Neues Stipendium für regionale Forschung
Dank Sponsor: Emilie-und-Hans-Stratmans-Stiftung fördert Abschlussarbeiten mit Regionalbezug
NIEDERRHEIN. Abschlussarbeiten mit Regionalbezug fördern: Dank der Unterstützung eines Förderers kann genau das seit Jahresanfang die Emilie-und-Hans-Stratmans-Stiftung des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend tun. Gefördert werden Studenten aus ganz Deutschland und darüber hinaus – solange der inhaltliche Bezug zum Niederrhein besteht.
Wochenlange Recherche, tausende getippte Worte, dann die Abgabe bei den Prüfern: Es ist ein besonderes Gefühl, eine Abschlussarbeit abzuliefern, in die man so viel Zeit und Mühe investiert hat. Für Steffen Kock aus Rees war es im Juli soweit. Der Student der Ruhr-Universität Bochum hat seine Masterarbeit zur Geschichte des Herzogtums Geldern beendet.
Der Titel verrät mehr über den Inhalt: „Herzog von Gottes Gnaden? Das Verhältnis zwischen Fürsten und Landständen in den Niederrheinlanden – Ein Vergleich der Herzogtümer Geldern und Kleve (1492-1538).“ Der Regionalbezug für die neue Förderung durch die Emilie-und-Hans-Stratmans-Stiftung war damit zweifelsohne gegeben, aber als Kock sich an die Arbeit gemacht hatte, wusste er noch gar nichts von ihr.
Erst sein Prüfer, Privatdozent Dr. Jens Lieven – 2006 übrigens der erste Tekath-Preisträger des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend –, machte ihn während der Arbeit auf die Gelegenheit aufmerksam. Dieser hatte während einer Sitzung der Niederrhein-Akademie der Universität Duisburg-Essen durch Stiftungsdirektor Dr. Matthias Schrör von der Förderung erfahren.
„Bei so etwas spitze ich immer schnell die Ohren“, sagt Lieven mit einem Lächeln. Die Bedeutung einer solchen – vor allem regionalen – Förderung könne man gar nicht hoch genug einschätzten. Lieven erläutert: „Die Universitäten stehen heute unter immensem Sparzwang.“ Das betreffe viele Bereiche und damit auch die Regionalgeschichte. Die Folge: „Somit wird es immer schwerer für uns, entsprechend agieren zu können.“ Ein solches Stipendium sei daher hochattraktiv, um Studenten dennoch auf regionale und lokale Themen aufmerksam zu machen. „Das gelingt uns sonst nur noch selten.“
Heimatinteresse fördern
Dass die Förderung Anreize schaffe, „war auch unserem Sponsor wichtig“, sagt Matthias Schrör. Er selbst weiß ebenfalls, dass sich aus strukturellen Gründen immer weniger Menschen mit regionalen Themen beschäftigen würden. Aus diesem Grund sei der Mäzen auch mit seiner Idee an die Stiftung herangetreten, um mit seinem eigenen Vermögen zumindest etwas Abhilfe zu schaffen: Junge Leute, die sich für die Region interessieren, sollen gefördert werden und gleichzeitig im besten Fall Gelegenheit bekommen, sich für eine gewisse Zeit voll und ganz auf ihre Abschlussarbeit zu konzentrieren.
Dass die Gelder ihren Zweck erfüllen, dafür ist Steffen Kock ein gutes Beispiel. Er hat über drei Monate jeweils 1.000 Euro erhalten – eine große Erleichterung, nachdem aufgrund von Sparmaßnahmen seine Stelle als Vertretungslehrer weggebrochen war, erzählt er. „Das hat mir die Luft verschafft, weiter an meiner Masterarbeit arbeiten zu können. Hätte ich mich in die Jobsuche stürzen müssen, wäre das katastrophal gewesen.“ Entsprechend freut er sich, dass zukünftig auch andere Studenten von derselben Hilfe profitieren können. Denn: „Das Stipendium soll auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden“, berichtet Gerd Halmanns, Vorsitzender des Historischen Vereins.
Für die Förderung ist es egal, ob die Studenten aus der Region stammen, oder aus anderen Teilen Deutschlands oder sogar darüber hinaus, wie etwa den Niederlanden. Die einzige wirkliche Voraussetzung ist, dass die Arbeiten inhaltlich auf die Region abzielen – egal ob im Bereich Geschichte, Kultur, Kunst, Sprache, Archäologie, Volkskunde oder Geographie. Wer sich dabei noch auf das Archiv des Hauses Ingenray stützt – umso besser.
So ist übrigens auch die zweite Stipendiatin zu ihrem Glück gekommen. Paula Bierschenk aus Issum, Studentin in Bonn, fertigt ihre Bachelorarbeit zu den Spanischen Niederlanden im 17. Jahrhundert an. Dr. Jens Lieven hebt die Rolle außeruniversitärer Lernorte hervor, um neue Plattformen zu schaffen. „Man befruchtet sich gegenseitig.“
Formloser Antrag
Wer – bei mehreren Bewerbern – den Zuschlag erhält, wird in einem kleinen Gremium entschieden, zu dem auch der Förderer gehört, der für die Öffentlichkeit ungenannt bleiben möchte. „Grundsätzlich hat uns unser Sponsor aber viel Freiraum gelassen“, sagt Halmanns. Damit ist es auch egal, ob man zum Zeitpunkt der Bewerbung erst noch mit seiner Arbeit anfängt, oder schon mittendrin steckt. Oder ob man an der Abschlussarbeit für den Bachelor, Master, das Staatsexamen, das Diplom oder die Promotion sitzt. Schön: Der Antrag kann ganz einfach formlos gestellt werden, etwa per Mail an schroer@haus-ingenray.de. Wie viel gefördert wird und wie lange, wird individuell festgelegt.
Das neue Stipendium trägt bereits Früchte: (v.l.) Dr. Jens Lieven, der erste Stipendiat Steffen Kock, Stiftungsdirektor Dr. Matthias Schrör und Gerd Halmanns (Vorsitzender Historischer Verein). NN-Foto: Theo Leie