Taschenmonster to go
In Kevelaer hat sich eine lebendige Gemeinschaft um das Spiel „Pokémon Go“ gebildet
In Kevelaer hat sich nicht nur eine lebhafte Community um das Spiel gebildet, zum internationalen Pokémon Go Fest kamen hier zuletzt rund 30 Menschen unterschiedlichen Alters zusammen, um gemeinsam zu spielen.
Aber was ist das Spielprinzip hinter Pokémon Go? Maik Purrucker, der mit Stephanie Würfel und Christian Pichmann die Gruppenleitung in Kevelaer innehat, erklärt: „Das Spielprinzip bleibt dem klassischen Pokémon-Grundsatz treu: ‚Schnapp sie dir alle!‘. Spieler sammeln Pokémon, trainieren sie und entwickeln sie weiter.“ Und da setze das „Go“ im Namen an: Um ein Pokémon trainieren und verstärken zu können, müsse man es mehrfach fangen, um sogenannte Bonbons zu erhalten. „Diese benötigt man zum Aufwerten der Pokémon. Dadurch entsteht ein motivierender Kreislauf, der zum ständigen Erkunden, Fangen und Weiterentwickeln anregt – und genau das macht den Reiz des Spiels aus“, sagt Purrucker.
Für ihn persönlich liegt der größte Reiz darin, die stärksten Pokémon zu sammeln. „Ich strebe danach, ein Team aus den bestmöglichen Pokémon aufzubauen, das ich gezielt in Kämpfen einsetzen kann – besonders dann, wenn wir uns in unserer Gruppe treffen, um gemeinsam einen Raid [eine Art Mission, die mehrere Spieler erfordert, Anm. d. Red.] zu bestreiten und siegreich daraus hervorzugehen.“
Ein Spiel, das verbindet
Das macht Pokémon Go für Maik Purrucker zu mehr als nur einem Spiel: „Es ist auch eine Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen. Es ist immer wieder ein besonderer Moment, wenn sich jemand unserer Gruppe anschließt oder zum ersten Mal an einem Treffen teilnimmt. Jemanden für das Spiel zu begeistern und als Teil unserer Community willkommen zu heißen, ist für mich der schönste Aspekt an Pokémon Go.“
Schön ist auch: Das Spiel bietet ganz unterschiedliche Herangehensweisen für unterschiedliche Spieler: „Manche – so wie wir – treffen sich regelmäßig in kleinen oder größeren Gruppen, je nach Anlass und Zeit. Andere wiederum spielen lieber für sich, sammeln Pokémon, genießen die Bewegung an der frischen Luft und möchten vielleicht gar nicht an Kämpfen teilnehmen.“
Doch es sei gerade das Spielen in einer Gruppe, das für besondere Momente sorge: „Zum Beispiel, wenn wir von besonders starken Pokémon erzählen, die man alleine kaum besiegen kann – oder wenn wir gemeinsam lachen, kämpfen und einfach eine gute Zeit haben. Manchmal reicht es auch schon, gemeinsam über den Kreuzweg zu laufen, Pokémon zu fangen und dabei ein nettes Gespräch zu führen.“ Jeder sei eingeladen, mitzumachen, „ganz ohne Vorurteile oder Leistungsdruck.“ Mehr als ein Handy und die Lust, unterwegs zu sein, brauche es für das Spiel nicht. Bei Fragen hilft die Community gerne aus.
113 Mitglieder sind derzeit Teil der Kevelaerer Gemeinschaft, aber längst nicht alle kommen aus der Wallfahrtsstadt: Einige stammen aus Goch, andere aus Geldern und Kerken, wieder andere stoßen aus Kleve dazu. Auffällig ist dabei auch, wie Pokémon Go Jung und Alt zusammenbringt. „Ich selbst bin 38 und liege damit ziemlich genau im Mittelfeld. Wir haben Kids, die mit ihren Eltern unterwegs sind – teilweise erst sechs Jahre alt – aber auch Erwachsene, die 60 Jahre und älter sind“, erzählt Purrucker. „Wenn dann alle zusammenkommen, sieht das nicht nur richtig lustig aus – es zeigt auch, wie generationsübergreifend und verbindend dieses Spiel sein kann.“ Über die Jahre seien somit auch viele tolle Bekanntschaften entstanden mit Menschen, „bei denen man sich jedes Mal freut, sie wiederzusehen.“ Auch über das Handy hinaus: Zum Beispiel, wenn man sich an der Supermarkt-Kasse treffe.
