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Die Vertreter des LiKK und Bodten & van Willegen (v.l): Henk Verbugt, Jürgen Opschroef, Hubert Lemke und Peter Hartz.Foto: privat
9. Oktober 2023 · Jacqueline Kurschatke · Uedem

Streuobstwiesen im Kreis Kleve stärken und veredeln

LiKK und Botden & van Willegen züchten Obstkulturen in Uedem-Keppeln

KEPPELN. Oktober ist die Zeit der Streuobstwiesenfeste und des Erntedanks. Vieles von dem Obst, das in unseren Supermärkten verkauft wird, wird aber importiert und stammt wenig von regionalen Bäumen. Der Verein LiKK- Landschaftspflege im Kreis Kleve, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern, und setzt sich in Uedem-Keppeln, gemeinsam mit dem Unternehmen Botden & van Willegen für die Zucht und die Vermehrung von Streuobstbäumen am Niederrhein ein. Denn: „Das Obst das bei uns vor der Haustür wächst, ist das Beste, dass man bekommen kann!“, sagt LiKK-Vorsitzender Hubert Lemken.

Hauptbeweggrund für die Pflanzaktion war vor allem eine Enttäuschung in die Streuobst-Branche wie sie bisher aktiv war, „Die Branche ist leider nicht sehr zuverlässig. Oft werden nicht die Bäume geliefert, die man auch wirklich bestellt hat. Auf Dauer ist das ärgerlich. Wenn ich einen Boskoop Apfel haben möchte, erwarte ich auch einen Boskoop“, erklärt Lemken weiter. Die Probleme mit falschen Sorten haben auch etwas mit fehlender Beschriftung des Baumes zu tun. Man merke, erst wenn der Baum Früchte trage, dass das nicht die Sorte sei, die man sich ursprünglich gewünscht habe.

Die Lösung für den LiKK: Einfach selbst die Zucht von Obstbäumen für Bongerte am Niederrhein übernehmen. So „wissen wir, was wir haben“, sagt Lemke. Gestartet hat das Projekt dann etwa vor zweieinhalb Jahren mit etwa 250 Baumsetzlingen verschiedenster Obst-Kulturen. Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen und Kirschen. Die Bäume stehen auf einer etwa 16 Hektar großen Fläche, die seit sieben Jahren von Bodten & van Willegen gepachtet wird. Henk Verbugt, Anbau-Manager des niederländischen Unternehmens, sagt dazu: „Die Böden auf dieser Seite des Niederrheins sind Ideal für den Anbau von Obstbäumen. Man kann die Flächen ideal bewirtschaften und durch wechselnde Bepflanzung den meisten Nutzen aus der Erde ziehen.“

Ein weiterer Vorteil an dem Standort der Pflanzen sei, dass die 400 Mitarbeiter des LiKK sich nah und unkompliziert jederzeit um die Pflanzen kümmern können, um sich einen Überblick über das Wachstum zu verschaffen.

Gezüchtet werden Spaliere, Halb- und Hochstämme. Unter den mittlerweile fast 1000 Bäumen sind auch Mehrsortenbäume dabei. Diese eigneten sich besonders für kleine Gärten, wie Lemke erläutert: „Man hat einen Baum, an dem unterschiedliche Sorten wachsen, die man je nach Farbe und Stelle am Baum unterscheiden kann.“

Bereits 1500 Exemplare konnten die Züchter verkaufen. Das geschieht meist, wenn die Setzlinge zwei bis drei Jahre alt sind: Je jünger, desto besser, „wenn der Baum noch sehr jung ist, kann er sich an einen neuen Standort gewöhnen und weiter wachsen. Bäume sind ein Generationsprojekt und brauchen ihre Zeit“, beschreibt Peter Hartz, Mitarbeiter des LiKK.

Will man einen Baum kaufen oder bestellen, zahlt man für Hochstämme 42 Euro, für Halbstämme 28 Euro und für Mehrsortenbäume 39 Euro. Die Bäume kommen dann mit einem Sortenschild und Dokumenten, die Informationen über den Baum vermitteln.

Besonders wird das LiKK Projekt durch die Vermehrung von bedrohten Obstsorten. Dafür sucht der Verein regelmäßig nach Bäumen die 50 Jahre oder älter sind. Er wird getestet, und dann mit ein paar Ablegern vermehrt. Auf diese Art und Weise konnten die Baumfreunde bis jetzt zum Beispiel eine Birnensorte retten, von der es wahrscheinlich nur noch ein Exemplar gegeben hätte.

„Wir konnten von dieser Birnensorte etwa 100 neue Exemplare pflanzen. Benannt haben wir sie nach der älteren Dame, bei der der Mutterbaum im Garten steht. Oma Gertrud, die 101 Jahre alt geworden ist, wurde so in den neuen Bäumen verewigt. Diese heißen ebenfalls ‚Oma Gertrud‘“, erläutert Lemke abschließend.

Bäume züchten ist für die Mitarbeiter des LiKK mehr als nur ein Hobby. Sie wollen ihr Wissen und ihre Expertise zu bedrohten Pflanzenarten weitergeben und die Anzahl regionaler Obstkulturen erhöhen. Mehr Informationen gibt es online unter www.likk.eu.Jacqueline Kurschatke

Die Vertreter des LiKK und Bodten & van Willegen (v.l): Henk Verbugt, Jürgen Opschroef, Hubert Lemke und Peter Hartz.Foto: privat

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