Ruß und Schimmel setzen der Orgel in der Kerzenkapelle zu
Orgelbauverein in Kevelaer startet die Aktion „Werden Sie Orgel-Pate“
KEVELAER. Der Kevelaerer Orgelbauverein hat sich – nach der erfolgreichen Restaurierung der großen Seifert-Orgel in der Basilika – das nächste Großprojekt vorgenommen: die Restaurierung der Orgel in der Kerzenkapelle.
Das Instrument ist in die Jahre gekommen und hat deutliche Verschleißerscheinungen. Wolfgang Seifen und Marco Ellmer (Orgelbauer und Vorstandsmitglied) überfällt heute immer wieder ein mehr als nur leichter Schauer, wenn sie in das Innere der alten Orgel gucken. Ruß wohin man schaut, der feine fiese Staub findet sich überall – Folgen der vielen, vielen Kerzen, die tagtäglich in diesem Kirchlein entzündet werden. Dazu leider auch immer wieder Taubendreck, der das Material schädigt – von der Bespannung der Blasebälge über die feinen Dichtungsmaterialien aus Filz und Leder bis zur reibungslos funktionierenden Orgelbankmechanik. „Hier, die waren mal silbern“, murmelt Marco Ellmer und zeigt auf eine ganze Armada pechschwarzer Pfeifen. „Der Dreck beschädigt die Orgel und schränkt ihre Funktion deutlich ein.“
Viel ist überlegt worden, um dem Dilemma beizukommen. Eine Kirche ohne Kerzen geht nicht – aber eine Ablufttechnik zur Filterung und Absaugung des Rußes wäre viel zu teuer – und wohl auch nicht hundertprozentig erfolgreich. „Es gibt keine optimale Lösung“, sagt Wolfgang Seifen. Der Orgelbauverein startet deshalb nun ein Patenschafts-Projekt und jeder kann mithelfen, das Instrument wieder in Schuss zu bringen und darüber hinaus regelmäßig mit Wartung und Reinigung zu versorgen. Ziel ist es ebenso, „diese wunderbare Orgel auch außerliturgisch mehr und mehr klingen zu lassen“, in Konzerten, bei Orgelführungen. Und sie soll wieder so klingen können, wie ihr Erbauer Wilhelm Rütter das geplant hatte.
Orgel-Paten tun nicht nur etwas Gutes, sondern werden auch zu Konzerten eingeladen und erfahren regelmäßig Neues aus der Welt der Kevelaerer Orgelfamilie. Zum Verschenken eignet sich so eine Patenschafts-Urkunde ebenfalls.
Wer mithelfen möchte, die alte Rütter-Orgel wieder fit zu machen, kann mit dem Verwendungszweck „Orgel-Patenschaft Kerzenkapelle“ auf das Konto des Orgelbauvereins überweisen. Kontoinfos und mehr gibt es unter www.orgelbauverein-kevelaer.de. Weitere Informationen und Fragen gern per Mail an info@orgelbauverein-kevelaer.de oder direkt beim Schrift- und Geschäftsführer Georg Maes an georg.maes@orgelbauverein-kevelaer.de und natürlich auf social media.
Über die Kerzenkapelle
Die Kerzenkapelle war und ist die erste Pilgerkirche am Kapellenplatz. Gebaut wurde sie in den Jahren 1643 bis 1645, also nur kurz nachdem die Kevelaerer Wallfahrtsgeschichte mit dem Aufstellen des Bildstocks und der Verehrung des Gnadenbildchens anno 1642 ihren Anfang nahm.
1699 schon sprechen die Chroniken der damals im Priesterhaus ansässigen Oratorianer von einer „nicht mehr ganz neuen Orgel“. Doch es sollte viele Jahre dauern, bis 1843 der Kevelaerer Orgelbauer Wilhelm Rütter aktiv wurde und ein neues Instrument in das bestehende Gehäuse hineinbaute – „dabei verwendete er auch einen großen Teil des älteren Pfeifenwerkes und erweiterte das Gehäuse um ein eigenständiges Pedalwerk“, so Wolfgang Seifen, lange Jahre Organist an St. Marien und Custor der Orgeln, nun Vorsitzender des Orgelbauvereins.
Wacker hält sich die Vermutung, dass Wilhelm Rütter mit dem Bau der Orgel in der Kerzenkapelle ein „Probeinstrument“ abliefern und sich damit für den doch recht lukrativen Bau der späteren großen Orgel in der Basilika bewerben wollte. Fakt ist, dass die Rütter-Orgel für ihre Klangpracht und ihren Klangcharakter sowie die kunstfertige Materialverarbeitung gelobt wurde.
Nach zahlreichen Umbauten in nicht immer ausreichender Qualität, hatte man sich in den späten 1980er Jahren entschieden – nach einem vom damaligen Basilikaorganisten Professor Wolfgang Seifen entwickelten Konzept – eine neue Orgel in das bestehende Gehäuse zu bauen. Am 4. März 1990 konnte das von der Firma Romanus Seifert im Stile Wilhelm Rütters erbaute neue Orgelwerk eingeweiht werden.
Die Schäden und der Schmutz an der Orgel sind nicht zu übersehen. Foto: privat
Marco Ellmer und Wolfgang Seifen (v.l.) freuen sich über jeden Orgelpaten, der bei der Restaurierung hilft. Foto: privat