainer hier mitsingen und so die ganze Kirche von diesem musikalischen Gebet erfüllt ist. Auch dieses Jahr gestaltet der Chor am Sonntag, 7. Juni, das Pontifikalamt am Ostkirchentag, zu dem der Apostolische Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzjurakh, erwartet wird. Dieser bedankte sich 2024 beim Theodosius-Chor für das langjährige Engagement und überreichte hierbei die Gedenkmedaille zum 65-jährigen Bestehen der Exarchie.