Mit Schaufel und Pinsel: Lehrgrabungen im APX
Der Archäologische Park und LVR fördern Studierende mit Monatspraktikum
Mit dabei sind Jugendliche aus Deutschland, Griechenland, Tschechien, Dänemark und der Schweiz. „Bewerben kann sich jeder. Die meisten Studierenden sind zwischen dem ersten und zweiten Semester. Wir haben aber auch öfter Schülerpraktikanten oder jemanden der ein freiwilliges soziales Jahr macht. Trotzdem gibt es bestimmte Kriterien. Wir achten darauf, dass die Bewerber wenig bis keine Grabungserfahrung mitbringen und versuchen viele junge Menschen aus diversen Ländern mit einzubeziehen.“ Einzig eine Bescheinigung über ihre deutsch Kenntnisse müssen Bewerber aus dem nicht deutschsprachigen Ausland vorweisen, da alle Kurse auf deutsch sind.
Sind die 30 Praktikanten aus über 100 Bewerbungen erst mal ausgesucht, startet das Projekt in je zwei Gruppen à 15 Studenten. Gemeinsam leben sie in ihrer Gruppe vier Wochen lang in der römischen Herberge im APX, wo sie einen privaten Bereich für sich haben. „Die Studierenden bekommen anteilig Geld für ihre Reisekosten erstattet, sowie Geld für Verpflegung und Taschengeld“, erklärt Sabine Leih, frühere Leiterin des Projekts. Die Teilnahme an der Initiative selbst ist kostenlos.
Neben Lehrgrabungen und dem Üben aller zugehörigen Arbeitsschritte, werden auch Exkursionen und die Bereiche Archäobotanik, Knochenkunde, Geologie, Vermessung und Fundbestimmung angeboten. Freitags schließt die jeweilige Woche dann immer mit einer Grabungsbesprechung ab, bei der alle auf den neusten Stand gebracht werden.
„Zwei drittel der Zeit, arbeiten wir draußen bei der Grabungsstätte. Angefangen wird um 7 Uhr und Feierabend ist dann um 15 Uhr“, erklärt Müller den üblichen Tagesablauf der Praktikanten. Bei schlechtem Wetter, was das letzte Drittel der Arbeitszeit darstelle, werde für alternative Lehraktivitäten gesorgt wie Müller weiter erklärt: „Wir können die besten Voraussetzungen für unsere Studierenden bieten, aber das Wetter können wir nicht beeinflussen.“ Trotzdem, auch das gehöre dazu, schließlich herrschten bei Ausgrabungen im realen Berufsalltag die gleichen Bedingungen.
Die derzeitige Ausgrabungsstätte liegt genau am römischen Gasthaus in der Nähe des Amphitheater und nennt sich „Insula 38“. „Auf dem Grabungsabschnitt befinden sich kleine Wohnbebauungen wie wir sie aus Pompeji kennen. Vor den Wohnhäusern befanden sich jeweils kleine Handwerksläden wie ein Schuster oder Knochenschnitzer“, beschreibt Müller. Die Studierenden tragen derzeit den Steg eines Gebäudefundaments ab. Man könne zu diesem Zeitpunkt nur schlussfolgern was für Gebäude genau sich dort befanden, Sabine Leih erläutert jedoch, das es sich um weitere Wohnkomplexe handeln müsse: „Die Besucher vermuten, dass auf diesem Gelände hauptsächlich Wiese oder Bäume waren. Das stimmt aber nicht. Es war eine Stadt mit Häusern die dicht beieinander standen.“ Fundstücke von alten Dachziegeln mit klarer Prägung deuten auf Gebäude der 15. Legion etwa 70 nach Christus hin. „Wir können nie vorhersehen was sich im Boden befindet“, erklärt Müller, „gestern haben wir einen bearbeiteten Feuerstein freigelegt. Die Bearbeitung des Steins deutet auf die Steinzeit hin.“
Die Fundamente, an denen die Studierenden gerade arbeiten wären sogar mit der Herberge verbunden, wie die Archäologen erklären.
Die Studierenden lernen während dem vierwöchigen Praktikum nicht nur fachlich viel dazu. Auch Geduld ist eine wichtige Eigenschaft die in der Archäologie wichtig ist, erzählt Clara Maier, eine Teilnehmerin des Projekts: „Man muss zuerst um alle Funde herum graben und langsam arbeiten. Dabei entwickelt man eine große Vorfreude auf den Fund, muss aber auch viel warten. Jeder Schritt muss dokumentiert und koordiniert werden.“
Maiers Highlights waren Funde von Hochwertigen Materialien wie Glas oder Eisen. Ihr gefalle die Arbeit mit den anderen Studierenden. Besonders in Erinnerung wird ihr aber wohl der Austausch untereinander bleiben, „wir bringen uns gegenseitig Lieder und Bräuche aus unseren verschiedenen Ländern bei, oder sprechen darüber wie die Archäologie dort umgesetzt wird. In Ländern wie Griechenland wird eher wert auf die Erhaltung von Funden gelegt, in Deutschland geht es hauptsächlich um die Dokumentierung.“
Später möchte die Studentin im vierten Semester eher in den anthropologischen Bereich, also der, der sich mit der Entwicklung des Menschen beschäftigt.
Interessierte Besucher des APX können die Grabungen und Arbeit der Studierenden bei ihrem Besuch beobachten und auch Fragen sind immer willkommen, „Archäologie ist eine Wissenschaft, die viele Menschen fasziniert. Daher muss man sich als Archäologe an so etwas gewöhnen“, sagt Müller.
Es bleibt gespannt zu sein, was die 30 Jugendlichen in den nächsten Wochen noch entdecken. Das Programm endet am 15. September.
Jacqueline Kurschatke
Ein römischer Dachziegel mit offensichtlicher Prägung, gefunden bei den Lehrgrabungen im APX.Foto: Clara Maier Foto: Clara Maier
Die diesjährigen Studierenden des APX und LVR Förderprojekts. Foto: J. Kurschatke