„Schreibe gerne über Frauen auf dem Weg nach heute“
Lesung mit Beststellerautorin Anne Stern in der Stadtbücherei Rees
Dort stellte Anne Stern ihren Roman „Lindy Girls“ vor, in dem es um eine Frauentanzgruppe im Berlin der 1920er Jahre geht. Anne Stern las aus mehreren Kapiteln ihres Buches, in denen sie jeweils einzelne Mitglieder der Lindy Girls vorstellte. „Die Ausrufung der Republik nach dem Ersten Weltkrieg bedeutete einen enormen Bruch für die gesamte Gesellschaft“, erläuterte die studierte Historikerin Anne Stern.
Auch das Frauenbild änderte sich grundlegend, denn Frauen erhielten nicht nur das Wahlrecht, sondern durften nun auch frei einen Beruf wählen, studieren und erhielten weitere Freiheiten. Allerdings waren Frauen bei weitem noch nicht den Männern gleichgestellt. Sie wurden viel schlechter bezahlt als Männer, so dass das Leben vieler Frauen oft mehr Schein als Sein bedeutete. Im Tanz entdeckten viele Menschen in den 1920er Jahren neue Freiheiten, und die damals revolutionäre Jazzmusik aus den USA wurde sehr populär. Mit Tanzen konnten sich Frauen wie die Lindy Girls aus der Masse abheben. „Tanzen wurden in den 1920er Jahren zur Massenbewegung“, erklärte Anne Stern, die verriet, dass sie zur Recherche für das Buch selbst Tanzunterricht genommen hatte.
Allerdings war diese Massenbewegung nicht unumstritten, und nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde das Aufführen von Jazzmusik verboten. „Angesichts der angespannten wirtschaftlichen und politischen Lage war das Tanzen auch immer ein Tanz über dem Abgrund“, erläuterte die Autorin. Dies wird schon auf dem Buchcover deutlich, dessen Grundlage ein Foto zweier Frauen der damaligen Zeit ist.
Anne Stern ist aber nicht nur Historikerin, sondern auch Literaturwissenschaftlerin. In Rees las sie eine Szene aus ihrem Buches, die auf der Weidendammer Brücke in Berlin spielt. Dies ist eine Hommage an das Kinderbuch „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner, in der die Brücke ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Erich Kästner wurde zur selben Zeit, in der Sterns Buch „Lindy Girls“ spielt, als Schriftsteller berühmt. Anne Stern arbeitet bereits an weiteren historischen Frauenromanen. „Ich schreibe gerne über Frauen auf dem Weg nach heute“, erklärte die Autorin zum Ende ihrer Lesung, für die sie langanhaltenden Beifall erhielt.