Sich flexibel aufstellen und Neues ausprobieren
Bürgermeister Sven Kaiser zu Gast beim Gelderner Betrieb „Vißer“
GELDERN. Wenn Heinrich Vißer anfängt, über sein Handwerk zu sprechen, merkt man ihm auch nach jahrzehntelanger Tätigkeit noch seine Begeisterung für das Dachdeckerwesen an. Auch wenn sich im Laufe der Zeit vieles verändert oder weiterentwickelt habe, „die Leidenschaft fürs Handwerk ist nach wie vor da“, sagt er. Seit 1993 ist er mit seinem Betrieb „Vißer GmbH & Co. KG“ in Geldern tätig.
Über die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Handwerk - speziell im Dachdeckerwesen - tauschten sich Heinrich und Monika Vißer jetzt mit Bürgermeister Sven Kaiser und Wirtschaftsförderer Guido Ingenbleek im Rahmen der aktuellen Unternehmensbesuchsreihe der Stadt Geldern aus.
Am 1. April 1993 hat Heinrich Vißer mit der Selbständigkeit in Geldern begonnen. „Begonnen habe ich ganz alleine“, sagt der Dachdeckermeister. „Innerhalb von vier Jahren waren wir schon zwölf Mitarbeitende. Mittlerweile habe wir mehr als 30 Mitarbeitende im Team, davon zurzeit zwei Azubis“, berichtet Vißer, in dessen Betrieb schon lange ausgebildet wird. Durch das schnelle Wachstum folgte auch relativ schnell eine Standortvergrößerung an die Robert-Bosch-Straße, wo „Vißer“ seit 1997 mittlerweile zuhause ist. Mit im Team ist schon etwas länger auch Sohn Hendrik (25). Nach der Ausbildung und zwei abgelegten Meistertiteln (Dachdecker und Klempner) bildet er zusammen mit seinen Eltern die Unternehmensführung.
Tätig ist das Team von Vißer natürlich vor allem im Dachdeckergewerbe. Zum Leistungsportfolio gehört eigentlich alles, was mit dem Dach zu tun hat. „Mein Credo war schon immer, sich weiterzuentwickeln, auf dem Markt nach neuen und innovativen Lösungen zu suchen und sich flexibel aufzustellen“, erzählt Heinrich Vißer. So habe er etwa schon 1994 damit begonnen, erste Erfahrungen im Bereich der Gründach-Pflege zu machen, „als wir unser erstes Gründach-Projekt realisiert haben.“ Durch seine jahrelangen Erfahrungen im Dachdecker-Handwerk ist er zugleich auch schon seit einigen Jahren als Sachverständiger tätig.
Tätig ist Vißer auch schon lange nicht mehr ausschließlich im Gelderner Raum. „Baustellen in Geldern und Umgebung sind für uns natürlich praktisch“, berichtet der Dachdeckermeister. „Hauptsächlich arbeiten wir mittlerweile aber im Raum Düsseldorf und Meerbusch. Teilweise fahren wir aber auch bis nach Berlin. Dann sind es aber in der Regel Kunden, die hier mal gewohnt haben oder hier tätig waren.“ Der Großteil der Aufträge komme über die persönliche Weiterempfehlung der Kunden, sagt Vißer. „Darauf entfallen bei uns knapp 85 Prozent der Aufträge.“
Sich flexibel aufzustellen, heißt auch, Neues auszuprobieren. „Deshalb haben wir auch schon früh angefangen, uns mit Themen der Künstlichen Intelligenz (KI) zu beschäftigen“, sagt Vißer. Mittlerweile würde die KI schon einige Tätigkeiten im Büro übernehmen. Seit gutem einem Jahr gibt es im Betrieb auch die unternehmenseigene „Vißer-App“. Darüber können die Mitarbeitenden nicht nur praktische Dinge wie Urlaubswünsche oder Krankmeldungen eintragen, sondern vor allem Tätigkeiten aus dem Berufsalltag ausführen. Die Mitarbeitenden können über die App Fotos von den Baustellen an die Kollegen im Büro oder an externe Partner versenden, Checklisten abarbeiten oder Teile der Gefährdungsanalyse schon erledigen. „Das spart uns nicht nur Personalkosten, sondern vor allem auch Zeit, weil wir nicht mehr ständig rausfahren müssen für die Vor-Ort-Begutachtungen“, nennt Vißer die Vorteile der App.
Auch Bürgermeister Sven Kaiser zeigte sich nach der Vorstellung der App und den Ausführungen Vißers angetan: „Man merkt, dass hier Leidenschaft, Innovationsgeist und ein starker familiärer Zusammenhalt zusammentreffen und wie Tradition und Fortschritt miteinander verbunden werden“, stellte Kaiser fest. „Der Besuch bei Vißer hat jedenfalls wieder einmal gezeigt, wie viel Engagement und Fachwissen in unseren lokalen Unternehmen in Geldern steckt.“ Dadurch, dass seine Mitarbeitenden auch viel auf Autobahnen unterwegs seien, beschäftigt den Unternehmenschef unter anderem die aktuelle Verkehrssituation in NRW. „Die ganzen Staus kosten unsere Firma pro Jahr knapp 30.000 Euro“, rechnet Vißer vor. Ein noch größeres Problem sieht er aber in der zuletzt immer weiter gewachsenen Bürokratie. „Wir haben uns in Deutschland an die Wand geregelt mit unseren ganzen Vorschriften“, sagt Vißer. Als ein Beispiel nennt er zum Beispiel die verschiedensten Schulungen, die seine Mitarbeitenden Jahr für Jahr aufs Neue absolvieren müssten. „Ein anderes Problem stellen für uns mittlerweile die Pflichten und Kosten im Bereich der Entsorgung dar“, berichtet er. „Hier wurde in den vergangenen Jahren ein Apparat aufgebaut, der riesige Dokumentationspflichten für die Betriebe nach sich zieht.“ Wie viele Kollegen hoffe Vißer, dass die Bundesregierung für eine Entbürokratisierung der Wirtschaft sorge. Ob es gelingt? Die nächsten Monate und Jahre werden es zeigen