Martin Wennekers aus Kleve sammelt Totenzettel
Auch Sterbebilder von Päpsten, Bischöfen sowie Persönlichkeiten wie J.F. Kennedy, Helmut Kohl, Ottfried Preußler, Udo Jürgens und Franz Josef Strauß in der Sammlung
Heute ist dieses Kulturgut, wie Martin Wennekers es nennt, lange nicht mehr so verbreitet wie noch vor 20 Jahren. Ebenso wie der schwindende Beerdigungsritus und die dazugehörigen Gottesdiensten. Alles verschwindet aus dem Blick, obwohl gerade diese Dinge wichtig sind für die eigene Trauerbewältigung.
Begonnen hat seine Sammelleidenschaft durch die Erforschung der Familiengeschichte, in der es mehr als nur um nackte Daten und Fakten geht. Damals bekam er von einer Cousine seiner Mutter eine kleine Kiste mit Sterbezetteln der Familie, aber auch ihm unbekannter Personen. Zunächst ging es ihm darum, mit diesen Schriftstücken die Geschichte seiner Vorfahren zu erforschen und zu vervollständigen. Doch damit war er schnell durch. Die Faszination dieser Zettel war aber geweckt. Woher stammten diese? Wie lange gab es diese schon?
Begrifflich gehören die Totenzettel (in anderen Landschaften Deutschlands oder anderen Ländern auch Sterbezettel, Sterbebildchen oder Leidbildchen genannt) zum Gebiet der „kleinen Andachtsbilder“ oder zur „Devotionalkunst“ allgemein. Einen ersten Hinweis zur Entstehungsgeschichte findet man im Hamalandmuseum in Vreden, in dem auf das 13. Jahrhundert als Entstehungszeit des kleinen Andachtsbildes hingewiesen wird. Um das Jahr 1250 wird das bisher älteste kleine Andachtsbild (Fund im Kloster Winhausen) auch an anderer Stelle datiert. Die Ursprünge bildhafter Darstellungen reichen aber viel weiter zurück. Sie beruhen auf der frühen kirchlichen Erkenntnis, dass einprägsamer als die Schrift und nachhaltiger als das Wort die bildhafte Darstellung sei. Papst Gregor der Große (590 bis 604) hat schon die Wandbilder als die Bücher der Ungebildeten gepriesen. Das zweite Konzil von Nicäa (787) legte die pädagogische Bedeutung des Bildwerkes fest und damit war sehr frühzeitig allgemein die Frage nach dem Wert und nach der Berechtigung der Bilder für die Kirche entschieden. Bemüht blieb man in der Folgezeit nur um die „richtige“ künstlerische Darstellungsweise dieser religiösen Bilder.
Während die heutigen Totenzettel meist nur noch Namen sowie Geburts- und Sterbedatum an persönlichen Daten preisgeben, gab es Zeiten, in denen der komplette Lebenslauf abgedruckt war. Verschiedene Zeiten – verschiedene Ausgestaltung. Heute sind oft Bilder der Verstorbenen oder aus dem jeweiligen Umfeld der Verstorbenen abgedruckt, früher eher „fromme“ Abbildungen und Texte.
80.000 Totenzettel sind mittlerweile in der Sammlung von Martin Wennekers zu finden. Sein Hauptaugenmerkt legt der Sammler auf das Gebiet im Bistum Münster, dem Niederrhein und den angrenzenden niederländischen Gebieten. Aber auch aus allen anderen Gegenden sind Zettel willkommen. Und es geht dem Sammler nicht in erster Linie um berühmte Persönlichkeiten, obwohl da auch schon etliche in seiner Sammlung zu finden sind. Viele Päpste, Bischöfe und Priester zieren seine Sammlung, aber auch Persönlichkeiten wie J.F. Kennedy, Helmut Kohl, Ottfried Preußler, Udo Jürgens und Franz Josef Strauß.
Wer ihn bei der Sammlung unterstützen möchte, kann Totenzettel an Martin Wennekers, Ruppenthaler Weg 48a, 47533 Kleve, senden, per E-Mail an totenzettel1@web.de schicken und im Kolpinghaus Kleve, Kolpingstraße 11, abgeben Weitere Infos gibt es hier.