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Persönlicher Nutzen jenseits von Fakten
14. November 2024 Von NN-Online · Nationalpark Reichswald

Persönlicher Nutzen jenseits von Fakten

Eine Lesermeinung zur Debatte um einen möglichen Nationalpark Reichswald

Können Sie sich daran erinnern, dass ein Ereignis in den letzten 20 Jahren eine ähnliche Resonanz in den Medien gefunden hat wie diese Naturpark-Debatte? Oder dass so viel Propaganda, widerlegte Behauptungen weiter bedient wurden? Da scheint der beabsichtigte persönliche Nutzen jenseits von Fakten schon stark durch!

Angst wird geschürt mit einer nicht substanziierten Gefahr aus Brüssel, die eine zukünftige Nutzung des Grundwassers problematisieren würde. Das Gegenteil scheint eher richtig! Brüssel treibt die säumige BRD schon länger an, die Schadstoff-Grenzwerte beim Trinkwasser einzuhalten (s.auch vsr-gewaesserschutz.de). Es drohen hohe Strafzahlungen. Die Agrarlobi ist dagegen. Die will weiter ihre Gülle ausbringen, um ihre Viehzuchtbetriebe weiter profitabel zu halten und das Fleisch, was sie hier nicht (mehr) an die Kundschaft bringen, noch gewinnbringend nach China verhökern zu können. Ziel müsste vielmehr sein, hochwertig produziertes Fleisch in der Menge mit der verzehrten Menge in der EU in Deckung zu bringen ist, - mehr oder weniger. Egal, in welchem Land es produziert wird.

Wenn die Stadtwerke Kleve und Goch ihre Wassernetze verknüpfen, dann wird die Versorgungssicherheit erhöht und nicht vermindert. Angesichts gefährdeter Grundwasserspiegel in Trockenzeiten sicherlich eine sinnvolle Maßnahme. Aber kein Grund zur Angst! Und schon gar nicht gegen den Nationalpark!

Ich würde es gerne erleben dürfen, wenn sich die vereinigte Landwirtschaft in den Zielen einer nachhaltigen Bewirtschaftung und Nutzung wiederfinden könnte, auch besonders dann, wenn sie die entsprechenden Konzepte dafür selber entwickelt hätte! Ein Traum!

Herr von Elverfeldt hat Angst, dass seine Baumbestände zukünftig nicht mehr so viel Ertrag für ihn abwürfen, wie er zu Zeit bekommt. Quatsch, er entscheidet weiterhin, welche Gehölze er anbaut, welche nicht und wie er sie pflegt. Er kann ja seine artenarmen und anfälligen Fichtenmonokulturen weiter anpflanzen. Nur wird der Seitendruck immer größer, dass Gehölze gesetzt werden, die mit möglichst wenig Wasser auskommen und dann auch noch schädlingsresistent sein sollten. Diese Gehölze müssen erprobt werden. Das ist eine Aufgabe der Förster, die die landeseigenen Flächen bewirtschaften, dass ein artenreicher Mischwald entsteht. Da könnte er sich dann bequem dranhängen, wenn er wollte. Schlussendlich würde sein Wald also wertvoller, als er jetzt ist. Nicht schlecht! Davon könnten wir alle profitieren. Wie kommt er eigentlich zu der Behauptung, dass ein Naturpark nicht im Interesse der Natur wäre? Bullshit!

Nicht anzuzweifeln ist ja, dass die Artenvielfalt (Biodiversität) in einem Mischwald bedeutend größer ist als in Monokulturen. Wir leben in einer Zeit, in der täglich über das Aussterben von Arten und dem unwiederbringlichen Verlust in Nahrungsnetzen berichtet wird. Dann wäre der Naturpark ein kleiner aber wichtiger Beitrag, diese Vielfalt zu erhalten und erlebbar zu machen! Hier im Kreis Kleve könnte viel mehr in der Richtung geschehen.

Peter Driessen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, befürchtet vordringlich, dass die Trinkwasserversorgung zB nach einem Ausbau (sprich weitere Bautätigkeit in privater oder industrieller Nutzung) in Zukunft nicht mehr gesichert sein könnte. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber dann kann eben nicht mehr so viel gebaut werden. Grenzen des Wachstums. Oliver Krischer, NRW Umweltminister, war, zurückhaltend formuliert, „erstaunt über die Bedenken“ der Wasserwirtschaft: die Wasserförderung könne gefährdet sein. Das scheint den Gegnern aber nicht auszureichen und sie pflegen weiter ihre Vorbehalte (Vage Zusicherungen gelten nicht). Das gilt auch für den Bund Deutscher Forstleute (in der Mehrzahl vermutlich Landesbedienstete) mit ihrer nicht nachvollziehbaren Argumentation: Als ob die angenommenen möglichen Mängel nicht vermieden werden könnten und sowieso müssten, auch ohne Nationalpark! Lieber eine schwache Behauptung als ein starker Beweis! Was meinen Sie, was hier los wäre, wenn wir durch politische Versäumnisse zu wenig Wasser hätten. Ein funktionierendes Wassermanagement ist aber in diesen Zeiten mehr als notwendig!

