Reichswald-Debatte wird im Ton immer schärfer
Jüngstes Beispiel ist ein Facebook-Beitrag mit Vergleich zu 1933
Jüngstes Beispiel ist folgender Facebook-Beitrag: „Wir sind leider da, wo wir vor 90 Jahren bereits waren. Die Angstpropaganda, Volksverdummung, Machtdemonstrationen, Einschüchterung und mutwillige Zerstörungen zeigen das wahre Gesicht der Nationalparkgegner.“ Da reibt sich der Leser verstört die Augen. Dieser Vergleich ist nicht nur völlig daneben sondern in erster Linie falsch und von wenig oder keiner Geschichtskenntnis geprägt. Am 10. Mai 1933 wurden in Deutschland Bücher jüdischer, sozialistischer und liberaler Autoren verbrannt. Die Aktion der Studierenden galt „undeutschem Schrifttum“.
Stefan Rouenhoff schreibt in seinem Aufruf zur Besonnenheit unter anderem: In der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte darüber, ob der Reichswald ein Nationalpark werden soll oder nicht, ist zu beobachten, dass bestimmte Kräfte Ehrlichkeit in der Sache, Respekt vor der Meinung der anderen und einen fairen Umgang miteinander immer stärker vermissen lassen. Sachargumente werden an den Rand gedrängt. Populistische Stimmungsmache dominiert zusehends die Debatte. Das verhärtet die Fronten der Nationalpark-Befürworter und - Gegner immer stärker.“ Die Diskussion sei mittlerweile so aufgeheizt, dass auch nicht mehr vor Sachbeschädigungen zurückgeschreckt werde. „Nachdem Plakate und Werbetafeln beider Seiten heruntergerissen und beschmiert wurden, ist nun die nächste Eskalationsstufe erreicht. Auf dem Grundstück eines Nationalpark-Gegners wurden vorgestern die Reifen eines Fahrzeuginhabers zerstochen. Auch sind verschiedene Personen Drohungen ausgesetzt. Das ist schockierend.“
Stefan Rouenhof ruft alle Beteiligten dazu auf, sich für einen respektvollen, fairen und ehrlichen Umgang einzusetzen. „Denn am Ende des Bürgerentscheids steht ein Ergebnis, welches wir als Demokraten – zu akzeptieren haben, egal ob es uns gefällt oder nicht.“ Kerstin Kahrl