Podcast als Orientierungshilfe
Neues Projekt an der Gesamtschule Kevelaer hilft bei der Berufswahl. Auch Arbeitgeber sind begeistert
KEVELAER. Jugendliche und der Arbeitsmarkt. Ein Thema das vielen Bauchschmerzen bereitet, wenn sie hören, dass die meisten Schulabgänger eher perspektivlos sind, nicht wissen was ihnen wirklich gut liegt, oder dass ein Viertel aller angefangenen Ausbildungen abgebrochen werden. Die Gesamtschule Kevelaer arbeitet dazu an einem neuen Projekt, das den Austausch mit Unternehmern und Fachleuten sucht.
In dem Podcast „Gen-Z, das Z steht für Zukunft“, produziert von dem Literaturkurs der Q1, sprechen sie über authentische Einblicke in die Berufswelt und gegenseitige Erwartungen an zukünftige Azubis und Arbeitgeber. „Am meisten möchten wir uns mit den Fragen beschäftigen was jungen Menschen heutzutage wichtig ist, warum so viele ihre Ausbildung wieder abbrechen und wonach sie streben. Die meisten bekommen leider nicht die Möglichkeit genügend Erfahrung zu sammeln bevor sie in einen Beruf einsteigen. Sie wissen nicht was sie erwartet und merken erst wenn es zu spät ist, dass ihnen der Beruf nicht gefällt“, erklärt Ronja Ebeling, Journalistin und leitende Kraft des Schulprojekts.Gemeinsam mit Kathrin Jansen, Lehrerin und Berufswahlkoordinatorin der Schule und Kristina Janßen, Ausbildungleiterin der Firma Herbrand als Sponsor, konnte die Idee für einen Podcast schnell realisiert werden. Das Ziel: ein Medium finden das junge Menschen erreicht.
Die Schüler selbst sind begeistert: „Es ist einfacher einen Podcast zu hören, weil man nebenbei auch andere Dinge machen kann. Man kann eine Folge hören, wenn man kocht oder gerade auf dem Weg nach Hause ist. Wenn man Informationen erst noch lesen muss, hat man vielleicht keine Lust mehr sich überhaupt damit zu beschäftigen“, beschreiben Emma Manten und Silja Grube, zwei Schülerinnen der Oberstufe, die an dem Projekt beteiligt sind.
Dazu kommt der Trend-Faktor der Podcasts zurzeit beliebter macht denn je, und auch die Erkenntnis dass man nicht nur etwas Schulinternes tut, sondern auch etwas für Kinder und Jugendliche anderer Altersklassen, auf anderen Schulen, wie Kathrin Jansen betont: „Das Podcast Projekt ist von Schülern für Schüler und wir möchten es auch in den nächsten Jahren weiterführen.“
Anfang dieses Schuljahres begann die Planung. In insgesamt fünf Sitzungen haben sich die Schüler Fragen überlegt, die sie bewegen, ein Konzept entwickelt und Teams gegründet. Jetzt gibt es vier Gruppen á fünf bis sechs Schüler, die nochmal in die Aufgabenbereiche Produktion, Recherche und Moderation eingeteilt sind.
„Eine Aufnahme geht meistens 25 bis 30 Minuten. Auch das Schneiden der Sprachaufnahmen übernehmen die Schüler selbst. So konnten wir bis jetzt vier Folgen mit Unternehmenssprechern verschiedener Firmen“, erläutert Ebeling und Janßen ergänzt: „Es war interessant für mich zu beobachten, wie interessiert die Schüler an die Sache rangehen. Viele haben auch Fragen gestellt, die sich während des Gesprächs ergeben haben, woran man sah, dass dieser Podcast wichtig für sie ist.“ Lara Muellemann ist eine Schülerin, die für die Produktion und den Schnitt zuständig sind. Sie schätze an dem Podcast, besonders dass man die Möglichkeit hat, auch abseits des Mikros ein persönliches Gespräch mit den Unternehmern zu suchen und Kontakte zu knüpfen. Manche Schüler hätten sich sogar beim Interview einen Praktikumsplatz gesichert.
Bereits jetzt scheint das Projekt sehr erfolgreich zu sein, „Der Podcast macht die Runde und Unternehmen sprechen uns an, fragen, ob sie in der nächsten Folge dabei sein können. Für uns ist besonders wichtig, Orientierung für Schüler zu bieten, gleichzeitig bekommen die Unternehmen die Chance, sich selbst auch vorzustellen. Darum liegt der Fokus auch auf dem Erwartungsmanagement. Damit jeder weiß, worauf er sich einlässt.“
„Es reicht nicht einfach nur, in der Berufsberatung oder im Unterricht über Berufe zu sprechen. Man muss in den Dialog gehen und Unternehmen sich dem Medien Wandel anpassen, um Auszubildende zu gewinnen. Die Schüler machen das alles sehr souverän und haben auch mit der Technik kein Problem. Vielleicht auch ein Vorteil dieser jungen Generation“, betonen Ebeling und Jansen.
Schulleiter Christoph Feldmann unterstützt das Projekt ebenfalls mit allen mitteln und lobt die Zusammenarbeit mit Ronja Ebeling: „Ich finde das Projekt toll und freue mich immer zu sehen wie viel Spaß die Schüler daran haben. Es war eine glückliche Fügung das Ronja Ebeling sich beteiligen konnte.“ Der Podcast erscheint voraussichtlich Ende September auf allen gängigen Music-Streaming Plattformen. Mehr Informationen gibt es auf dem Instagram Kanal der Schule unter @gekevelaer. Jacqueline KurschatkeDer neue Podcast für Berufsorientierung wird von ihnen umgesetzt: (hinten v.l.) Kristina Janßen, Ronja Ebeling und Kathrin Jansen; ( vorne v.l) Melissa Toprak, Lara Muellemann und Emma Manten. Foto: J. Kurschatke