Steigende Auflagen treiben Baukosten in die Höhe
Bürgermeister Sven Kaiser besucht Bauunternehmung Elsemann
GELDERN. Ein Familienunternehmen mit langer Tradition: Bauunternehmung Elsemann ist bereits seit 1872 in Geldern aktiv. 2019 übernahm Niklas Elsemann das Unternehmen in fünfter Generation. Ihn trafen Bürgermeister Sven Kaiser und Wirtschaftsförderer Guido Ingenbleek nun im Rahmen der Unternehmensbesuchs-Reihe der Stadt Geldern.
„Die Baubranche ist ein wichtiger Pfeiler vieler städtischer Projekte“, erklärt Sven Kaiser. „Wir bauen derzeit beispielsweise viele Schulen und Kindergärten neu – auch die Feuerwehrwache in Veert entsteht aktuell an einem neuen Standort. Daher arbeiten wir eng mit vielen Bauunternehmen wie ,Elsemann´ zusammen und möchten natürlich hören, welche Themen sie besonders beschäftigen.“
Eines davon seien laut Niklas Elsemann die steigenden Auflagen für Bauten. „Wir würden gerne günstiger bauen, doch es gibt immer mehr Auflagen“, erklärt Elsemann. Als Beispiel nennt er Bodenmanagement bei Erdarbeiten und die damit verbundene Auslegung der Vorschriften wie die Beprobung von Bodenmaterial und der Anzahl an Proben. „Sie sind sehr teuer. Pro Probe kostet eine Laboranalyse 800 Euro.“ Das summiere sich mit der Zeit und treibe die Kosten stark in die Höhe. Zudem gebe es regionale Unterschiede bei der Auslegung der Vorschriften. „Für uns als Bauunternehmer wäre es um einiges einfacher, wenn es in ganz NRW dieselben Anforderungen beim Thema Erdarbeiten geben würde.“
Doch nicht nur die Bodenproben seien mit vielen Auflagen verbunden. „Jeder Neubau mit mehr als zwei Wohneinheiten muss heute barrierefrei gebaut werden“, so Elsemann. „Das geht stark in die Kosten, denn die Flure müssen breiter gebaut werden, jedes Fenster muss bodentief sein und es bedarf eines Aufzuges.“ Eine Quote hält Elsemann daher für sinnvoller als die aktuelle Regelung. „Es ist immens wichtig, dass wir genügend barrierefreie Wohnungen anbieten können. Dennoch erschweren die Auflagen den allgemeinen Wohnungsneubau. Das kostet dem Bauherrn und somit auch dem Mieter mehr Geld.“ Wirtschaftsförderer Guido Ingenbleek stellt die gestiegenen Anforderungen in einen größeren Kontext: „Es sind ja nicht nur die Auflagen, die die Preise in die Höhe steigen lassen, sondern auch die hohen Personal- und Materialkosten.“ Im Gesamten führe dies zu signifikanten Kostensteigerungen.
Beim Thema Fachkräfte steht „Bauunternehmung Elsemann“ gut dar. „In Bezug auf Fachkräfte hatten wir einen großen Vorteil, da einige andere Unternehmen aufgehört haben“, erklärt Elsemann. „Daher konnten wir viele Leute übernehmen und so unsere freien Stellen besetzen.“ Als Familienunternehmen sei es ihm zudem wichtig, die benötigte Mitarbeiterzahl immer richtig zu kalkulieren und entsprechend niemanden entlassen zu müssen. Mit der aktuellen Personalstärke von 27 Mitarbeitenden – 13 Maurer, sieben Polierer und sieben Verwaltungsmitarbeitende – kann das Unternehmen derzeit sieben Baustellen gleichzeitig betreuen. Zu Hochzeiten sind zudem 60 bis 70 Leihmitarbeitende auf den Baustellen aktiv.
In welchem Bereich es hingegen schlechter aussieht ist der Nachwuchs. „Wir haben aktuell zwei Auszubildende beschäftigt“, informiert der Geschäftsführer. „Allerdings bekommen wir immer seltener gute Bewerber und die Abschlussquote ist sogar noch geringer.“ Im Bereich Digitalisierung sei das Unternehmen hingegen gut aufgestellt. „Alle Polierer haben bei uns iPads, damit die Pläne digital abgerufen werden können“, so Elsemann. „So sind die Daten auch für alle Beteiligten von überall einsehbar.“ Ob ein Projekt gut oder schlecht verläuft, wird anhand der benötigten Arbeitsstunden gewertet. „Auf dem iPad kann man auch den Arbeitsfortschritt einsehen. Wir können so sehen wie es läuft und wie lange gearbeitet wurde.“ Aktuell ist die Bauunternehmung beispielsweise am Rohbau des Feuerwehrgerätehauses in Veert beteiligt.