Musik, Geschichten und ganz viel Emotionen
Konzertlesung „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ mit Judy Bailey und Patrick Depuhl in Uedem
UEDEM. Judy Bailey und Patrick Depuhl sind am Sonntag, 1. März, mit ihrer Konzertlesung „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ im Gemeindehaus der FeG Uedem, Am Roten Berg 1, zu Gast. Sie sprachen im Interview über die Entstehungsgeschichte dieses Projekts und darüber, was die Besucher bei dem Lieder-Lese-Abend erwartet.
„Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ ist eine Konzertlesung – was genau muss man sich darunter vorstellen?
Judy Bailey: Der Abend ist von einer besonderen Dynamik geprägt, die sich in einem Programm aus zwei Teilen wie ein innerer Film entwickelt. Es wird oft laut gelacht und mitgesungen und dann gibt es Momente, an denen man die Stecknadel fallen hören kann, weil der Verletzlichkeit des Lebens freier Lauf gelassen wird.
Patrick Depuhl: Immer wieder hören wir, „das muss man erlebt haben“. Der Abend ist wie ein Mosaik aus Geschichten und Liedern, die sich vor einem überraschungsvollen Bühnenbild entfalten. Es ist schwer, die Konzertlesung in Worte zu fassen, denn die Atmosphäre und Emotionen, die der Abend entfaltet, sind jedes Mal aufs Neue einmalig. Der Lieder-Lese-Abend ist geprägt von den Geschichten hinter den Geschichten.
Welche Geschichten sind das?
Patrick Depuhl: Es sind im Grunde unsere Lebensgeschichten. Bei Judy viele Geschichten von der Insel Barbados, die einerseits wunderbar paradiesisch ist, aber auch lange für 400.000 versklavte Afrikaner die Hölle auf Erden war. Wenn Judy von ihrer ersten Heimat erzählt und singt, dann spürt man, wie tief die Wurzeln des Rassismus gehen, und dass aktuelle Entwicklungen nicht im luftleeren Raum stehen.
Judy Bailey: Und wenn anderseits Patrick Familiengeheimnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus erzählt, dann ist das nah an vielen deutschen Geschichten und dem verschwiegenen Umgang mit der Vergangenheit. Immer wieder kommen Leute auf uns zu und sagen: „Genau das Gleiche habe ich in meiner Familie auch erlebt.“ Ihre Geschichten sind dann meist grundlegend anders – aber in den Emotionen sind wir uns ganz nahe.
Das sind ja keine leichten Themen. Wie seid Ihr auf dieses Konzept gekommen?
Judy Bailey: Wir wussten lange, dass unsere Lebensgeschichten ganz unterschiedlich sind. Aber als vor einigen Jahren ein paar Dinge aus Patricks Familiengeschichte zum Vorschein kamen, die wirklich unglaublich sind, haben wir uns entschieden, dass wir das erzählen wollen. „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ ist sicherlich unser bisher politischster Abend, der aber nicht von oben herab daherkommt, sondern von persönlichsten Geschichten lebt – und damit bei den Zuschauern oft eigene Geschichten in Erinnerung ruft, die wichtig sind, aber vielleicht zu selten erzählt werden.
Patrick Depuhl: Wir sind davon überzeugt, dass wenn man von den Wurzeln erzählt, von den guten und den schweren Geschichten, sich erstaunlicherweise Hoffnung finden lässt. Dass das Schwere sich gerade nicht im Schweigen, sondern im Erzählen überwinden lässt.
Ihr seid seit 30 Jahren ein Paar. Wie habt Ihr Euch angesichts Eurer unterschiedlichen Lebensgeschichten denn gefunden?
Judy Bailey: Wir haben beide jeweils auf der anderen Seite des Atlantiks studiert, einmal in London und einmal in Chicago, und haben uns dann irgendwann in Deutschland gefunden. Patrick hat damals für mich übersetzt. Der Rest ist Liebe.
Und als Paar seid Ihr viel in Deutschland und der Welt unterwegs gewesen.
Patrick Depuhl: Ja, seit vielen Jahren touren wir durch alle Bundesländer und waren darüber hinaus mit unserer Musik in über 30 Ländern auf allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis. Dass wir mit „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ nach Uedem kommen dürfen, freut uns besonders, denn das ist für uns schon Nachbarschaft. Seit über 20 Jahren sind wir als Familie am Niederrhein zu Hause und waren immer wieder zu Gast im Bürgerhaus oder der Freien evangelischen Gemeinde, mit Workshops oder Konzerten. Jetzt kommen wir erstmals mit diesem Programm nach Uedem und sind gespannt! Zumal wir wissen, dass die Gemeinde gastfreundlich und offen ist und sicherlich einen tollen Rahmen für das Kunstwerk schenken wird.
Info: Konzertlesung „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“
Sonntag, 1. März, 17 Uhr (Einlass 16.30 Uhr)
Gemeindehaus der FeG Uedem, Am Roten Berg 1
Eintritt an der Abendkasse: neun Euro