Neue Beleuchtung lässt den Xantener Dom erstrahlen
42 LED-Leuchten sorgen für eine neue Inszenierung von St. Viktor – Energieverbrauch sinkt um rund 88 Prozent
XANTEN. Eine neue und innovative Beleuchtung lässt den Xantener St. Viktor Dom endlich wieder im Dunkeln erstrahlen: Am Donnerstagabend um exakt 20.30 Uhr gingen die 42 Lampen allmählich an, um das Xantener Wahrzeichen im besten Licht dastehen zu lassen. Mit zunehmender Dunkelheit konnten die geladenen Gäste, die zu diesem Festakt eingeladen waren, immer mehr bewundern, wie gut die neue Beleuchtung den Xantener Dom in Szene setzt.
Denn anders als die Vorgänger-Beleuchtung setzt sie nicht mehr auf Natriumdampflampen, die bislang ein orangefarbenes Licht erzeugt haben. „Das lässt Gebäude immer völlig platt erscheinen“, sagte der studierte Lichtdesigner Maximilian Piltz, der das neue Licht-Konzept für den Xantener Dom entwickelt hat. Für die Anstrahlung der Turmfassaden wurden nun sogenannte „Gobo-Projektoren“ installiert, die nicht nur die Lichtverschmutzung minimieren, sondern auch so detailliert ausgerichtet wurden, dass sie passgenau nur bis zum jeweiligen Fassadenrand leuchten. „Das sorgt dafür, dass der Dom seine Dreidimensionalität behält“, erklärt Piltz. Diese dreidimensionalen Strukturen habe man durch verschiedene Helligkeiten und Verläufe zudem so akzentuiert, dass der Xantener Dom in seiner Gesamtheit auch in der Dunkelheit erstrahlen kann.
Schon seit den 1980er Jahren wird der Xantener Dom im Dunkeln angeleuchtet. Damals seien in anderen Städten viele bedeutende Denkmäler und Kirchen allmählich beleuchtet worden, sodass dieses Projekt auch beim Xantener Dom umgesetzt worden sei, wie Xantens Bürgermeister Rafael Zur am Rande der Veranstaltung erklärte. Schon vor einigen Jahren hätten dann aber die Überlegungen begonnen, so Niklas Franke, Technischer Dezernent der Stadt Xanten, die Dombeleuchtung auf einen neuen, innovativen und auch energiesparenderen Standard zu heben. 100.000 Euro hat dieses Projekt schließlich gekostet, wobei etwa 70 Prozent der Kosten vom Energiedienstleister Westenergie getragen wurden. Den Rest steuerten unter anderem die Stadt Xanten sowie die katholische Kirche bei.
Dank der Maßnahme konnte die Beleuchtung nicht nur qualitativ verbessert, sondern auch ausgeweitet werden. Im Gegensatz zur bisherigen Beleuchtung werden nun auch die Nordostseiten der Türme sowie die Turmspitzen erstmals angestrahlt. Zuvor wurden nur die Süd-, West- und Nord-Portale beleuchtet. Die für die Anstrahlung der Turmfassaden verwendeten sogenannten „Gobo-Projektoren“ wurden dazu unter anderem im nebenan liegenden Ziegelhof angebracht. Die Turmspitzen bringen fortan asymmetrische Strahler zum Leuchten. Alle Strahler verfügen zudem ausschließlich über insektenfreundliche LED-Lichtfarben, so dass eine biodiversitätsfreundliche Anstrahlung im urbanen Raum gewährleistet werde. Insekten oder Fledermäuse würden durch dieses Licht nicht angezogen werden, wie Piltz betonte.
Durch die Modernisierung konnte auch der Energiebedarf der Beleuchtung deutlich reduziert werden. Während die bisherige Anlage eine Leistung von rund 7.500 Watt benötigte, kommt die neue Beleuchtung mit rund 1.700 Watt aus. Die Energiekosten seien so von mehreren tausend Euro pro Jahr auf mehrere hundert Euro pro Jahr gesenkt worden. Um ein passendes Anstrahlungsergebnis zu erhalten, werden mehrere Leuchten mittels Steuerung gedimmt, wie die Stadt Xanten mitteilt. Der Verbrauch sei real somit noch geringer, als bei der Berechnung mit den reinen Bemessungsleistungen der Leuchten. Netto verbrauche die neue Anlage demnach nur knapp 900 Watt. Das entspreche einer Reduzierung um rund 6.600 Watt beziehungsweise etwa 88 Prozent.
Aktuell sei die Anlage so eingestellt, dass die Lampen eine Viertelstunde nach dem jeweiligen Sonnenuntergang angehen und bis zwei Uhr nachts leuchten. „Dabei verringert sich pro Stunde die Intensität um zehn Prozent. Das wird man aber kaum bemerken“, sagte Piltz. Die Stadt Xanten könnte die Anlage aber jederzeit anders einstellen. So könnte die Beleuchtung im Rahmen einer Feierlichkeit in der Xantener Innenstadt zum Beispiel auch mal die ganze Nacht über durchleuchten. Auch andere Farben oder die Projektion eines Logos zum Beispiel zum 800. Xantener Stadtjubiläum 2028 seien möglich.
„Mit der neuen Beleuchtung des St. Viktor Doms verbinden wir die erheblich verbesserte Inszenierung seines besonderen Erscheinungsbildes mit einem deutlich geringeren Energieverbrauch. Durch die eingesetzten Technologien der Anstrahlung haben wir ein in seiner Dimension bisher in Deutschland einzigartiges Vorreiter-Projekt der Gebäudeinszenierung geschaffen. Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit Westenergie eine Lösung umsetzen können, die unserem Wahrzeichen und zugleich unseren Klimaschutzzielen zugutekommt“, erklärte Bürgermeister Rafael Zur. Propst Stefan Notz lobte die Umsetzung, die den Xantener St. Viktor Dom so perfekt ausleuchten würden, dass sogar der Stein mit seinen unterschiedlichen Farben und Strukturen perfekt zur Geltung käme.
Übrigens: Der Kölner Dom wird seit Ostern 2025 mit über 700 präzise ausgerichteten LED-Leuchten im Dunkeln angestrahlt. In Xanten sind es nur 42 LED-Leuchten, darunter eben die „Gobo-Projektoren“, die beim Kölner Dom hingegen gar nicht zum Einsatz kommen. „Das hängt damit zusammen, dass wir beim Xantener Dom nur eine Fassade haben. Der Kölner Dom hat viele Details, wo Lampen angebracht werden können. Das ist beim Xantener Dom eben nicht der Fall“, erklärte Lichtdesigner Maximilian Piltz am Rande des kleinen Festaktes.
Der Xantener Dom wird ab sofort mit einer innovativen Beleuchtungstechnologie angestrahlt. NN-Foto: Theo Leie
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich