Telefonseelsorger im Einsatz: „Verstehe mich als Begleiter, nicht als Berater“
Neuer Vorbereitungskurs für Ehrenamtler startet im März
KREIS WESEL. Wenn das Telefon in dem gemütlich eingerichteten Büro in Wesel klingelt, weiß Felix Schneider (Name geändert) nicht, wer ihn am anderen Ende der Leitung erwartet. Er weiß nur, dass es ein Mensch ist, der mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade in einer schweren Krise steckt und jemanden braucht, der für ihn da ist. In den folgenden Minuten hat Schneider vor allen Dingen eine Aufgabe: zuhören. Er ist einer von gut 100 Ehrenamtlichen, die sich am Niederrhein und im Westmünsterland in der Telefonseelsorge engagieren.
Vier Stunden dauert eine Schicht am Telefon, gerade in den Abendstunden bleibt es selten stumm. „Besonders wenn es dunkel wird und die Menschen allein zuhause sitzen, rufen viele bei uns an“, sagt Schneider. Denn insbesondere die Einsamkeit sei ein großes Thema, aber es gehe auch um Angst, um den Tod, um Suizid-Gedanken. „Für einige Menschen, die hier anrufen, sind wir von der Telefonseelsorge die einzigen Gesprächspartner am Tag“, weiß Schneider. Und er betont, dass er sich als Begleiter, nicht aber als Berater versteht. „Ich mache keine Vorschläge, wie jemand mit seiner Situation umgehen soll. Vielmehr unterstütze ich die Anrufer dabei, neue Perspektiven zu finden.“ Am Ende würden viele sagen, dass ihnen das Gespräch gutgetan hat.
Anonymität sei dabei ein wichtiges Gebot, weshalb er auch nicht mit seinem richtigen Namen an die Öffentlichkeit treten wolle, sagt Schneider. Das diene insbesondere dem Schutz der Anrufenden: „Das könnten ja auch Nachbarn oder Bekannte sein – die womöglich nicht zum Telefon greifen, weil sie Sorge haben, mit jemandem verbunden zu werden, den sie kennen. So aber ist klar, dass die Anonymität für alle gewahrt bleibt.“
Drei Mal im Monat stehen die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater jeweils für vier Stunden bereit, Schneider tauscht für einen Teil der Zeit den Telefonhörer gegen die Tastatur aus, denn auch per Mail und im Chat können sich die Menschen inzwischen an die Telefonseelsorge wenden. 16.821 Anrufe gab es im vergangenen Jahr im Bereich Niederrhein/Westmünsterland, dazu 1948 Mails und 482 Chats. Derzeit werden wieder Ehrenamtler gesucht, die sich in der Telefonseelsorge engagieren wollen. Im März beginnt eine neue Ausbildungsgruppe, in der noch Plätze frei sind. 15 Monate dauert die Vorbereitung auf den Dienst, alle zwei Wochen mittwochs von 17 bis 20 Uhr in Wesel. Weitere Informationen, auch zu den Voraussetzungen, gibt es telefonisch unter 0281 156141 und auf der Seite www.telefonseelsorge-niederrhein.de im Internet.
Wer selbst ein Anliegen hat und mit der Telefonseelsorge sprechen möchte, kann sich rund um die Uhr an die kostenfreien Rufnummern 0800 111 000 111 oder 0800 111 000 222 wenden. Finanziert wird die Arbeit der ökumenisch aufgestellten Telefonseelsorge Niederrhein/Westmünsterland vom Bistum Münster sowie den evangelischen Kirchenkreisen Wesel, Kleve, Moers und Dinslaken. 20 Prozent des Haushaltes müssen durch Spenden gedeckt werden.