Peter Driessen befürchtet auch, dass ein Nationalpark in großen (!) Teilen der Bürgerschaft nicht mehr zugänglich sein könnte: Wandern, Reiten und Radfahren würden unmöglich! Natürlich wird es Regelung geben, ja geben müssen. Ein großes Verbot für die Bürgerschaft ist nicht denkbar und wäre auch kontraproduktiv, da ja gerade durch das Naturparkerlebnis der geneigte Bürger sich intensiver mit den Eigenschaften und Erfordernissen des naturnahen Waldes auseinandersetzen können soll, so auch Dietrich Cerff vom Klever NABU. In anderen Naturparks in der BRD gibt es solche umfassenden Einschränkungen jedenfalls nicht. Warum also hier?

Windkraft im Umfeld des Waldes bleibe weiterhin möglich. Flächennutzungsplan vorausgesetzt. Aber im Naturpark eben definitiv nicht! Ende Gelände!. Gut so.

Eine Bestandspflege bei den Wildtieren (Wildtiermanagement), dann unter Leitung der Nationalparkverwaltung, wird auch fürderhin und unter ähnlichen Bedingungen wie heute notwendig sein. Keine Sorge, die Kreisjägerschaft wird noch benötigt! Und die dürfen auch noch! Die jungen Bäume müssen ja auch geschützt werden. Auch das Umland – zum Wohle der Landwirte. Wir brauchen einen klimagerechten Umbau unseres Waldes. Das braucht Zeit, Engagement, und Expertise. Dazu gehörte auch eine angemessene Pflege eines bislang nicht vorhandenen Wolfsbestandes. Damit jetzt schon Angst zu schüren, ist doch wohl schofel!

Annette Hans, Landwirtin aus Nierswalde (eine von 100), befürchtet, dass konventionelle Landwirtschaft im Umkreis des Naturparks in Zukunft unmöglich würde. Zum Güllethema: s.o.. Warum denn? Jede Reduzierung dieser konventionellen Landwirtschaft und Hinwendung zu einer ökologisch sensiblen wäre begrüßenswert. Auch für spätere Generationen.

Jedenfalls gibt es nur Regulationen für Flächen, die dem Land NRW gehören. Und das Land übernimmt dafür auch die Kosten. Sollte man sich darum Sorgen machen? Nun, es gibt andere Finanzbereiche, die mir mehr Sorgen machen!

Der Kreis, zu allererst wir Bürger, würde dann auch von einer verbesserten Infrastruktur, auch einem umfangreicheren, aber naturnahen touristischen Angebot, profitieren können. Eine allgemeine Nutzungseinschränkung wäre nur kontraproduktiv! Man darf gar von einem Wirtschaftsmotor ausgehen!

Durch die Kooperation mit den niederländischen Organisationen (Naturmonumenten) kann eine wesentlich größere Fläche als der deutsche Nationalpark gestaltet und bewirtschaftet werden. Das sollte man als gewichtige Chance begreifen. Die Bereitschaft der Niederländer ist jedenfalls bekundet.

Nachdem der Kreistag sich wiederholt gegen den Naturpark ausgesprochen hat, ist es gut zu hören, dass die Kreis-SPD sich als größte Oppositionsgruppe breit für die Unterstützung ausgesprochen hat.

Jetzt bekommen bald alle 265.000 Wahlberechtigte die Briefwahlunterlagen zum Bürgerentscheid, also auch auf der rechten Rheinseite, automatisch zugesandt. Die müssen bis Mittwoch, 11. Dezember um 12 Uhr beim Kreis eingegangen sein.

Offensichtlich, und mir zum großen Ärgernis, wird von interessierter Seite viel Falschinformation gestreut. Doch man sollte sich erinnern: Auch, wenn man Falsches wiederholt, wird es dadurch nicht richtig! Aber durch eine sich verändernde Stimmung in der Gesellschaft kann die Bereitschaft zu einer sich verändernden gesellschaftlichen Grundlage anwachsen. Das wollen wir hier ganz bestimmt nicht! Ich will – wir wollen den Naturpark! Wachsam sein! Wählen Sie!

Wilfried van Haag,

Kalkar

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