Neuer Bildungsgang gegen den OGS-Personalmangel
Placidahaus bildet bald Sozialassistenten mit Schwerpunkt OGS-Betreuung aus
Das Xantener Berufskolleg ist damit einer der Vorreiter am Niederrhein. „An den Berufskollegs in Wesel, Kleve und Geldern wird ein solcher Bildungsgang auch ab dem nächsten Schuljahr noch nicht angeboten“, weiß Placidahaus-Schulleiter Thorsten Funke. Den neuen Bildungsgang habe das Schul- und Bildungsministerium des Landes NRW ohnehin erst zum kürzlich gestarteten Schuljahr zugelassen. „Wir sind also direkt beim zweitmöglichen Schuljahr dabei“, unterstreicht Michael Lammers, stellvertretender Schulleiter am Xantener Berufskolleg.
Und dabei hat sich das Placidahaus natürlich auch etwas gedacht. „Wenn alle Eltern für ihr Kind einen Anspruch auf einen OGS-Platz haben, muss es natürlich genügend Fachkräfte geben, die diesen Bedarf decken können. Und hier möchten wir schon frühzeitig helfen, diese auszubilden“, sagt Funke. Bisher seien in den Offenen Ganztagsschulen neben gelernten Erziehern auch viele gänzlich ungelernte Kräfte tätig. Der Bildungsgang zum staatlich geprüften Sozialassistenten mit Schwerpunkt Erziehung, Bildung und Betreuung für Grundschulkinder soll diese Lücke zwischen den Erziehern oder Sozialpädagogen und den fehlenden Betreuungskräften adäquat schließen.
Der zweijährige Bildungsgang beinhaltet deshalb diverse pädagogische Schwerpunkte, die am Berufskolleg in der Theorie gelehrt werden. Dazu gehört zunächst einmal die Entwicklung von Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren. Neben Klassikern der Entwicklungstheorie, wird auch auf die Schulfähigkeit geschaut. Integration und Inklusion sind dabei ebenso Thema wie Konfliktlösungen. Die Sozialassistenten mit dem Schwerpunkt OGS werden sogar für den Bereich Störungsbilder (ADHS, ADS, Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS), Dyskalkulie oder Essstörungen) geschult. Nach dem Ende ihrer Ausbildung sollen sie Erzieher und Sozialpädagogen in ihrer Arbeit unterstützen und auch Angebote für Grundschulkinder planen, durchführen und reflektieren können. Dazu gehöre nicht nur die Hausaufgabenbetreuung. „OGS bedeutet ja auch Freizeit gestalten. Ähnlich wie im Kindergarten, gibt es auch in der OGS Freizeit- und Ferienangebote, die Spaß machen sollen“, sagt Lammers. Nur müssten diese eben speziell auf das Grundschul-Alter abgestimmt werden.
Der neue Bildungsgang bilde ab dem nächsten Schuljahr genau in dieser Hinsicht aus und biete damit in einer Zeit, in der ganztätige Betreuungsmöglichkeiten immer wichtiger würden, einen entscheidenden Mehrwert. Er richte sich an Schüler, die den Hauptschulabschluss nach Klasse neun haben, erklärt Lammers: „Der Bildungsgang hat also eine sehr niedrige Einstiegsmöglichkeit, beinhaltet nach dem Abschluss der zweijährigen Ausbildung aber automatisch einen Mittleren Schulabschluss.“ Er sei damit auch für Jugendliche ohne Führerschein und eigenes Auto hervorragend geeignet, die eine praktische Ausbildung zum Erzieher aufgrund fehlender Mobilität nicht absolvieren könnten: „Sie können auf dem Land schließlich oftmals nicht morgens in der Schule und nachmittags im Betrieb sein“, begründet Lammers. Der Bildungsgang zum Sozialassistenten werde dagegen ausschließlich am Berufskolleg absolviert. „Die Absolventen werden trotzdem voraussichtlich eine Job-Garantie haben, weil sie einfach in den OGS-Betreuungen dringend gebraucht werden“, ergänzt Funke. Deshalb sei der Bildungsgang durchaus auch für ältere, ungelernte OGS-Kräfte interessant – und das nicht nur aus Sicht der Kinder, die eine gute pädagogische Betreuung in der Grundschule verdient haben. „Die Verdienstmöglichkeiten sind mit einem Abschluss auch immer höher“, regt Funke zum Nachdenken an. Sabrina PetersMichael Lammers, Tanja Rose und Schulleiter Thorsten Funke werben für den neuen Bildungsgang am Berufskolleg in Xanten. NN-Foto: SP
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich