Pop-Up-Seelsorge in Weeze: Gespräche unter freiem Himmel
Vertreter der evangelischen Kirche in Weeze und Wemb bieten sich als Zuhörer an
WEEZE. „Auf der Bank ist noch Platz“: Unter diesem Motto startet die evangelische Kirche Weeze in ein neues Projekt. Zu sieben Terminen in Weeze und Wemb treffen die Bürger in den kommenden Wochen auf Wunsch an sieben öffentlichen Bänken auf interessierte Zuhörer – Pop-Up-Seelsorge, wie das vierköpfige Team sagt. Doch es muss keine tiefschürfende Seelsorge sein: Auch ein Gespräch über Gott und die Welt ist möglich – oder einfach nur schweigsames Beisammensein.
Dass der Bedarf an einem offenen Ohr da ist, hat Vikar Leon Hartmann schon mit 16 Jahren bemerkt, als er noch in seiner alten Heimat Nettelstedt in Ostwestfalen an einer Erdbeerbude gearbeitet hat. „Da hat der Kauf eines Korbs mit Erdbeeren schon mal 45 Minuten gedauert“, erinnert sich Hartmann mit einem Lächeln. Ein Problem sei das für ihn aber schon damals nicht gewesen, im Gegenteil: „Ich habe es gern gemacht. Seitdem weiß ich auch, wie wichtig Seelsorge ist.“ Die folgenden Dankesanrufe machten das auch seinem damaligen Chef begreiflich.
Aus dieser Erfahrung ist das aktuelle Projekt allerdings nicht erwachsen. Die Idee dazu hatten vielmehr die ehrenamtlichen Presbyterinnen Sabine van Meegen, Annika MacDonald und Gisela Moll. „Wir haben als Kirchengemeinde den Wunsch, präsent und ansprechbar zu sein“, erläutert Leon Hartmann – auch außerhalb des Gottesdienstes. Positive Erfahrungen der Kirchengemeinde in Krefeld haben dem Projekt in Weeze weiteren Rückenwind gegeben.
Die Entscheidung war damit schnell getroffen: „Wir wollen es einfach mal ausprobieren. Die Motivation ist groß!“ Annika MacDonald absolviert derzeit sogar einen Qualifikationskurs für Seelsorge. Auch Gisela Moll ist überzeugt vom Projekt: „Viele gute Erlebnisse und Ideen entstehen im Gespräch. Ich freue mich auf offene Begegnungen.“
Das Konzept
Das Konzept des Projekts ist offen angelegt: „Alles ist erlaubt. Wir sind offen für alles, was die Menschen mitbringen“, sagt Hartmann. Er weiß aus Erfahrung, dass die Themen, die die Menschen bewegen, vielfältig sind: egal ob Familie, Erlebnisse, Erfolge und der eigene Garten oder ernstere Themen wie Sorgen, Krankheiten und Todesfälle. Es darf auch gerne um Kritik an der Kirche gehen, oder darum, was einen begeistert, betont er. Das Kirchen-Team verspricht Neugierde und Interesse an den Themen ihrer Besucher. „Das macht christlichen Glauben aus“, ist sich Hartmann sicher. „Jeder Mensch hat Interesse verdient. Jeder Mensch hat etwas zu sagen, das wichtig ist. Das ist für mich ebenfalls Kirche, auch wenn es nicht in der Kirche stattfindet.“ Zu erkennen sein werden die vier Kirchenvertreter an violetten Shirts, Kissen und der Beachflag.
Die Termine im Überblick
An den folgenden Tagen werden Vertreter der Kirche an folgenden Orten zu finden sein: Mittwoch, 3. Juni: Wemb, nahe der Kirche (ab 15 Uhr); Samstag, 20. Juni: Weeze, an der Niers nahe der Holzbrücke zum Tierpark (ab 11 Uhr); Donnerstag, 2. Juli: Weeze, katholischer Friedhof (ab 15 Uhr); Mittwoch, 15. Juli: Weeze, Innenhof des Seniorenhaus Theresienstift (ab 15 Uhr); Samstag, 1. August: Weeze, St. Jan Kapelle (ab 14 Uhr); Mittwoch, 12. August: Wemb, nahe der Kirche (ab 11 Uhr); Samstag, 29. August: Weeze, an der Niers nahe der Holzbrücke zum Tierpark (ab 15 Uhr).
Die Wahl der Bänke soll aber nicht nur genug Raum für Privatsphäre geben, sagt Hartmann: „Wir wollen zwar präsent, aber nicht aufdringlich sein.“
Das Team der evangelischen Kirche Weeze bietet mit dem neuen Projekt allen Interessierten ein offenes Ohr an. Foto: Evangelische Kirche Weeze