Manchmal braucht es nur 32 Karten und ein bisschen Zeit
Paul Kuballa bietet wöchentlich eine Skatrunde im Adelheid-Haus an
GELDERN. Mittwochs um 15 Uhr wird im Adelheid-Haus gereizt, gestochen, gelacht und gefrotzelt. Seit Dezember 2025 gehört die Skatrunde fest zum Haus. Doch eigentlich geht es um viel mehr als 32 Karten: um Begegnung, Gemeinschaft – und um Zeit, die jemand verschenkt.
Einer, der dafür regelmäßig ins Senioren-Haus kommt, ist Paul Kuballa. Der 63-Jährige aus Uedem befindet sich in der passiven Phase seiner Altersteilzeit und hat nun mehr Zeit. Skat ist für ihn kein neues Hobby: Schon bei Opa und Oma schaute er beim Spielen zu, seit mehr als 20 Jahren gehört er selbst zu einer Skatrunde. Dass daraus einmal ein Ehrenamt werden würde, war trotzdem nicht geplant. Seine Frau Birgit Loß-Kuballa, die sich selbst seit März 2026 ehrenamtlich im Adelheid-Haus engagiert und für die Bewohner wöchentlich Kuchen backt, entdeckte die Suche nach einem Skatspieler und machte ihren Mann darauf aufmerksam.
Am Tisch trifft Paul Kuballa auf Heinz Noah und Norbert Barczynski. Heinz Noah ist 74 Jahre alt und lebt seit August 2025 im Adelheid-Haus. Früher, erzählt er, „gehörte Skat zum guten Ton“, einmal pro Woche traf man sich zum Stammtisch. Der 82-jährige Norbert Barczynski lebt seit Frühjahr 2025 im Adelheid-Haus – und auch er suchte nach einer Möglichkeit, wieder regelmäßig Skat zu spielen.
So treffen sich Menschen, die sich sonst vermutlich nie kennengelernt hätten. Aus einem Kartenspiel wird ein fester Termin, auf den man sich freut. Es wird erzählt und gelacht, das Gedächtnis bekommt Arbeit und um manchen Stich durchaus leidenschaftlich gerungen. Gewinnen ist schön. Wichtiger ist das Zusammensein. Genau das bekommt auch Paul Kuballa zurück: „Ich sehe ein freudiges Lächeln, ein zufriedenes Gesicht und höre ein Danke für die schöne Zeit. Mehr kann man doch nicht bekommen.“ Er habe in seinem Leben viel Glück gehabt und wolle davon etwas weitergeben. „Wir haben einfach Spaß daran.“
Für Regina Matzke, Koordinatorin im Freiwilligen-Zentrum Gelderland, steckt darin fast schon eine Gebrauchsanweisung fürs Ehrenamt: „Man muss nicht überlegen: Was könnte ich Großes leisten? Viel spannender ist die Frage: Was mache ich gerne, was kann ich gut – und mit wem könnte ich das teilen?“ Karten spielen, backen, vorlesen, spazieren gehen oder einfach Zeit für einen anderen Menschen haben: Die Möglichkeiten sind vielfältig. Paul Kuballa empfiehlt deshalb: die eigenen Interessen anschauen, herausfinden, wo Unterstützung gebraucht wird – und es einfach ausprobieren. Wie wertvoll daraus entstehende Angebote sein können, erlebt Heinz Noah jeden Mittwoch. Für ihn ist klar: Solche Möglichkeiten, sich zu engagieren, müssen bekannt gemacht werden – damit Menschen mit gemeinsamen Interessen zueinanderfinden.
Wer neugierig geworden ist und herausfinden möchte, welches Ehrenamt zu ihm passen könnte, kann sich unverbindlich bei Regina Matzke vom Freiwilligen-Zentrum Gelderland unter Telefon 02831/9102368 oder per E-Mail an regina.matzke@caritas-geldern.de melden. Sie berät Interessierte und vermittelt passende Einsatzmöglichkeiten.
Denn für ein gutes Ehrenamt braucht es manchmal erstaunlich wenig: eine Idee, ein bisschen Zeit – und vielleicht 32 Karten.