Frank Mehring mit dem Kinderbuch „Der Manhattan Deal“ mit einem Bild dem Bild „Here Come the Blackfeet“ (2025) des Blackfeet Künstlers John Pepion und einer Schale mit Erde, die Frank Mehring während eines Besuchs des Blackfeet Community College in Montana mitgebracht hat. Foto: Arenacum
3. Oktober 2026 Von NN-Online · Kleve

Museum zum kritisch-kreativen Mitdenken

Das Forum Arenacum in Rindern setzt auf Kinder und Schulen

RINDERN. Was kann ein Kind in einem Museum entdecken, das es nicht auch in einem Schulbuch oder innerhalb weniger Sekunden im Internet finden kann? Für das Team des Museum Forum Arenacum liegt die Antwort auf der Hand: Ein Museum liefert nicht nur Informationen. Es zeigt Quellen und Gegenstände, erzählt Geschichten, macht unterschiedliche Sichtweisen sichtbar, stellt Fragen und darf auch Fragen offenlassen.

Mit seiner aktuellen Ausstellung über Peter Minuit und den sogenannten „Kauf Manhattans“ vor vierhundert Jahren möchte das Museum deshalb ganz bewusst Kinder, Familien, Jugendliche und Schulklassen ansprechen. Zugleich will das Forum Arenacum seine Zusammenarbeit mit Schulen in der Region ausbauen. Peter Minuit war eng mit Kleve verbunden und erhielt 1635 das Klever Bürgerrecht. Als Direktor von Nieuw Nederland spielte er 1626 eine zentrale Rolle bei jenem historischen Vorgang, der später als „Kauf Manhattans“ bekannt wurde. Eine wichtige zeitgenössische Quelle berichtet, Manhattan sei für Waren im Wert von 60 Gulden erworben worden. Wer auf indigener Seite beteiligt war und wie die Beteiligten die Vereinbarung verstanden, lässt sich jedoch heute jedoch nicht eindeutig feststellen. „Uns geht es nicht darum, Kindern eine fertige Interpretation vorzusetzen“, sagt Professor Dr. Frank Mehring, der das Museum ehrenamtlich leitet. „Wir möchten ihre Neugier wecken. Sie sollen selbst fragen: Was wissen wir eigentlich? Woher wissen wir es? Wer hat die Geschichte erzählt – und wessen Stimme hören wir vielleicht nicht?“

Gerade die Geschichte Manhattans eignet sich für solche Fragen. Lange wurde sie vor allem aus europäischer Perspektive erzählt. Die Sicht der Lenape, der indigenen Bevölkerung der Region, erhielt wesentlich weniger Aufmerksamkeit. Das Forum Arenacum stellt deshalb historische Quellen, spätere Darstellungen und indigene Perspektiven nebeneinander. Wie erinnern Lenape heute an diese Geschichte? Welche Vorstellungen von Land, Besitz und Austausch trafen aufeinander? Und warum verändert sich die Erzählung historischer Ereignisse? Für jüngere Besucher gibt es einen eigenen Zugang zur Ausstellung. Eine eigens geschriebene Geschichte wird von Aquarellen der deutsch-niederländischen Künstlerin Joke Ruijs begleitet. Die ausgestellten Bilder sollen Fantasie und Neugier wecken und Kindern ermöglichen, sich Geschichte auf ihre eigene Weise zu erschließen. „Kinder sollen bei uns nicht das Gefühl haben, dass ein Museum ein Ort ist, an dem man möglichst still vor einer Vitrine stehen muss“, sagt Mehring. „Sie dürfen entdecken, anfassen, fragen und auch widersprechen. Wenn nach einem Museumsbesuch neue Fragen entstehen, haben wir viel erreicht.“

In den kommenden Monaten möchte das Forum Arenacum noch enger mit lokalen Schulen zusammenarbeiten. Die Ausstellung bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Unterricht: europäische Expansion und Kolonialgeschichte, Handel und Migration, indigene Kulturen, historische Quellen und die Entstehung von Erinnerung. Im Mittelpunkt müssen dabei nicht Jahreszahlen stehen. Schüler können vielmehr fragen: Welche Quelle ist zuverlässig? Wer hat sie verfasst? Was wissen wir nicht? Warum fehlen bestimmte Stimmen? Und wie gehen wir heute damit um? Schulen sind ausdrücklich eingeladen, mit dem Museum über Besuche, Führungen und mögliche Formen der Zusammenarbeit ins Gespräch zu kommen.

Für Mehring gehört dazu auch eine gesellschaftliche Aufgabe von Museen. Sie bewahren Dinge, Dokumente und Erinnerungen, sollen aber zugleich Orte sein, an denen unterschiedliche Sichtweisen sichtbar werden und offen geforscht und diskutiert werden kann. „Wir haben im demokratischen Deutschland große Freiheiten in Wissenschaft, Kultur, Kunst und öffentlicher Diskussion“, sagt Mehring. „Das ist ein hohes Gut. Damit diese Freiheiten erhalten bleiben, müssen gerade junge Menschen erleben können, was sie bedeuten. Ein kleines Museum wie das in Rindern kann dazu seinen Beitrag leisten.“ Vielleicht beginnt historische und demokratische Bildung dabei mit einer einfachen Frage: Woher wissen wir eigentlich, dass es so gewesen ist?

Im Museum Forum Arenacum sind Familien mit Kindern ebenso willkommen wie Schulklassen, Vereine und andere Gruppen. Das Museum ist sonntags von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt drei Euro. Gruppen können eine Führung mit Museumsleiter Professor Dr. Frank Mehring buchen. Führungen werden ab zwölf Personen für 75 Euro einschließlich Eintritt angeboten. Anfragen sind per E-Mail an fmehring@gmail.com möglich.

Frank Mehring mit dem Kinderbuch „Der Manhattan Deal“ mit einem Bild dem Bild „Here Come the Blackfeet“ (2025) des Blackfeet Künstlers John Pepion und einer Schale mit Erde, die Frank Mehring während eines Besuchs des Blackfeet Community College in Montana mitgebracht hat. Foto: Arenacum

Prospekte
weitere Artikel