"Emmerich Hafen bei Niedrigwasser, bleibt betriebsbereit, Foto von Rüdiger Dehnen"
15. August 2026 · Michael Bühs · Emmerich

Rhein bei Emmerich und Rees: Niedrigwasser schränkt Schifffahrt immer stärker ein

Der Pegel sinkt weiter, Frachtschiffe können deutlich weniger laden. Auch Ausflugsfahrten nach Nijmegen und Arnheim fallen aus.

EMMERICH/REES. Der Rheinpegel sinkt auch bei Emmerich und Rees immer weiter. Während der Pegel bei Rees mit 17 Zentimetern immerhin noch im Plus ist, befindet er sich an der Hansestadt schon seit Tagen im Minus: Am Freitagmorgen meldete der Elektronische Wasserstraßen-Informationsservice (Elwis) einen Stand von minus 10 Zentimetern, über das Wochenende soll er auf minus 26 bis minus 29 Zentimeter sinken. Dies schränkt die Schifffahrt auf dem Rhein immer weiter ein.

Ein Pegelstand im Minus bedeutet zwar nicht, dass der Rhein trockenfällt. Der Pegel gibt die Höhe des Wasserstandes an einer festen Messstelle in einem Gewässer an, gemessen über einem festgelegten Nullpunkt. Die reale Wassertiefe bei Emmerich liegt bei etwa 1,96 Meter. Die Schifffahrt steht trotzdem vor großen Problemen. Nur etwa zehn bis 20 Prozent der sonst üblichen Ladung können Binnenschiffe vielerorts auf dem Rhein transportieren.

Das Ausweichen auf die Straße (Lkw) und die Schiene (Güterzüge) funktioniert auch nur bedingt; die Lastwagenkapazitäten seien weitgehend erschöpft, teilt beispielsweise Frank Huster mit, Geschäftsführer beim Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV). Auch auf der Schiene gibt es Probleme: Sanierungen und damit einhergehende Sperrungen auf wichtigen Strecken, hinzu kommen laut Schuster unzureichende Gleisanschlüsse von Häfen.

Hafen Emmerich bleibt weiter handlungsfähig

Die Niedrigwassersituation stellt auch den Niederrhein vor Herausforderungen. Immherin: „Unsere Standorte in Emmerich und Emmelsum sind weiterhin handlungsfähig“, betont Léon Trießl, Sales Manager bei Contargo Rhein-Waal-Lippe in Emmerich, „wenn auch nicht vollumfänglich.“ Der Betrieb in den weiteren Contargo-Terminals entlang des Rheins sei stärker eingeschränkt, auch da auf dem Süd- und Mittelrhein stellenweise nicht mehr gefahren werden könne. „Wir versuchen deshalb, hier am Niederrhein Ladung für unsere anderen Standorte umzuschlagen“, berichtet Trießl. Dazu habe man weitere Binnenschiffe integriert und profitiere von der Trimodalität des Emmericher Hafens: „Nächste Woche wird der erste Zug erwartet, der Ladung zwischen Emmerich und einem Terminal im Süden transportiert“, sagt Trießl.

Zwar sei Niedrigwasser auch für die Häfen am Niederrhein „kein neues Thema“, doch die aktuelle Lage sei „eine neue logistische Herausforderung“, sagt Trießl. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir auch durch diese schwierige Zeit kommen.“

"Rheinbrücke bei Emmerich im Trockenen, niedriger Wasserstand, Klimawandel"

Da war mal Wasser: die Rheinbrücke bei Emmerich. Foto: Rüdiger Dehnen

Marcel Roebrock, Projektleiter bei Port Emmerich, ergänzt mit Blick auf die aktuelle Lage am und auf dem Rhein: „Aus Sicht der Hafenbetriebsgesellschaft sorgen derart niedrige Wasserstände für zusätzliche Auskolkungen durch die Schiffsantriebe vor unseren Spundwänden. Diese müssen durch umfangreiche Nassbaggerarbeiten wieder verfüllt werden, sobald der Rheinpegel gestiegen ist. Zudem wird die Schiffbarkeit des gesamten Hafenbeckens durch den tiefen Wasserstand immer weiter eingeschränkt.“

Aus Betreibersicht sorge das Niedrigwasser für eine Verknappung des verfügbaren Laderaums auf dem Rhein, da die Schiffe zunehmend weniger Gewicht transportieren können. „Das sorgt zum einen für steigende Preise, zum anderen für mehr Aufwand im operativen Betrieb, da Container nun öfter zwischen den Schiffen umgebucht werden müssen“, erläutert Roebrock.