Besonders deutlich sei der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe geworden, als sich Maik Purrucker zuletzt mit den weiteren Gruppenleitern zur Planung des zweitägigen Pokémon Go Fests in Kevelaer zusammensetzte. „Das war ein richtig schönes Gefühl“, sagt er rückblickend. Das besagte Fest ist als Geburtstags-Event das Highlight im Pokémon-Go-Jahr und wartet mit vielen besonderen Inhalten auf. „Zu diesem Anlass kommen besonders viele Spielerinnen und Spieler zusammen, um gemeinsam loszuziehen.“
Auch 2025 war das Fest in Kevelaer wieder ein voller Erfolg, an dem rund 30 Personen – bekannte wie auch neue Gesichter – teilnahmen: „Wir hatten als Community eine eigene Bingo-Karte vorbereitet, mit spaßigen Aufgaben rund ums Spielen. Als kleinen Anreiz gab es sogar Preise aus eigener Tasche, die wir Organisatoren beigesteuert haben. Und was sollen wir sagen? Es hat funktioniert! Die Stimmung war großartig und viele waren mit vollem Einsatz dabei.“ Auch Getränke, Eis und sogar eine Toilettenmöglichkeit in der Innenstadt organisierten die Veranstalter.
Als große Gruppe mit Handys in der Hand und Pokémon-Mützen auf dem Kopf habe man an dem Tag durchaus neugierige Blicke auf sich gezogen, erzählt Purrucker. „Manche haben uns auch direkt angesprochen – sogar Tage später bei mir an der Edeka-Kasse wurde ich darauf angesprochen. Einige kannten Pokémon Go sogar schon von ihren Kindern oder Enkeln – super cool!“
Regelmäßige Updates
Auch wenn Pokémon Go schon neun Jahre auf dem Buckel hat, ist das Spiel nicht mehr das, was es einmal war, verrät Purrucker. „Heute hat das Spiel – abgesehen von den Pokémon selbst und dem grundlegenden Kartenprinzip – nur noch wenig mit der damaligen Version gemeinsam. Der Umfang und die Spieltiefe haben sich so stark weiterentwickelt, dass viele, die vor sechs Jahren aufgehört haben, beim Wiedereinstieg schnell vom aktuellen Inhalt überwältigt sind.“ Los sei immer etwas, zum Beispiel wechselnde Motto-Wochen, bei denen bestimmte Pokémon-Arten oder Regionen im Fokus stehen. „Solche Events sorgen dafür, dass es nie langweilig wird – es gibt immer neue Herausforderungen, Pokémon zu entdecken und Ziele zu erreichen. Genau das macht für viele den Reiz des Spiels aus.“
Nun haben sich in der Welt der Videospiele, vor allem unter den sogenannten mobile games auf dem Smartphone, in den letzten Jahren auch problematische Monetarisierungs-Ansätze seitens der Entwickler breitgemacht, um möglichst viel Gewinn mit den oftmals kostenlosen Spielen zu erzielen. Pokémon Go gehöre aber nicht zu den schlimmsten Fällen, erklärt Maik Purrucker. „Man muss kein Geld ausgeben, um Spaß zu haben oder erfolgreich zu spielen. Pokébälle, Beeren und andere wichtige Gegenstände bekommt man auch, indem man einfach durch die Stadt läuft und PokéStops dreht. Die Ingame-Währung kann man sich sogar verdienen, indem man sein Pokémon in einer Arena verteidigen lässt.“
Das bedeutet aber nicht, dass das Spiel frei von Monetarisierung wäre. „Man kann sich zum Beispiel Event-Tickets kaufen – die Preise schwanken dabei zwischen drei und 20 Euro, wobei die teureren Varianten eher selten sind und meist nur bei größeren Events angeboten werden. Dafür bieten sie dann aber auch jede Menge Boni und exklusive Inhalte.“ Im Ingame-Shop gebe es außerdem Boxen mit weiteren Inhalten. „Diese können je nach Umfang ziemlich teuer werden – das muss man der Fairness halber auch sagen.“
Wer in der Kevelaerer Community mitmachen möchte, kann das ganz unkompliziert tun. Eine Möglichkeit ist die Zusatz-App „Campfire“, die mit Pokémon Go verbunden ist. Hier einfach nach „PoGo Kevelaer“ suchen. Über die App lassen sich außerdem Treffen verabreden, Raids koordinieren oder neue Kontakte knüpfen. Alternativ ist Maik Purrucker per Mail erreichbar: maik_purrucker@hotmail.com.
Die Treffen finden regelmäßig statt, sind aber keine Verpflichtung. „Besonders beliebt ist der Mittwoch, denn da ist Raidstunde: Für eine Stunde erscheint ein starkes Pokémon an bestimmten Arenen in der Stadt – und wir ziehen dann gemeinsam los, um es zu besiegen“, verrät Maik Purrucker. Am Wochenende würden die richtig schweren Brocken warten. In anderen Worten: die derzeit größten Herausforderungen im Spiel. „An solchen Tagen sind wir teils mit 20 Personen oder mehr in Kevelaer unterwegs.“ Entspannt geht es wiederum am Community Day zu: Dann schlendern die Teilnehmer gemeinsam über den Kreuzweg, fangen Pokémon und genießen das Miteinander. „Das ist für viele von uns das Schönste an der ganzen Sache.“
Zum internationalen Pokémon Go Fest kamen auch in Kevelaer zahlreiche Menschen zusammen. Foto: privat