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Sophia Cladder geht in ihrem neuen Beruf als Elektronikerin richtig auf. NN-Foto: SP
29. März 2025 · Sabrina Peters · Kleve

Sophia Cladder wählt ihren Traumberuf im Handwerk und kündigt bei der Landespolizei

Sophia Cladder aus Uedem hat gekündigt, um Elektronikerin zu werden

KLEVE/UEDEM. Sophia Cladders Kindheitstraum war es, Polizistin zu werden. Das umfangreiche Auswahlverfahren inklusive eines Sporttestes, den sie absolvieren musste, weil sie kleiner als 1,63 Meter ist, bestand die Uedemerin problemlos. Am 1. September 2023 begann sie schließlich ihre Ausbildung bei der Landespolizei NRW. „Bei meinem ersten praktischen Einsatz habe ich aber schnell gemerkt, dass das doch nicht das ist, was ich machen möchte. Es war mir viel zu viel Bürokram. Das Handwerkliche hat mir gefehlt“, sagt die heute 20-Jährige, die relativ schnell einen neuen Weg einschlug: Cladder kündigte zum 1. September 2024 ihre Ausbildung bei der Landespolizei und begann direkt im Anschluss eine neue Ausbildung zur Elektronikerin in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik bei Fleuren Elektro-Technik in Kleve.

Ein Zufall sei ihre zweite Wahl nicht gewesen. „Eine Ausbildung im Handwerk war schon nach meinem Abitur mein Plan B, falls es mit der Polizei nicht geklappt hätte. Aber dann bekam ich ja die Zusage“, verrät Cladder. Doch sie habe schnell festgestellt, dass sie nicht ihr ganzes Arbeitsleben bei der Landespolizei verbringen möchte. „Ich wusste, dass mich da auch viel Bürokram erwarten wird. Aber das war dann doch schon eine sehr große Menge“, sagt Cladder. Das ständige Berichteschreiben habe ihr einfach nicht gefallen. „Mir fehlte es, etwas mit meinen Händen zu machen“, ergänzt die 20-Jährige.

Trotz des Beamtenstatus‘ auf Widerruf, der guten Verdienstmöglichkeiten und der Sicherheit des Arbeitsplatzes entschied sich die junge Frau ihre Karriere bei der Landespolizei aufzugeben. „Mein Vater war davon wenig überrascht. Er meinte, dass ich handwerkliches Talent hätte und deshalb auch lieber im Handwerk arbeiten solle“, berichtet Cladder. Ihre Mutter sei zwar zunächst geschockt gewesen („Weil der Job bei der Polizei natürlich ein sehr sicherer Beruf ist“), aber auch sie habe die heute 20-Jährige in ihrem Vorhaben unterstützt.

Sophia Cladder absolvierte schließlich ein Tagespraktikum bei Fleuren Elektro-Technik in Kleve. „Ich habe einen Bekannten begleitet, der hier als Elektroniker arbeitet. Und es hat mir sofort richtig gut gefallen“, berichtet die Uedemerin, für die das Handwerk auch kein völliges Neuland war: „Mein Vater ist Landwirt und ihm habe ich früher schonmal geholfen. Deshalb hatte ich auch schon vor meiner Ausbildung einen Schraubendreher, einen Akkuschrauber und eine Bohrmaschine in der Hand.“ Zudem habe sie bereits in der Schule Spaß an Mathematik und Physik gehabt. „Beide Fächer sind in der Ausbildung wichtig. Elektrotechnik hat vor allem viel mit Mathe zu tun“, betont die Auszubildende.

Ein knappes Dreivierteljahr nach ihrem Ausbildungswechsel kann Cladder sagen, dass ihre Entscheidung die einzig richtige war. „Der Job macht mir unheimlich viel Spaß. Ich bin mit sehr viel Begeisterung dabei und auch gut aufgenommen worden“, sagt Cladder. Vorbehalte gegenüber einer Frau im Handwerk – einer nach wie vor männerdominierten Branche – habe sie bislang keine gespürt: „Ich habe sogar das Gegenteil feststellen können: Wenn ich auf einer Baustelle bin, habe ich schon oft gehört, wie cool das ist, dass eine Frau dabei ist.“

In ihrem Ausbildungsbetrieb wurde Cladder auch sehr gut aufgenommen und direkt mit eingespannt. „Ich durfte sofort mit auf Baustellen fahren und etwa Kabel verlegen oder Lampen, Steckdosen und Kameras montieren beziehungsweise installieren“, sagt Cladder. Ein- bis zweimal wöchentlich besucht sie darüber hinaus die Berufsschule. „Dort lernen wir alles Theoretische wie mathematische Grundlagen oder die verschiedenen elektrischen Schaltungen wie die Serien-, Wechsel- oder Kreuzschaltung“, erklärt Cladder, die noch drei Mitschülerinnen hat. Die Anderen sind allerdings junge Männer.

Dreieinhalb Jahre dauert Cladders Ausbildung zur Elektronikerin in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Danach gibt es noch verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten wie den Meister oder den Techniker. Auch ein anschließendes Studium wäre möglich. „Wenn ich irgendwann merke, dass ich doch lieber mehr im Büro arbeiten möchte, kann ich mich entsprechend weiterbilden und dann auch im Büro arbeiten“, sagt Cladder.

Doch zunächst einmal genießt sie das Arbeiten in der Werkstatt oder auf den verschiedenen Baustellen. „Dort sehe ich, was ich mit meinen Händen geschaffen habe. Das finde ich einfach toll“, sagt Cladder.

Sabrina Peters

Boys‘ & Girls‘ Day

Beim diesjährigen „Girls‘ & Boys‘ Day“ am kommenden Donnerstag, 3. April, haben Mädchen wieder die Gelegenheit, in sogenannte Männerberufe hineinzuschnuppern und praktische Erfahrungen zu sammeln. Ob in der Technik, IT oder dem Handwerk – sie können verschiedene Berufsfelder erkunden und neue Talente entdecken. Das Gleiche gilt auch für Jungs, die an diesem Tag einen Einblick in eher typische Frauenberufe gewinnen können.

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