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Stellen das Programm von Pro Kultur für das Veranstaltungsjahr 2024 vor: (v. l.) Thomas Brokamp, Ute Wins-Jansen, Norbert Kohnen und Irene Möllenbeck.NN-Foto: MB
15. Februar 2024 · Michael Bühs · Emmerich

Pro Kultur und das Kant-Jahr

Bürgeraktion in Emmerich stellt ihr Programm für das Veranstaltungsjahr 2024 mit einer Graphic-Novel-Ausstellung vor

EMMERICH. „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines anderen Staats gewalttätig einmischen.“ Wer diese Zeilen aus Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ liest, versteht schnell, weshalb Irene Möllenbeck sagt: „Kants Gedankengut war nie wichtiger als zurzeit – auch angesichts des Vormarschs der rechtsradikalen Tendenzen.“ Damit verweist die Vorsitzende der Emmericher Bürgeraktion Pro Kultur auf die Veranstaltungen zum Kant-Jahr, „das wir nicht ungenutzt vorüberziehen lassen wollen“. Diese sind ein Teil des Programms im Veranstaltungsjahr 2024 bei Pro Kultur, das der Verein nun vorgestellt hat.

Das Jahr begann für Pro Kultur mit der Holocaust-Gedenkfeier am 27. Januar. Weiter geht es am Dienstag, 23. April, 19 Uhr, mit dem Bildervortrag „Die aufklappbare Synagoge von Babyn Yar bei Kiew“ von Monika Grübel, Judaistin beim LVR, im PAN. „Wir haben uns ein Stück weit an Kriegsbilder gewöhnt. Das ist fatal“, sagt Möllenbeck und erinnert an die Geschichte, die Deutschland mit Babyn Yar verbindet. Hier richteten die Nazis am 29. und 30. September 1941 ein Massaker an, ermordete innerhalb von 48 Stunden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Mit dem laut Möllenbeck „spannenden und ausgefallenen“ Vortrag über die vom deutschen Architekten Manuel Herz errichtete Synagoge wolle man seitens Pro Kultur auch ein „Zeichen der Unterstützung für die Ukraine“ setzen.

Schülerfahrt

Nach vier Jahren Pause findet am Freitag, 7. Juni (Start 8 Uhr am Geistmarkt), wieder eine Schülerfahrt nach Amsterdam statt. „Die Fahrt in 2020 mussten wir drei Tage vorher wegen Corona absagen“, erzählt Möllenbeck. Diesmal besuchen 46 Schüler der Gesamtschule, des Förderzentrums Grunewald und des Willibrord-Gymnasiums das Anne-Frank-Haus und die Portugiesische Synagoge. Allerdings bleibt ein kleiner Vorbehalt: „Die Fahrt findet nur bei Förderung durch Dritte statt“, sagt Möllenbeck. Denn seit der letzten Fahrt in 2019 haben sich die Kosten auf rund 2.500 Euro verdoppelt.

In Kooperation mit den Emmericher Kulturbetrieben lädt die Bürgeraktion im September zu einer Lesung „Ein Jude ohne Stern“ mit Rainer Heeke im PAN ein. In diesem Buch beschreibt der Jude Albert Heymans aus Borken seine Flucht in die Niederlande, wo er den Holocaust überlebte. Die Lesung wird musikalisch begleitet, der genau Termin noch bekanntgegeben.

Ab Oktober widmet sich Pro Kultur dann dem Kant-Jahr. Im Mittelpunkt steht dabei die Ausstellung mit dem Arbeitstitel „Kant zu Gast im PAN – Einblicke und mehr“. Dabei zeigt die renommierte Künstlerin Antje Herzog, die aus Emmerich stammt und hier ihr Abitur machte, im Foyer des PAN rund 20 Graphic Novels – „alles Originale“, betont Möllenbeck – zu Kant, anlässlich des 300. Geburtstags des Philosophen. Zudem formulieren Schüler der Gesamtschule im Rahmen eines Kooperationsprojektes Texte zu den Bildern. „Unser Philosophie-Curriculum ist an die großen Kant-Fragen angelehnt“, berichtet Lehrer Thomas Brokamp. Er beschreibt die Werke von Antje Herzog in ihrer „Schwarz-Weiß-Ästhetik“ als „minimalistisch und dadurch sehr reizvoll“.

Die Ausstellung soll am Sonntag, 27. Oktober oder 10. November, eröffnet werden. Zudem plant Pro Kultur eine Begleitveranstaltung „Tischgesellschaft“ im November. „Kant liebte das Essen mit seinen Tischgesellschaften“, verrät Möllenbeck. Dies wolle man aufgreifen, mit einem Vortrag – mit „Kant aus der Perspektive seines Dieners Lampe“ als möglichem Thema – und einer Tischgesellschaft. „Vielleicht ja mit Königsberger Klopsen“, sagt Möllenbeck.

(Kunst)Experiment

Ein Experiment möchte Pro Kultur mit einem neuen Kulturabend im Laufe des Jahres wagen. Die Idee hinter „Mein Lieblingsbild“ beschreibt Norbert Kohnen: „Pro-Kultur-Mitglieder und prominente Gäste, die wir noch ansprechen, stellen ihr Lieblingsbild vor. Zwei bis drei Bilder pro Abend, möglichst aus verschiedenen Epochen. Im Anschluss sollen die Besucher dann über die Kunstwerke und die Kunst allgemein ins Gespräch kommen.“ Stimmt die Resonanz, kann sich Kohnen eine Fortsetzung mit zwei, drei weiteren Abenden vorstellen. „Vielleicht lassen sich so auch Berührungsängste vor einem Museumsbesuch abbauen“, sagt Kohnen, der hinzufügt: „Es müssen nicht nur Bilder sein, es können auch Skulpturen oder Architektur sein – als Kunst am Bauwerk.“

Gedenkfeier

Fest terminiert ist die Gedenkfeier zu „Stolpersteine leuchten“ am Samstag, 9. November, ab 18 Uhr im PAN, unter der Federführung von Christiane Feldmann, Silke Telaar und Ute Wins-Jansen. In Erinnerung an die Reichspogromnacht zünden Schüler der Gesamtschule, des Förderzentrums und des Gymnasiums Kerzen an und gestalten die anschließende Gedenkfeier.

Das Jahr 2025 beginnt für Pro Kultur dann wieder mit der gemeinsamen Holocaust-Gedenkfeier am Montag, 27. Januar, am jüdischen Ehrenmal auf dem Friedhof an der Friedensstraße in Emmerich, in Kooperation mit der Stadt und den weiterführenden Schulen.

Neben den vorgestellten Programmpunkten veranstaltet die Bürgeraktion Pro Kultur im Jahresverlauf immer wieder Führungen durch den Jüdischen Kulturraum und führt Aktionen mit den weiterführenden Schulen in Emmerich durch.

Michael Bühs

Stellen das Programm von Pro Kultur für das Veranstaltungsjahr 2024 vor: (v. l.) Thomas Brokamp, Ute Wins-Jansen, Norbert Kohnen und Irene Möllenbeck.NN-Foto: MB

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