Selbstständig werden will gelernt sein
Caritasverbands Geldern-Kevelaer bietet Trainingswohnen an
GELDERLAND. Die erste eigene Wohnung. Für viele junge Menschen ein großer Moment, für manche aber auch eine ziemlich große Herausforderung. Denn ein Schlüssel in der Hand bedeutet noch lange nicht, dass man sein Leben selbstständig meistern kann. Genau hier setzt ein noch recht junges Angebot des Caritasverbands Geldern-Kevelaer an: das Trainingswohnen.
Es richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die auf dem Weg in die Selbstständigkeit Unterstützung benötigen. Dazu gehören junge Menschen, die bisher in Wohngruppen oder stationären Einrichtungen gelebt haben, aber auch solche, die aufgrund familiärer Konflikte, persönlicher Krisen oder besonderer sozialer Schwierigkeiten nicht mehr zu Hause leben können. Sechs ambulante Plätze sowie sechs Wohnungen und Appartements stehen zur Verfügung. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt. Wie unkompliziert der Einstieg funktionieren kann, zeigte sich beim ersten Bewohner: Zwischen Kontaktaufnahme und Einzug lagen gerade einmal zwei Wochen.
„Wir sind keine Haushaltsschule mit Wohnungsschlüssel“, macht Sozialarbeiter Jan Heckes deutlich. Der 30-Jährige begleitet junge Menschen beim Start in ein eigenständiges Leben. Dabei geht es um weit mehr als Einkaufen, Putzen oder Stromrechnungen. „Selbstständig zu sein bedeutet, Arbeit, Wohnen, Freunde, Familie und Freizeit eigenverantwortlich organisieren zu können.“
Was selbstverständlich klingt, ist für manche eine echte Herausforderung. Schon regelmäßig Termine einzuhalten oder sich bei Problemen Hilfe zu holen, kann ein wichtiger Fortschritt sein. Die Unterstützung ist deshalb so individuell wie die Lebensgeschichten der jungen Menschen. Sie reicht von praktischer Alltagshilfe über die Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen bis zur Zusammenarbeit mit Jugendamt, Jobcenter und Beratungsstellen. Dabei verfolgt Heckes einen klaren Grundsatz: Hilfe soll nicht dauerhaft abhängig machen, sondern Selbstvertrauen schaffen. „Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, was jemand selbst schaffen kann – und ihm zuzutrauen, es auch zu tun.“ Das Ziel ist deshalb nicht, möglichst lange zu begleiten. Sondern junge Menschen so weit zu stärken, dass sie irgendwann sagen können: Ab jetzt schaffe ich das allein.