Vier Flugzeuge sind noch bis Freitag in Weeze stationiert. Die Piloten fliegen zweimal am Tag, morgens und nachmittags. In dieser Zeit kann es für Anwohner laut werden. NN-Foto: J. Kurschatke
4. November 2026 · Jacqueline Kurschatke · Weeze

So läuft’s bei der zivil-militärischen Übung am Airport Weeze

Zusammenarbeit und flexible Verteidigungsfähigkeit stehen bis Freitag im Vordergrund

WEEZE. Flexibilität im Einsatzfall soll sie bringen – die militärische Übung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ am Airport Weeze. Mit vier Kampfjets des Typs Eurofighter verschaffen sich Bundeswehr-Piloten noch bis Freitag zweimal täglich einen Überblick über die Region Niederrhein und trainieren Start sowie Landung an einem zivilen Flughafen.

„Das ist das erste Mal, aber nicht das Letzte“, sagt Oberst René Diegeler, der das Geschwader als Kommodore leitet, über die Maßnahme in Weeze. In regelmäßigen Abständen sollen zukünftig weitere Übungen an zivilen Flughäfen durchgeführt werden. Es gehe darum, im Verteidigungsfall „Luftfahrzeuge oder andere Mittel“ schnell in Deutschland verteilen und flexibel eingreifen zu können. „Wir haben in Deutschland verschiedene Cluster gebildet und uns zivile Flugplätze angeschaut, um zu sehen, wo wir zusätzliche Flächen neben den Kasernen und Militärflugplätzen nutzen können. Weeze fällt einem dafür sofort ins Auge, da er ein ehemaliger militärischer Flugplatz ist und über nötige Infrastruktur verfügt“, erläutert Diegeler. Es ist die erste Übung dieser Art am Airport Weeze. In der Vergangenheit haben ähnliche Trainings bereits in Berlin, Hamburg, Bremen, Münster-Osnabrück und Nürnberg stattgefunden. Laut Oberst Diegeler, soll das ein „regelmäßiger Turnus“ werden.

2.500 km/h Höchstgeschwindigkeit

Vier Flugzeuge sind noch bis Freitag in Weeze stationiert. Die Piloten fliegen zweimal am Tag, morgens und nachmittags. In dieser Zeit kann es für Anwohner laut werden. Denn die Eurofighter, von der Bundeswehr auch als „Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugflotte“ bezeichnet, erreichen in der Luft Überschallgeschwindigkeit. Der Eurofighter hat eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,35. Das entspricht in etwa 2.500 Kilometern pro Stunde. Mit zu- oder abnehmender Höhe kann die Angabe variieren. In Deutschland findet man den Eurofighter an vier Standorten. Einer davon ist Nörvenich, wo Oberst Diegeler und seine Kameraden normalerweise stationiert sind. „Wir fliegen das Flugzeug in einer Mehrrollenfähigkeit. Das heißt für Nörvenich gesprochen sind wir ein Verband der primär, Ziele am Boden bekämpft. Wir sind aber genauso auch für den Kampf in der Luft ausgebildet und fliegen die Aufklärungsrolle“, berichtet der Kommodore weiter.

Eurofighter der Bundeswehr bei Überschallgeschwindigkeit in der Luft, modernes Kampfflugzeug, Foto von Bundeswehr/Marvin Hofmann.

Ein Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelke“ startet bei der Übung Dispersed Operations vom Flughafen in Weeze. Foto: Bundeswehr/Marvin Hofmann Foto: Bundeswehr/Marvin Hofmann

Bei der Übung in Weeze steht das Training von Start und Landung im Vordergrund. Dabei verschaffen sich die Piloten auch einen Überblick über die Umgebung des Flughafens. Wie lange die Flugzeuge pro Übungseinheit in der Luft blieben, könne man nicht genau sagen. Am Dienstag waren es nach Angaben der Bundeswehr rund 1,5 Stunden. Das könne sich aber bei besonderen Übungsvorhaben im internationalen Bereich durchaus auf mehrere Stunden ausdehnen.

Intensive Vorbereitung notwendig

Eigentlich war die Übung bereits für das Frühjahr geplant. Doch wegen Verzögerungen bei der Vorbereitung der Maßnahmen musste die Übung auf den Herbst verschoben werden. „Es müssen viele Vorbereitungen getroffen werden, bevor wir eine Übung wie diese durchführen können. Zum Beispiel werden gemeinsam mit den Flughäfen Anflugs Verfahren erarbeitet. Da wir uns hier in Weeze auch nah an der niederländischen Grenze befinden, musste der Eintritt in den niederländischen Luftraum mit den Behörden abgesprochen werden“, sagt Diegeler. Die Sicherheit auf dem Fluggelände hat darüber hinaus oberste Priorität. Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr stehen bereit und befinden sich in ständigem Austausch mit der Bundeswehr und dem Flughafenpersonal vor Ort.

Schaulustige beobachten den Flugbetrieb nahe dem eingezäunten Gelände. Hier fährt die Polizei Streife. Es spiegelt wohl wider, wie die allgemeine Reaktion der Bevölkerung auf die Übung ist. Airport Geschäftsführer Dr. Sebastian Papst berichtet, Gegenwind sei bei ihm nicht angekommen. Stattdessen großes Interesse, „weil es einfach nichts alltägliches ist.“ Er betont: „Wir freuen uns, dass wir die Übung unterstützen können. Das ist in den aktuellen Zeiten umso wichtiger. Der normale Flugbetrieb wird nicht beeinträchtigt und unsere Infrastruktur lässt sich gut nutzen.“ Die Bereitstellung der genannten Infrastruktur, „hat auch etwas mit Verantwortung zu tun.“ Auch Diegeler ist froh, über die Möglichkeit, Weeze zur Übung nutzen zu können: „Es ist einfach nur über Krieg zu reden. Aber wir sind immer den Entscheidungen der Politik ausgesetzt. Da muss man vorbereitet sein und wissen was zu tun ist. Sowohl von unserer Seite als auch von der Seite der Flughäfen. Manche Dinge hat man nicht auf dem Schirm.“ Das sei so, als baue man ein Haus und stelle auf halbem Weg fest, dass man an etwas wichtiges nicht gedacht habe. Aus diesem Grund brauche man Zusammenarbeit wie diese.

„Die Arbeit hat sich gelohnt“

Bereits jetzt sind sich die Verantwortlichen sicher: „Die Arbeit im Vorfeld hat sich gelohnt.“ Das Fliegen ist aber nur eine Sache. Auch die Feuerwehr ist Teil der Übung. „Wenn man derartige Luftfahrzeuge hat, die mit so viel Kerosin betankt sind, ist die Feuerwehr notwendig. In dem Moment, wo wir die Maschinen anlassen, möchten wir sie in der Nähe haben, falls etwas schief geht. Bei der Übung geht es jetzt zusätzlich darum, dass eine Einweisung für das Feuerwehrpersonal an unseren Luftfahrzeugen stattfindet, um Handlungssicherheit zu erzielen“, berichtet Diegeler abschließend und meint damit beispielsweise auch die Rettung eines Piloten aus dem Cockpit.

Mit dem Morgenflug am Freitag wird es wieder ruhiger werden am Airport Weeze. Dann brechen die Soldaten aus Nörvenich wieder in Richtung Heimat auf. Für die Kameraden bedeutet das: Ab ins Wochenende!

Vier Flugzeuge sind noch bis Freitag in Weeze stationiert. Die Piloten fliegen zweimal am Tag, morgens und nachmittags. In dieser Zeit kann es für Anwohner laut werden. NN-Foto: J. Kurschatke

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