Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Clemens Schiffer und Prof. Dr. Joachim van Alst (v. l.) sprechen sich für für eine enge Verzahnung von ambulanten und stationären Hospizdiensten aus. Foto: privat
11. Dezember 2024 Von NN-Online · Emmerich

Palliativmediziner plädieren für stationäres Hospiz in Emmerich

Stationäre Einrichtung laut Joachim van Alst und Clemens Schiffer unverzichtbar

EMMERICH. Schwerstkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase professionell und einfühlsam in familiärer Atmosphäre zu begleiten – das ist Hauptziel der Hospizarbeit. Die Palliativmediziner Prof. Dr. Joachim van Alst und Clemens Schiffer plädieren aus Erfahrung nachdrücklich dafür, in Emmerich ein stationäres Hospiz einzurichten.

Sie untermauern damit die Argumente der Christina-Kleintjes-Hospiz-Stiftung, die ein stationäres Hospiz am Bremer Weg plant. In einer Stadt mit mehr als 30.000 Einwohnern sei ein solcher Ort unverzichtbar, um schwerstkranken Menschen ein würdevolles Ende zu ermöglichen und Angehörige zu entlasten, so die Palliativmediziner.

„Immer mehr Menschen leben in Single-Haushalten oder, falls sie in Partnerschaft sind, ohne ausreichenden Rückhalt, um die schwere Krankheit des Partners oder der Partnerin zuhause allein zu bewältigen“, erläutert Dr. Joachim van Alst: „Ein stationäres Hospiz bietet ein Zuhause, das über die kurzfristigen Möglichkeiten eines Krankenhauses und einer Palliativstation hinausgeht. Nur ein Hospiz ermöglicht es, in einer familiären Atmosphäre betreut zu werden.“

Im Kreis Kleve gibt es derzeit drei stationäre Hospize – laut Clemens Schiffer zu wenig. „Im Hospiz Kleve-Donsbrüggen sind bis zu fünf der zwölf Patienten aus Emmerich und Rees. Die Wartezeit beträgt bis zu zwei Wochen – eine lange Zeit für ein Hospiz.“ Schiffer hebt hervor, dass der Stellenschlüssel im Hospiz eine für Krankenhäuser und Pflegeheime unerreichbare Zuwendung ermögliche: „Im Hospiz gibt es vier bis fünf Pflegekräfte für zwölf Patienten, in Krankenhäusern sind meist nur zwei vollausgebildete Kräfte für 30 Patienten zuständig.“ Pflegerisch und menschlich sei darum im stationären Hospiz eine intensivere Betreuung und Begleitung möglich: „Im Krankenhaus und in Pflegeheimen zwingt Effizienz dazu, mit wenig Personal auszukommen. Im Hospiz können wir mit einem höhere Personalschlüssel arbeiten und damit mehr Nähe, Zuwendung und Menschlichkeit bieten.“ Die Menschen würden sich oft überraschend gut erholen, Angst und Panik, vor allem bei Schmerzen und Atemnot, verlieren.

Mit Blick auf die Pflegekräfte, die sich oft noch vor Stellenausschreibungen im Hospiz bewerben, sei der emotionale Aspekt mit entscheidend: „Wenn jemand verstirbt, nehmen die Schwestern erst einmal frei, weil sie das emotional sonst nicht schaffen. Das regeln die Schwestern untereinander, Das läuft sehr harmonisch und funktioniert.“ Sich Zeit zu nehmen, um Trauer zu verarbeiten, das sei im Krankenhaus kaum möglich.

Das Hospiz sei nicht nur für die Gäste – so werden die Bewohner im Hospiz genannt – da, sondern auch für Angehörigen. „Sie können über Nacht bleiben, gemeinsame Geburtstage feiern. Es gibt Aktivitäten wie Konzerte oder Grillfeste, die fast schon Event-Charakter haben“, erzählt Clemens Schiffer. Joachim van Alst ergänzt: „In Donsbrüggen erlebe ich, wie die Angehörigen aktiv eingebunden und willkommen geheißen werden. Diese Art des Zusammenlebens lässt oft vergessen, dass das Hospiz eine ernste Einrichtung ist.“

Beide Ärzte plädieren für eine enge Verzahnung von ambulanten und stationären Hospizdiensten. „Eine qualifizierte Übergabe von ambulant betreuten Patienten ins stationäre Hospiz ist essenziell“, sagt van Alst. „Ein gemeinsamer Austausch ist unabdingbar, um die Versorgung der schwerkranken Menschen zu verbessern“, sagt Schiffer.

Für beide Ärzte ist ein Hospiz mehr als eine Pflegeeinrichtung. „Das Hospiz muss von der Gesellschaft getragen werden, durch Wirtschaft, Politik, Vereine und Bürger. Es soll ein Teil der Gemeinschaft sein“, unterstreicht van Alst. Denn ein stationäres Hospiz stärke in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen die Versorgungslage der Stadt, entlaste das Gesundheitssystem, schaffe Arbeitsplätze für qualifiziertes Pflegepersonal und biete Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement. Und nicht zuletzt fördere es das gesellschaftliche Bewusstsein für die Themen Sterben, Tod und Trauer.

Ein stationäres Hospiz in Emmerich biete damit nicht nur Schwerkranken und ihren Familien dringend notwendige Unterstützung, sondern stärke auch das soziale Gefüge in der Stadt und eröffnet Räume für gesellschaftliche Beteiligung und Enttabuisierung.

Clemens Schiffer und Prof. Dr. Joachim van Alst (v. l.) sprechen sich für für eine enge Verzahnung von ambulanten und stationären Hospizdiensten aus. Foto: privat

Prospekte
weitere Artikel