Radtour der Pfalzdorfer Landfrauen nach Grieth
Informativer Ausflug in die Geschichte des Hansestädtchens
PFALZDORF. Nach der Hitze der vergangenen Wochen war den 20 Landfrauen aus Pfalzdorf, die kürzlich zu einer Radtour aufbrachen, ein angenehmes Wetter mit einem Wechsel aus Sonne und Wolken sowie eine Wohlfühltemperatur um die 23 Grad Celsius vergönnt. Die Route führte über Pfalzdorf „Dorf“ in Richtung Moyland und weiter über die Berk‘sche Straße nach Kalkar, von wo die Strecke an einem kleinen Flusslauf entlang bis nach Grieth, dem Ziel der Tour, verlief. Auf dem dortigen Marktplatz wurden erst einmal der mitgebrachte Proviant ausgepackt und genüsslich in gemeinschaftlicher Runde verspeist. Später stießen noch zwei weitere Landfrauen, die mit dem Auto angereist waren, zur Gruppe. Nun sollte die Führung durch Grieth losgehen. Magdalene Denissen, die die Tour organisiert hatte, begrüße den Stadtführer Rudi Hellwig, der den Frauen in den nächsten ein dreiviertel Stunden allerhand Wissenswertes über Grieth vermitteln sollte. Als erstes wurde der Deich mit dem großen Sperrtor, einer Öffnung im Deich, die den Zugang zum Rhein ermöglicht, besichtigt. Als Schutzanlage bei Hochwasser kann dieses gewaltige Tor geschlossen werden, um Grieth und das Hinterland vor Überflutung zu schützen. An der seitlichen Mauer sind Markierungen mit Jahreszahlen angebracht, aus denen der Hochwasserstand in extremen Jahren abgelesen werden kann. In diesem Zusammenhang erklärte Rudi Hellwig, dass der Rhein nicht immer in seinem derzeitigen Bett geflossen ist, sondern früher ein sehr verzweigter Fluss mit vielen Schleifen und wechselnden Rinnen gewesen sei, der die Landschaft gestaltete. Er besaß zahlreiche Kies- und Sandbänke, Moore sowie Auenlandschaften mit riesigen Überschwemmungsflächen. Riedgras prägte die Natur rund um den Ort Grieth. Daraus lässt sich auch der Name des Ortes herleiten. Das heutige Bett des Rheins ist stark vom Menschen geformt worden, indem die Bögen und Schleifen begradigt wurden, was heute noch gut an der Grieth gegenüberliegenden Seite des Rheins, die mit einer Mauer aus Steinen befestigt ist, sichtbar ist. Durch die Einengung des Rheins erhöhte sich dessen Fließgeschwindigkeit stark. Das zahlte sich bei der Nutzung des Rheins als Verkehrsweg aus.
Im 13. Jahrhundert hatten die Klever Grafen ein Interesse daran, in ihrem Machtbereich einen Hafen und Handelsplatz zu errichten. Aus geografischer Sicht eignete sich hierfür das Gebiet bei Grieth. Daher erhielt Grieth im Jahr 1254 die Stadtrechte und 1472 die Zoll- und Stapelrechte. 1540 wurde Grieth auch Hansestadt. In Verbindung mit der Stadtgründung kam es zu einem ganz bestimmten Zuschnitt der Grundstücke und Häuser, der sich noch heute an vielen Gebäuden ablesen lässt. Man nennt diese Grundstücke „Urparzelle“ mit eng aneinander gebauten Häusern. Die Bebauung des Ortes hielt sich bis vor wenigen Jahren innerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen, da man dort vor dem Hochwasser des Rheins weitgehend sicher war. Die Gebäude sind circa 3,50 Meter breit und weisen in der Vorderfront im Erdgeschoss eine Tür und ein Fenster und im Obergeschoss zwei Fenster auf. Darüber befindet sich das Satteldach. Zu den Baudenkmälern der Stadt gehört das Haus Grieth, das 1371 erstmals erwähnt wurde und zeitweise den Zöllnern als Arbeitsstätte diente. Die Verleihung der Stadt,- Zoll- und Stapelrechte bot den Klever Regenten eine gute Einnahmequelle, sicherte aber auch besonders im Bereich der Schifffahrt und des Hafens den Griethern viele Erwerbsmöglichkeiten. So bot vor dem Aufkommen der Dampfschiffe das Treideln eine Einkommensmöglichkeit. Pferde zogen Lastkähne stromaufwärts. Die Griether stellten die Pferde und fanden Arbeit als Pferdetreiber. Im Ort sind heute noch große runde Holztore an den Häusern zu sehen, in denen sich die Pferdeställe befanden.
Nach dem sehr interessanten Ausflug in die Vergangenheit kehrte Rudi Hellwig in die jüngere Vergangenheit und Gegenwart zurück, denn der Weg führte die Frauen jetzt zum Haus Haan, einem 1931/1932 entstandenen Haus im Stil des Bauhauses, das lange Zeit unter Efeu verborgen war und zurzeit aufwendig renoviert wird. Rudi Hellwig legte dar, dass Grieth in den letzten Jahren von der Landflucht betroffen war, sich seit geraumer Zeit aber immer mehr Menschen – auch Personen, die in der Großstadt ansässig waren und arbeiteten - dazu entschlossen haben, ihren Wohnsitz in Grieth zu nehmen und dort ein Haus zu erwerben, denn heutzutage ist das Arbeiten über „Homeoffice“ möglich. Das hat insgesamt zu einer starken Aufwertung des Ortes geführt. Da in Grieth keine Einkaufsmöglichkeiten mehr bestanden, wurde ein von einer Genossenschaft getragenes Geschäft gegründet, das neben Artikeln für die tägliche Grundversorgung auch ein Café betreibt. In dieses „Hanselädchen“ begaben sich die Frauen jetzt, um nach der sehr interessanten und informativen Führung den wohlverdienten Kaffee mit leckerem Kuchen zu genießen. Alle waren sich einig: „Man hätte nicht gedacht, dass es in Grieth so viel Interessantes zu erfahren gibt.“ Die Rückfahrt führte die Frauen unter anderem über einen Teil des Voltairewegs, der teilweise durch einen malerischen, märchenhaft anmutenden Wald verläuft. Später kehrten die Radlerinnen von dem schönen, für Körper und Geist anregenden Gemeinschaftserlebnis zurück.