Nijmegen und Arnheim aus dem Fahrplan gestrichen

Schwierig ist die Situation auch für die Personenschifffahrt auf dem Rhein. Aufgrund der niedrigen Pegelstände wurden in der vergangenen Wochen bereits zwei Fahrten der „Germania“ von Rees nach Nijmegen abgesagt. „Nijmegen ist komplett raus aus dem Fahrplan, wir können dort nicht mehr anlegen“, berichtet Kapitän Rainer van Laak. Gleiches gilt für Arnheim. Hinter Düsseldorf als Fahrziel für die kommenden steht auch bereits „ein dickes Fragezeichen“.

"Extremes Niedrigwasser im Rhein bei Rees, Flussbett sichtbar, Umweltveränderung"

Extremes Niedrigwasser im Rhein auch bei Rees. NN-Foto: Michael Bühs Foto: NN/Michael Bühs

Möglich sind weiterhin die Rundfahrten ab Rees. „Hätte die Stadt Rees im vergangenen Jahr den Steiger nicht um vier Meter verlängert, könnten wir hier ebenfalls nicht mehr anlegen“, betont van Laak. Insgesamt sei es deutlicher stressiger geworden, aktuell auf dem Rhein zu fahren. „Es herrscht deutlich mehr Verkehr, weil die Schiffe nur wenig Laden aufnehmen können“, erläutert van Laak. Aufgrund des Niedrigwassers sei es zudem nicht möglich, mit einem Personenschiff die langsameren Frachtschiffe zu überholen. „Dadurch dauern die Rundfahrten im Schnitt 30 Minuten länger.“ Bei der letzten Tour nach Arnheim kam die „Germania“ erst knapp zweieinhalb Stunden nach der geplanten Zeit wieder in Rees an.

Fast 600 Passagiere waren von den bisherigen Absagen betroffen – und es könnten noch mehr werden. Weitere Rundfahrten am Niederrhein werden als Ersatz angeboten, da die Steiger hier noch alle angelaufen werden können. In Emmerich beispielsweise „ist der Rhein dort, wo der Steiger liegt, etwas tiefer“, sagt van Laak.

Hoffen auf Regen im Süden – Schleusen als Lösung?

Auch der erfahrene Reeser Kapitän hofft nun auf Regen „in der Schweiz, am Bodensee, insgesamt in Süddeutschland – sonst sehen wir alle schwarz“. Er habe aktuell immer das Wetter im Raum Karlsruhe im Blick, doch Regen über ein bis zwei Wochen – „den bräuchten wir dringend“ – sei demnach nicht in Sicht. In seiner langen Zeit auf dem Wasser „habe ich es so extrem noch nie erlebt“.

Er war übrigens zuletzt als Kapitän auf der Mosel unterwegs. Dort ist ein Niedrigwasser kein Thema, „wegen der Schleusen“, erläutert van Laak. Aus seiner Sicht „müsste der Rhein ebenfalls durch Schleusen aufgestaut werden, dann hätten wir diese Probleme nicht“. Auf Anfrage der NN teilt Contargo mit, es gehe vielmehr darum, „die Resilienz der Wasserstraße insgesamt zu stärken. Dazu gehören insbesondere die Umsetzung der Abladeoptimierung am Mittelrhein, Investitionen in die Wasserstraßeninfrastruktur sowie die weitere Anpassung der Binnenschiffsflotte an Niedrigwasser.“

Der Hafen in Emmerich bleibt trotz des Niedrigwassers handlungsfähig. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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