Osterpredigt im Xantener St.-Viktor-Dom
Weihbischof Lohmann: „Wir leben in einer Zeit des Übergangs“
NIEDERRHEIN. Weihbischof Rolf Lohmann hat am Ostersonntag im St.-Viktor-Dom in Xanten das Osterfest als „Zeit des Übergangs“ beschrieben und die Gläubigen dazu ermutigt, den tiefgreifenden Wandel von Kirche und Gesellschaft im Licht der Auferstehung Christi zu betrachten. In seiner Predigt verwies der Regionalbischof für den Niederrhein und den Kreis Recklinghausen auf die schnellen Veränderungen der Gegenwart und stellte ihnen die Hoffnung des Osterglaubens gegenüber.
Zu Beginn stellte Lohmann fest: „Wir leben in einer Zeit des Übergangs.“ Er verwies auf die rasante Entwicklung von Technik und Wissen, auf gesellschaftliche Umbrüche und auf den Rückgang kirchlicher Bindung. Werte und Normen früherer Generationen würden nicht mehr als selbstverständlich gelten. Der Wandel werde von vielen Menschen mit Sorge betrachteten, erklärte der Weihbischof. Vor diesem Hintergrund fragte er: „Welchen Grund hat ein Christ eigentlich, ängstlich auf den Wandel der Welt zu blicken, wenn er Ostern feiert – Ostern, das Fest eines Wandels, wie er gründlicher, radikaler und unfassbarer gar nicht denkbar ist?“
In eindringlichen Bildern schilderte der Weihbischof den Weg vom Kreuz auf Golgotha zum leeren Grab am Ostermorgen. „Jesus konnte kein Stein im Grab halten. Er hat nicht nur den Stein vor seinem Grab ins Rollen gebracht, er hat mit seiner Auferstehung die ganze Welt ins Rollen gebracht“, sagte er. Das Osterereignis habe alles verändert, auch die Jünger Jesu selbst. Aus enttäuschten und verängstigten Männern seien Zeugen des Auferstandenen geworden, die den Glauben in die Welt getragen hätten, selbst unter Lebensgefahr.
Der Weihbischof betonte, dass die Feier des Osterfestes auch die Menschen heute in diesen Übergang einbeziehe. Die Liturgie der Osternacht mache erfahrbar, wie Dunkelheit in Licht und Schweigen in Jubel übergehe. „Auch bei uns soll der Stein ins Rollen kommen, der Stein des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe“, sagte Lohmann. Wer Ostern ernst nehme, müsse den Veränderungen der Welt nicht mit Angst begegnen, erklärte der Weihbischof weiter. „Keiner von uns braucht Angst davor zu haben, was ihm seine irdische Zukunft bringt, denn er hat mit seinem österlichen Herrn schon längst jene Schwelle überschritten“, die durch technischen Fortschritt oder gesellschaftliche Entwicklungen nicht erreichbar sei.
Zum Abschluss verwies Lohmann auf die Spannung zwischen dem ersten Ostern Christi und dem noch ausstehenden Ostern der Vollendung. Das heutige Leben der Christen stehe dazwischen. Ostern wolle verwandeln, sagte er, „zu neuen Menschen, die dem Leben dienen und den Stein des Lebens immer wieder ins Rollen bringen“.