"Kardinal Reinhard Marx betritt die volle Basilika, umgeben von Pilgern. Foto: Christian Breuer"
1. November 2026 Von NN-Online · Kevelaer

„Menschen, die hier eine Kerze entzünden, haben ein besonderes Anliegen“

Rektor Dördelmann zur Pilgersaison – Kardinal Marx schließt Pilgerpforte

KEVELAER. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Marienbasilika ist im niederrheinischen Kevelaer die diesjährige Wallfahrtszeit zu Ende gegangen. Traditionell wurde dazu symbolisch die Pilgerpforte mit einem goldenen Schlüssel verschlossen, in diesem Jahr durch den Erzbischof von München, Kardinal Reinhard Marx.

Den Gottesdienst feierte er gemeinsam mit den Weihbischöfen Wilfried Theising und Rolf Lohmann aus dem Bistum Münster, mit denen er schon lange befreundet ist.

In seiner Predigt stellte der Kardinal die christliche Hoffnung in den Mittelpunkt. Sie sei eine Ressource für das Leben und inspiriere zum Handeln. Hoffnung bedeute jedoch nicht, dass sich jeder Wunsch erfülle, vielmehr sei wichtig, dass das, was man in seinem Leben macht, Bestand hat.

Als Beispiel nannte er den Heiligen Franz von Assisi: „Er hat nicht die Probleme seiner Zeit gelöst. Aber seine Bewegung der Hoffnung ist auch 800 Jahre nach seinem Tod noch aktiv“, sagte Marx. Hoffnung sei gerade in einer „oft verworrenen Welt“ wie der heutigen eine wichtige Gabe. Tod, Gewalt, Sünde und Angst seien in der Welt präsent, „aber die Hoffnung, dass in diese alte Welt eine neue Welt gesetzt wird, ist nicht zu zerstören.“

Mit Blick auf den Wallfahrtsort Kevelaer betonte er: „Maria ist der Morgenstern, der nach der dunklen Nacht die Hoffnung auf den neuen Tag weckt. Und Maria ist die Trösterin der Betrübten. Wer wirklich betrübt und verzweifelt ist, ist oft ohne Hoffnung. Dort wird die Trösterin der Betrübten die Mutter der Hoffnung.“ Abschließend sagte der Kardinal: „Unsere Hoffnung stirbt nicht, wenn wir uns an die Gottesmutter halten.“

Gute Bilanz

Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann blickt zufrieden auf die vergangene Wallfahrtssaison zurück. „Mehrere Hunderttausend Menschen sind wieder zum Gnadenbild am Kapellenplatz gepilgert, haben hier gebetet und eine Kerze angezündet“, sagt er. Zwar gebe es den Trend, dass viele der großen Pilgergruppen inzwischen weniger Pilger anmelden, dafür gebe es nach wie vor eine Vielzahl individueller Pilger. Diese seien zwar schwerer zu erfassen, weil viele auch wegen der attraktiven touristischen Angebote nach Kevelaer kommen. „Aber es gibt schon eine große Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der zum Kapellenplatz kommt und eine Kerze anzündet, auch etwas auf dem Herzen hat“, weiß der Wallfahrtsrektor.

Im vergangenen Jahr habe es keine großen Jubiläen oder außergewöhnlichen Festtage gegeben. „Dadurch hatten wir vom Seelsorgeteam reichlich Gelegenheiten, auf dem Kapellenplatz mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Das seien oft sehr besondere Begegnungen, „die Menschen schenken einem vom ersten Moment an großes Vertrauen und erzählen ihre ganz persönlichen Geschichten. Das berührt mich immer wieder“, erzählt Dördelmann.

Er habe zudem beobachtet, dass gerade diejenigen, die mit großen Sorgen nach Kevelaer kommen, eine „Solidarität im Schmerz“ finden. Dördelmann: „Die Menschen erkennen, dass sie nicht allein mit ihren Nöten und Ängsten sind, allein das kann schon tröstlich sein. Hier ist ein Ort, an dem Platz für alle ist.“

Er freut sich zudem, dass die zahlreichen kulturellen Angebote rund um den Kapellenplatz gut angenommen werden. „Auch das sind Gelegenheiten, zu denen die Menschen in die Kirche kommen“, betont Dördelmann, „es ist schön, dass wir zu so vielen unterschiedlichen Anlässen Gastgeber sein dürfen. Wir haben tolle Kirchenräume an einem zentralen Ort und können auf Wunsch im Priesterhaus Übernachtungen samt Verpflegung anbieten. Auch das wird gerne genutzt.“ Das Motto der nun zu Ende gegangenen Wallfahrtszeit, „Raum geben“, habe man so sowohl spirituell als auch im Wort-Sinn umsetzen können.

Die nächste Pilgersaison beginnt am Samstag, 1. Mai, kommenden Jahres. „Pilger sind aber selbstverständlich das ganze Jahr über willkommen“, betont Dördelmann, „es besteht immer die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und am Gnadenbild zu beten.“

„Wallfahrtsrektor, Weihbischöfe und Kardinal vor Priesterhaus, bereit zur Prozession in Basilika“

Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann, Weihbischof Rolf Lohmann, Kardinal Reinhard Marx und Weihbischof Wilfried Theising warteten vor dem Priesterhaus auf den Beginn der Prozession in die Basilika. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer

Kardinal Reinhard Marx zog in die mit zahlreichen Pilgern gefüllte Basilika ein. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer

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