Neue Maßnahmen zum Schutz der Wiesenvögel in Xanten
Umweltminister Oliver Krischer besucht das Naturschutzgebiet Reeser Schanz
XANTEN. Uferschnepfe, Kiebitz, Brachvogel und Rotschenkel. Das sind nur eine Handvoll Vogelarten, die am Niederrhein heimisch sind, doch seit geraumer Zeit nur noch selten vorkommen oder gar vom Aussterben bedroht sind. Um das natürliche Vorkommen dieser Arten zu fördern, wurde 2020 das Projekt „Life Wiesenvögel NRW“ ins Leben gerufen. Durchgeführt wird es vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) in Kooperation mit Experten lokaler Biologischer Stationen. So konnten mit diversen Maßnahmen bereits einige Erfolge erzielt werden – insbesondere im Naturschutzgebiet Reeser Schanz bei Xanten-Wardt.
NRW-Umweltminister Oliver Krischer machte sich bei einem Besuch kürzlich selbst ein Bild der bisherigen Projektumsetzung im Gebiet Reeser Schanz. Bis September waren hier noch letzte „Blänken“ entstanden, die den Kern der Maßnahmen ausmachen. Blänken sind Senken, in denen sich Wasser sammeln kann und somit ein flacher Tümpel entsteht, in deren schlammigen Ufern Vögel nach Würmern und Insekten stochern können. Perfekte Voraussetzungen für ein ausreichendes Nahrungsvorkommen und Brutplätze. „Wiesenvögel sind auf nasse, offene und störungsfreie Lebensräume angewiesen. Das sind Landschaften wie hier, wo die Arten einst heimisch waren. Doch schon 2018 und 2019 hat sich gezeigt, dass die intensive Trockenheit Konsequenzen für viele Arten haben wird“, sagt LANUK-Präsidentin Elke Reichert. Nachweislich hätten die Bestände der Wiesenvögel bis 2022 drastisch abgenommen.
In der Rheinaue zwischen Vynen und Obermörmter sind mithilfe von Baggerarbeiten seit Projektstart insgesamt 22 Blänken und zwei Kleingewässer entstanden. „Da, wo wir Flachwasser geschaffen haben, hoffen wir, noch Schilf pflanzen zu können, da einige Arten diese Umgebung für ihre Brut bevorzugen. Je mehr man den Vögeln bieten kann, desto besser“, erläutert Paul Schnitzler von der Biologischen Station im Kreis Wesel. Minister Krischer betont „Natur- und Artenschutz lohnt sich. Das sehen wir anhand vieler positiver Entwicklungen. Die Bestände des Weißstorchs und Seeadlers haben sich erholt. Und auch der Fischadler konnte sich hier wieder ansiedeln, obwohl wir uns nicht sicher waren, ob er jemals wiederkommen wird.“ Anders sieht es noch bei den kleineren Vogelarten aus. Daher „müssen wir darum kämpfen, dass es solche Projekte weiterhin gibt.
Paul Schnitzler von der Biologischen Station im Kreis Wesel klärt Umweltminister Oliver Krischer und LANUK-Präsidentin Elke Reichert über das Verhalten der Wiesenvögel auf. Foto: LANUK/ Celina Solibida
Es ist noch nicht klar, wie es mit der Naturschutzförderung weiter laufen wird. Wir sind trotz unserer Erfolge noch nicht über den Berg“, betont Krischer weiter. Das Life-Projekt mit Gesamtkosten von rund 18,9 Millionen Euro wird zu 60 Prozent mit Geldern der EU finanziert. Das Land NRW beteiligt sich zu 40 Prozent, mit etwa 7,5 Millionen Euro.
Zur Förderung des natürlichen Lebensraums der Vogelarten gehört auch die umliegende Wasserqualität zu verbessern und Küken vor Fressfeinden zu schützen. Regelmäßig werden die Wiesen, die die Blänken umgeben und in denen sich Angreifer verstecken könnten, daher gemäht. Die Flächen in der Reeser Schanz umgeben den Landwirtschaftsbetrieb von Rolf Schlütter und seinem Haus Grindt. Auf den Wiesen grasen beispielsweise seine Rinder. Bewusst achte man darauf, die Landwirtschaft trotz der Vogelschutzmaßnahmen nicht zu beeinträchtigen. Ohne Zusammenarbeit funktioniere das Projekt nicht. „Das Projekt ist eine Chance, sich lokal zu vernetzen. Es ist toll, dass diese Zusammenarbeit möglich ist“, betont Projektkoordinatorin Petra Löttker.
Für 2027 wünschen sich die Verantwortlichen, dass die Tiere den neu geschaffenen Lebensraum gut annehmen. Bewusst wollte man vor der Hochwassersaison mit den Baumaßnahmen fertig sein, damit der Rhein die neuen Blänken gleich mit reichlich Wasser füllen kann. Mit der neuen Vegetation würden Kiebitz, Rotschenkel und Co., hier beste Bedingungen für ihre Rückkehr finden. 40 neue Uferschnepfen seien bereits dank des Naturschutzgebietes flügge geworden. Auch in älteren Blänken in dem Gebiet sei es inzwischen „am rappeln“, betont Schnitzler abschließend.
Um das natürliche Vorkommen dieser Arten zu fördern wurde 2020 das Projekt „Life Wiesenvögel NRW“ ins Leben gerufen. Durchgeführt wird es vom Landesamt für Natur- Umwelt und Klima (LANUK) in Kooperation mit Experten lokaler Biologischer Stationen. NN-Foto: J. Kurschatke