Queeren Menschen eine Stimme geben
Friederike Müller leitet Projektstelle: Verletzungsgeschichte in den Blick nehmen
NIEDERRHEIN. Das Bistum Münster möchte queeren Menschen, die in der Vergangenheit in der katholischen Kirche vielfältige Verletzungen erfahren haben, die Möglichkeit geben, ihre Geschichten zu erzählen. Im Rahmen eines einjährigen Projektes sollen queere Menschen das Unrecht, das ihnen angetan wurde, offen und angstfrei aussprechen können. Hierfür ist unter anderem die Einrichtung einer Internetseite geplant. Es sollen Texte, Audios und Videos erstellt werden, die das Thema aufgreifen und dann crossmedial veröffentlicht werden. Ansprechperson für die queeren Menschen in dem Projekt ist seit Anfang Mai die Soziologin Friederike Müller, die zuvor am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster tätig war. Im Anschluss an das Projekt soll die Weiterarbeit an dem Thema in die Regelarbeit übergehen.
Friederike Müller ist es „ein zentrales Anliegen, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und die Erfahrungen von queeren Menschen (LSBTIQ*) angemessen entgegenzunehmen.“ Ziel des Projektes sei, so betont sie, „ein verantwortungsvoller und reflektierter Umgang mit der Vergangenheit. Queeren Menschen im Bistum Münster soll eine Stimme gegeben werden.“
Iris Horstmann, Referentin für Diversität im Bistum Münster, erinnert daran, dass queere Menschen auch in der katholischen Kirche im Bistum Münster viele Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung gemacht hätten. „Auch im Bistum Münster durften Mitarbeitende, die sich als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär identifizierten, mit ihrer geschlechtlichen Identität und/oder sexuellen Orientierung nicht offen umgehen. Es drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen.“ Zugleich habe es Beispiele gegeben, dass diese Menschen von Leitungspersonen aufgefordert worden seien, ihre sexuelle Orientierung und/oder ihre geschlechtliche Identität geheim zu halten, wenn sie weiter im kirchlichen Dienst bleiben wollten. „Solche Verletzungen darf es in Zukunft nicht mehr geben“, sagt Horstmann und ergänzt: „Wir möchten auch über das Projekt, das von queeren Menschen selbst angeregt wurde, deutlich machen, dass wir im Bistum Münster heute eine Kirche sind, in der Diversität offen gelebt werden kann und in der diese Menschen ein selbstverständlicher Bestandteil sind.“