Musikalische Power in der Pfarrkirche
Beim Benefizkonzert für die St. Gerebernuskapelle riss Anne Mosters die Besucher von den Kirchenbänken
SONSBECK. Sie kam, sang und siegte: Anne Mosters bestritt in der malerischen Kulisse der Pfarrkirche St. Maria Magdalena ihr erstes abendfüllendes Solokonzert – und am Ende eines unvergesslichen Liederabends wusste man nicht genau, wer letztlich beseelter und glücklicher das Gotteshaus verließ: das begeisterte Publikum oder die höchst sympathische Künstlerin selbst?
Elisabeth Hegmann-Boßmann, Vorsitzende des Fördervereins St. Gerebernuskapelle Sonsbeck, zeigte sich schier fassungslos vor Glück: Sie dankte Anne Mosters für die unbeschreibliche „Power“, die sie in die restlos gefüllte Kirche gebracht hatte, sowie für die Aufmerksamkeit (auch in finanzieller Hinsicht), die durch das Benefizkonzert auf die kleine St. Gerebernuskapelle gelenkt werden konnte.
Denn diese Keimzelle des christlichen Glaubens in Sonsbeck hatte ursprünglich den Anlass für den Konzertabend gegeben. Auf der Suche nach Spendern und Sponsoren für die St. Gerebernuskapelle war der 2023 gegründete Förderverein im Herbst letzten Jahres an Anne Mosters herangetreten, um sie für ein Benefizkonzert zu gewinnen. Die damals 19-Jährige aus Menzelen-Ost sagte zu, bevor ihr Siegeszug durch die 15. Staffel der Sat.1-Sendung „The Voice of Germany“ begann und die Ausnahmesängerin dank legendärer Performances als Siegerin aus dem Fernsehshow hervorging.
Dieses verdiente Glück der Künstlerin wurde unverhofft zum Problem für den Förderverein: Die St. Geberenuskapelle ist viel zu klein für die große Popularität der Niederrheinerin, die inzwischen nach Berlin gezogen ist. Also wurde die Pfarrkirche St. Maria Magdalena als neuer Konzertort auserkoren. Dort fanden nun 300 Besucherinnen und Besucher Platz, obgleich die Nachfrage deutlich höher war und nicht alle Interessenten, die schon Ende März für eine Einlasskarte Schlange gestanden hatten, das Konzert miterleben konnten.
Anne Mosters sang eigene Lieder, darunter bislang unveröffentlichte, präsentierte eine Auswahl ihrer größten Hits aus „The Voice of Germany“ und interpretierte ihre Lieblingslieder namhafter Künstlerinnen und Künstler neu, von Adele und Whitney Houston über Sarah Connor und Helene Fischer bis zu prägenden männlichen Vorbildern wie Freddie Mercury und Frank Sinatra.
Angereichert wurden die formvollendet vorgetragenen Stücke durch kurze Anmoderationen, in denen Anne Mosters Einblicke ihre Liebe zur Musik sowie hinter die Kulissen der Fernsehshow und in die aktuelle Songwriter-Arbeit in Berlin gewährte. Das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen dem neuen Leben in der Hauptstadt und der Nestflucht aus Menzelen-Ost unterstrich die Musikerin durch die Kombination der New-York-Hymne „Empire State of Mind“ (von Jay-Z mit Alicia Keys) und Johannes Oerdings gesungener Liebeserklärung „Heimat“.
Meist begleitete Anne Mosters ihren Gesang selbst an den Tasten, doch sie war fest entschlossen, sich nicht „den ganzen Abend hinter dem Klavier zu verstecken“, und trug deshalb mehrere Stücke zum Halbplayback vor, während sie in den Kirchenschiffen den Kontakt zum Publikum suchte. Ihr aktuelles Duett „Letting Go“ trug sie erwartungsgemäß ohne ihren Gesangspartner und „The Voice of Germany“-Coach Nico Santos vor und kommentierte: „Nico steht leider nicht draußen vor der Tür – vielleicht beim nächsten Mal.“
Noch vor dem großen Finale mit „Gravity“ und der schwungvollen Zugabe „I Will Survive“ entlud sich die pure Begeisterung des Publikums in einem nicht enden wollenden Beifall-Stakkato als Reaktion auf Anne Mosters‘ Interpretation von Frank Sinatras „My Way“. Denn der selten gewordenen Kombination aus Können, Charme und Selbstironie konnte niemand in der Kirche widerstehen.
Ganz im Sinne des Fördervereins wusste die Künstlerin die gute Stimmung geschickt in einen Appell an die Spender umzumünzen. Man möge doch bitte Rücksicht auf die Geldsammler nehmen, indem man keine schwere Münzen, sondern vor allem leichte Geldscheine in die Körbchen werfe – und viele, viele hielten sich daran. Gefördert wurde das Konzert zudem von der Kulturstiftung der Sparkasse am Niederrhein und von der Firma Sicherheitsschuhe Elten.
Am Freitag, 8. Mai, steht dann wieder die St. Gerebernuskapelle als Kulturstätte im Mittelpunkt: Ab 19 Uhr findet dort unter dem Motto „Vom Buch zur Musik“ eine Konzertlesung statt. Für den 26. Juni ist ab 19.30 Uhr eine „Ladies Night“ mit Musikerinnen aus Sonsbeck und Umgebung geplant.