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Adnan Kandemir von NGG spricht über Senkung der Medikamentenkosten und Mehrwertsteuer für Arzneimittel, Foto von NGG/Tobias Seifert.
13. Mai 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Medikamente in den Apotheken günstiger und nicht teurer machen

NGG Nordrhein zu Gesundheitsreform: „Finger weg von der Teilkrankschreibung“

KREIS KLEVE. Wenn das Kranksein demnächst aufs Portemonnaie drückt: „Wer im Kreis Kleve zum Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Adnan Kandemir von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Geschäftsführer der NGG Nordrhein kritisiert das geplante Sparpaket im Gesundheitsbereich, das die Bundesregierung „stark zu Lasten der Versicherten verordnen“ wolle: „Für Medikamente sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro dazuzahlen, mindestens aber 7,50 Euro. Das läppert sich und drückt auf die Haushaltskasse – neben hohen Ausgaben für Sprit, Lebensmittel, Miete & Co.“ Heute dagegen liege die Zuzahlung bei fünf Euro und sei bei zehn Euro gedeckelt.

Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Nordrhein für eine reduzierte Mehrwertsteuer bei Medikamenten aus. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen: sieben statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken im Kreis Kleve an Arzneimitteln über den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt Adnan Kandemir. Wenn Medikamente geringer besteuert würden, könnte dies vor allem auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. „Die geplanten Zuzahlungen könnten dann wieder nach unten rutschen“, so der NGG-Geschäftsführer. Heftige Kritik kommt von der Gewerkschaft an der Teilkrankschreibung, die die Bundesregierung ebenfalls plant: „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet“, sagt Adnan Kandemir. Homeoffice und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sollen das möglich machen, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. „Das sind aber blanke Schreibtischplanungen“, ärgert sich Adnan Kandemir.

Der NGG-Geschäftsführer verweist auf die Praxis: „Nehmen wir einen Bäcker oder eine Köchin im Kreis Kleve. Auch die sollen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig sein können, wenn sie eigentlich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit“, so Adnan Kandemir. Aber in einer Backstube gebe es genauso wie in einer Restaurantküche „zu jeder Minute Zeitdruck und Stress“. Denn die Brote müssten morgens ab 2 Uhr in den Ofen und die Gerichte abends um 20 Uhr auf den Teller. „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke“, sagt der NGG-Geschäftsführer. Das unterscheide die Arbeit in Bäckereien und der Gastronomie vom „Schreibtisch-Job im Rathaus“. Unterm Strich sei die Gesundheitsreform in Sachen Teilkrankschreibung nichts anderes als eine Verschärfung der Krankschreibung. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen. „Aber gerade das ist heikel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß. Das kann mit ‚sanftem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knallhart-Ansage passieren“, befürchtet Adnan Kandemir. Beides sei jedoch „wenig hilfreich“, wenn es darum gehe, gesund zu werden. An die Adresse der CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Kleve und der Region gerichtet, appelliert der Geschäftsführer der NGG Nordrhein, „alles daranzusetzen, die Gesundheitsreform in puncto Zuzahlung und Medikamenten-Mehrwertsteuer zu ändern sowie von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.

Wer krank ist, soll nicht noch zusätzlich leiden: „Höhere Zuzahlungen für Medikamente gehen ins Geld. Außerdem kann der Staat die Mehrwertsteuer für Arzneimittel von derzeit 19 auf künftig 7 Prozent senken und so Patienten und Krankenkassen entlasten“, sagt Adnan Kandemir von der Gewerkschaft NGG Nordrhein. Darauf sollen die heimischen Bundestagsabgeordneten achten, wenn sie demnächst über die Gesundheitsreform abstimmen. Außerdem lehnt die NGG die geplante Teilkrankschreibung ab. Foto: NGG/Tobias Seifert

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