"Anke Ehring im Museum Kurhaus Kleve, Kuratorenteam, Januar, Foto von Rüdiger Dehnen"
12. September 2026 · Heiner Frost · Kleve

„Museen sollten Alltagsorte sein“

Über die Architektur ins Museum: Anke Ehring ist „die Neue“ im Kurhaus

KLEVE. Manchmal muss man mit dem Ende beginnen. Es ist die Frage nach einem Wunsch. „Ich bin da nicht so spontan“, sagt Anke Ehring. Seit Januar ist sie die Neue im Kuratorenteam des Museums Kurhaus Kleve. Dann die Antwort: „Museen sollten Alltagsorte sein.“ Das trifft natürlich zu, wenn eine Kuratorin ist, aber das ist ja eine Art von höchst positivem Ausnahmezustand. Gemeint ist natürlich das Museum als Alltagsort für die Besucher. Für Ehring waren Museen schon immer Alltagsorte. Die Mutter hat Kunst auf Lehramt studiert und offensichtlich in Sachen Kunstvermittlung alles richtig gemacht. „Ich bin schon als Kind gern und oft in Museen gegangen“, sagt die Ehring und man denkt: Ja, so sollte es sein.

Kein Wunder also, dass Ehring die Kuratorinnenlaufbahn eingeschlagen hat. Das ist nicht ganz richtig. Denn nach dem Abi folgte erst einmal ein Studium mit anderem Schwerpunkt: Architektur und Innenarchitektur in Detmold. Abschluss: Bachelor. Aber irgendwie war es das nicht wirklich. Die Ehring schrieb beim ersten Job Bauanträge. Viele. Sehr viele. Vielleicht nicht ganz das, was sie sich vorgestellt hatte.

Es kam, was kommen sollte: Umorientierung. Kunstgeschichtsstudium in Bonn. Abschluss: Master. Natürlich antwortet die Ehring gern auf die Frage nach dem Thema der Masterarbeit, aber das ist dann so speziell, dass man nur schwer folgen kann. Begriffsfetzen bleiben hängen: barockes Architekturtraktat; Gebrauchskunst.

Am Ende die Destillation eines Gedankens: „Mich hat schon immer interessiert, wie man auf Kunst schaut.“ Ehrings erste Stelle: Köln – Museum für angewandte Kunst. Aus ihrem Büro: Blick auf den Dom. Klingt gut. „Das Museum hat eine unglaublich tolle Sammlung“, schwärmt die Ehring mit Augenfunkeln.

Und jetzt also Kleve. Was wird denn „Ehrings first Exhibition“? Das kann sie noch nicht sagen. „Als ich hier angefangen habe, stand ja das Programm für 2027 schon fest.“ Stimmt: Museumsarbeit ist Zukunftsarbeit. Und das in jeder Hinsicht. „Im nächsten Jahr wird es eine große Jubiläumsausstellung geben. Da bin ich eingebunden.“ Ehring ist längst angekommen. Sie ist gern in Kleve. Aber es wird Zeit kosten, sich durch die Sammlung zu arbeiten. „Natürlich ist mit der Sammlung schon viel gemacht worden“, sagt sie, aber ein neuer Blick auf die hauseigenen Schätze könne ja auch neue Perspektiven eröffnen. Da ist was dran.

Eins von Ehrings ersten Großprojekten – ein „Erbstück“: ‚Schule, Kunst, Museum‘. Ein Projekt ganz nach dem Geschmack der (nicht mehr ganz) Neuen. Gemeint ist natürlich ihre Dienstzeit in Kleve und nicht ihr Alter. Mit 31 ist Ehring ein Stück Museumszukunft. Was ihr auch am Herzen liegt: die Workshops. Zusammen mit ‚Schule, Kunst, Museum‘ liegt in beiden Projekten museale Zukunft. Es gilt, den Anschluss herzustellen. Museumsfans fallen nicht vom Himmel. Die Ehring hat reichlich Ideen. Und eben diesen Wunsch nach dem Museum als Alltagsort. Ihr nächster Plan: Niederländisch lernen. Super Idee, denn „bei uns im Museum sind auch viele Gäste aus den Niederlanden“.

Museumskultur, das weiß jeder, der in den Niederlanden Museen besucht, ist eine Willkommenskultur. Andere Baustelle. Oder vielleicht auch nicht. Wie wichtig sind eigentlich Museumsbesuche, wenn man als Kuratorin arbeitet? Zweiwortanwort: „Sehr wichtig.“

Bei der Frage nach Lieblingsmuseen wird es ausländisch. „Da wäre zum Bespiel das ‚Lousiana Museum of Modern Art‘ in Kopenhagen. Es geht aber auch näher: ‚Kröller-Müller‘ – irgendwie fast gleich um die Ecke. Letzter Museumsbesuch? Lehmbruckmuseum, Duisburg. Die Ehring hat sich Anish Kapoor angesehen. Augenfunkeln.

Am Ende des Besuches denkt man: Da brennt eine für das, was sie tut. Das ist ja wichtig bei ihrem Job. Es geht – im besten Sinn – um Ansteckungsgefahr. Museen als Alltagsorte müssen Kunstkontimanitationsorte sein.

Anke Ehring gehört seit Mitte Januar zum Kuratorenteam im Museum Kurhaus Kleve. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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